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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
29. Mai 2017

Masern mit hohem Gefährdungspotential

So mancher von den älteren Jahrgängen erinnert sich noch an die belastende Krankheit mit Bindehautentzündung und hohem Fieber. Wenn die Masern „nur“ so verliefen und folgenlos ausheilten, konnte man von Glück sagen. Auch die Immunologin beim Deutschen Grünen Kreuz e.V. in Marburg, Dr. Ute Arndt, erinnert sich gut daran, wie es war: „Im Grundschulalter hatte ich die Masern, ich dämmerte im Sommer mit 40 Grad Fieber in meinem wegen der entzündeten Augen abgedunkelten Zimmer vor mich hin und hatte immer wieder hässliche Fieberträume.“
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Nicht immer geht es so glimpflich ab, denn Komplikationen wie eine Hirnentzündung, Lungenentzündung oder andere schwere Verläufe können das Leben bedrohen. Tragisch ist, dass gerade eine 37-Jährige in Essen an den Folgen der Infektion, die gerne verharmlosend als Kinderkrankheit bezeichnet wird, gestorben ist. Deutschland erlebt derzeit wieder eine Masernwelle, die meisten der bislang 634 Fälle wurden in Nordrhein-Westfalen (361 Patienten) verzeichnet, aber auch Hessen mit 64 und Sachsen mit 65 gemeldeten Erkrankungen sind darunter (Robert Koch-Institut. SurvStat-Abfrage vom 24.05.).

Die Patientin aus Essen wurde im Kindesalter gemäß den damals gültigen Impfempfehlungen nur einmal gegen Masern geimpft. Bereits seit 1991 empfiehlt die Ständige Impfkommission aber eine zweite Masern-Impfung mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) für alle Kinder und Jugendliche. Man hatte sehr schnell festgestellt, dass zwar etwa 95% der Geimpften nach nur einer Impfung lebenslang geschützt ist, aber eben nicht 100%. Diese Impflücke wird durch die zweite MMR-Impfung fast vollständig geschlossen.

„Zudem rät die STIKO bereits seit sieben Jahren zur Masernimpfung für nach 1970 geborene Erwachsene, die in der Kindheit nur einmal oder gar nicht geimpft wurden.“, erläutert Arndt, die sich seit dem Jahr 2000 beruflich mit Impfungen beschäftigt, viele Fortbildungen für Ärzte hält und auch Laien berät. „Viele Kinder werden aber immer noch zu spät geimpft – mit 11 Monaten sollte bereits die erste Impfung erfolgen –, fehlende Impfungen bei Jugendlichen und Erwachsenen nicht ergänzt.“, sagt sie und rät dringend jedem, der sich nicht sicher ist, ob er ausreichend gegen Masern geschützt ist, sich an den Hausarzt oder das Gesundheitsamt zu wenden und sich zu informieren. Denn auch nach Kontakt zu einem Masernpatienten kann die Impfung, wenn sie rasch gegeben wird, die Krankheit verhindern oder zumindest den Verlauf deutlich abschwächen.

Bevor man in den 1970er-Jahren mit der Masernimpfung begonnen hat, zirkulierte das extrem ansteckende Masernvirus stark in der Bevölkerung. Deshalb haben die vor 1970 Geborenen die Masern nahezu alle durchgemacht und benötigen deshalb gemäß STIKO-Empfehlung auch keine Impfung mehr.

Informationen des DGK zu Infektionskrankheiten und Impfungen finden Sie unter: www.dgk.de

Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.


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