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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
03. Dezember 2012

Prozess um schädliche Brustimplantate wird noch lange dauern

Im Prozess um gesundheitsschädliche Brustimplantate verkündete das Landgericht Karlsruhe am Freitag nur eine Zwischenentscheidung - juristisch ist die Lage vertrackt. Doch die Klägerin hat schon einen Grund, sich zu freuen.

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Der Prozess um Brustimplantate aus Billig-Silikon wird noch eine Weile dauern, doch einen ersten Erfolg hat Iris Herold schon errungen: Eine Schönheitsklinik in Düsseldorf hat der 40-Jährigen angeboten, die Silikonkissen in ihren Brüsten auszutauschen. Kostenlos. Die Klinik war durch Fernsehberichte auf den Fall aufmerksam geworden. Noch im Dezember soll Herold operiert werden. „Ich hoffe, dass dann meine Beschwerden nachlassen.“

Jahrelang hatte das französische Unternehmen Poly Implant Prothèse (PIP) Brustimplantate verkauft, die mit schädlichem Industriesilikon gefüllt waren. In Deutschland sind nach Behördenangaben 5.000 Frauen betroffen. Iris Herold ist die erste, über deren Schadenersatz-Klage verhandelt wurde. Am Freitag verkündete das Landgericht Karlsruhe, dass zunächst ein Sachverständigen-Gutachten eingeholt werden soll. So etwas kann dauern - ein Jahr sei keine Seltenheit, sagte ein Gerichtssprecher.

„Ich dachte, dass es schneller eine Entscheidung geben würde“, sagt Iris Herold. „Vor allem, um Klarheit für die anderen betroffenen Frauen zu schaffen.“ Die Mutter von drei Kindern hatte sich 2007 die Implantate einsetzen lassen. Die Krankenkasse wollte die Kosten für einen Austausch der Kissen nicht übernehmen.

Inzwischen, sagt Iris Herold, hätten sich andere betroffene Frauen an sie gewandt. Viele würden sich nicht wehren - weil sie keine Rechtsschutzversicherung haben, oder weil sie sich schämen. Es sei doch ein „intimes Thema“. Manche hätten sich nicht einmal getraut, als Zuschauerinnen zum Prozess zu kommen. „Weil sie Angst hatten, sie könnten dann im Fernsehen zu erkennen sein.“

Schon in der mündlichen Verhandlung Mitte November hatte das Landgericht Karlsruhe wenig Hoffnung auf eine unkomplizierte Entschädigung gemacht: PIP ist pleite, und die französische Haftpflichtversicherung muss nach Auffassung des Gerichts nur für Schäden zahlen, die in Frankreich auftreten. Anzeichen für ungenügende Kontrollen des TÜV Rheinland oder des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sahen die Richter nach erster Einschätzung auch nicht.

Sollte es dabei bleiben, bliebe betroffenen Frauen nur die Möglichkeit, den behandelnden Arzt wegen einer konkreten Pflichtverletzung im Einzelfall zu verklagen, etwa wegen mangelhafter Aufklärung über die Risiken. Ob das im Fall von Iris Herold geschehen ist, soll nun der Gutachter klären. Der Chirurg hatte ihr unter anderem gesagt, man könne mit einem Auto über ein Implantat fahren, ohne dass es kaputt gehe.

„Ich bin mir sicher, der Gutachter wird diese Aussage des Chirurgen als Verharmlosung bewerten. Damit wäre der Eingriff rechtswidrig“, sagt Herolds Rechtsanwalt Michael Graf. Außerdem prüfen die Anwälte, ob sie auch den französischen Lieferanten des Silikons zusätzlich verklagen. Der Streit um die Brustimplantate wird noch länger dauern.


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