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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
26. Juni 2017
Seite 1/2

Internationales Psychologenteam untersucht Zusammenhang zwischen Bombenkrieg und „German Angst“

Die „German Angst“ ist zu einem weltweit genutzten Begriff geworden, der die Eigenschaft der Deutschen charakterisieren soll, pessimistisch auf die Welt zu schauen und Untergangsszenarien heraufzubeschwören. Internationale Forscher um den Psychologen Martin Obschonka sind in einer Studie der Frage nachgegangen, ob die traumatische Erfahrung der schweren Luftangriffe auf deutsche Städte im 2. Weltkrieg in der Bevölkerung ein besonderes Angst- und Depressionsempfinden verankert hat. Die Studie ist am 19. Juni in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift „European Journal of Personality“ erschienen.
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Bald gibt es keine Rente mehr, der demografische Wandel wird Deutschland in die Knie zwingen, und die Flüchtlinge sind der endgültige Untergang des so genannten christlichen Abendlandes: Den Deutschen wird gerne ein grundlegender Pessimismus und eine existenzielle Zukunftsangst nachgesagt, die im Ausland als „German Angst“ sogar mit einem feststehenden Begriff geadelt wird. Doch eingehend wissenschaftlich untersucht hat die „German Angst“ noch niemand. Psychologen um Martin Obschonka, ehemals Juniorprofessor für Gründungs- und Innovationspsychologie an der Universität des Saarlandes und nun Associate Professor an der Queensland University of Technology in Brisbane/Australien, dem Ökonomen Michael Stützer der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim und Forschern der Universität Texas in Austin in den USA und der Universität Cambridge in Großbritannien haben nun die erste größere Studie vorgelegt, die das Phänomen „German Angst“ unter bestimmten Gesichtspunkten untersucht.

Am Ende des 2. Weltkrieges lagen viele deutsche Städte in Schutt und Asche, zerstört durch eine alliierte Bombenstrategie, die vor allem die Moral der deutschen Bevölkerung nachhaltig treffen sollte. In ihrer Studie gingen die Forscher nun der These nach, dass „German Angst“ aus den Erfahrungen des Bombenkrieges im 2. Weltkrieg entstanden sein könnte. Die traumatisierenden Erfahrungen in den Bombennächten und die Zerstörung ganzer Städte könnten zu einer ängstlichen und skeptischen Grundhaltung geführt haben, die über epigenetische Prozesse an die Nachfahren weitergegeben werden könnte.

Um herauszufinden, ob die These stimmt oder nicht, haben die Forscher zweierlei Datensätze miteinander in Beziehung gesetzt: Zum einen haben sie sich angeschaut, welche deutschen Städte in welchem Ausmaß von Bombenangriffen im 2. Weltkrieg zerstört wurden. Als zweite Grundlage haben sie aus einem weltweiten Datenpool, der Persönlichkeitsmerkmale von mehr als sieben Millionen Menschen aus aller Welt über eine groß angelegte Onlinestudie dokumentiert, die rund 187.000 Deutschen herausgefiltert und sie mit Personen aus 109 Ländern hinsichtlich des Persönlichkeitsmerkmals „Neurotizismus“ verglichen. Neurotizismus ist in der Psychologie dasjenige Merkmal, das der „German Angst“ am ehesten entspricht. Menschen, bei denen Neurotizismus besonders ausgeprägt ist, neigen zur allgemeinen Besorgnis und sind eher unzufrieden, ängstlich und launenhaft.

Die deutschen Teilnehmer hatten im weltweiten Vergleich selbsteingeschätzter Persönlichkeitsmerkmale allerdings nicht die höchsten Neurotizismus-Werte. Zwar bewegen sich die Deutschen im Datenpool im oberen Drittel, was ihren Neurotizismus und verwandte Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit angeht. Aber einen tatsächlich verstärkten Effekt, der sich als spezifische „German Angst“ niederschlägt, haben die Forscher in diesem Zusammenhang nicht feststellen können. Eine wesentliche Limitation dieses globalen Vergleiches war es aber, dass der Persönlichkeitsfragebogen nur in 4 Sprachen verfügbar war (Englisch, Deutsch, Spanisch, Holländisch).
 
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