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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
07. Februar 2017

Behandlungsfehler: Verdachtsfälle steigen in Rheinland-Pfalz um 22%

Die Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler sind innerhalb eines Jahres in Rheinland-Pfalz um 22% angestiegen. Wie die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) am Montag mitteilt, hat sie im vergangenen Jahr 202 Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler bei ihren rheinland-pfälzischen Versicherten verzeichnet nach 166 Fällen im Vorjahr. Hintergrund sei, dass die TK im vergangenen Jahr ihre Versicherten besonders intensiv über die Gefahr von Behandlungsfehlern und die Hilfsangebote für Betroffene informiert habe.
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"Die Versicherten greifen dadurch vermehrt zum Telefonhörer und melden uns solche Verdachtsfälle", so der TK-Medizinrechtsexperte Christian Soltau. "Wir gehen fest davon aus, dass sich die Versorgung in den Krankenhäusern und Arztpraxen nicht in diesem Ausmaß verschlechtert hat."

Besonders viele Verdachtsfälle verzeichnet die TK im chirurgischen Bereich. Hier wurden der Krankenkasse 70 Fälle gemeldet. Auf Platz zwei landeten die Zahnmediziner mit 24 Verdachtsfällen, gefolgt von Allgemeinmedizinern (22) und Orthopäden (17). Im vergangenen Jahr hat die TK bundesweit 14 Millionen Euro von Ärzten und Kliniken für die Folgekosten von Fehlbehandlungen zurückgefordert.

Dunkelziffer vermutet

Nicht jeder Verdachtsfall bestätige sich auch im Verlauf einer Überprüfung, so Soltau. "Häufig können die Versicherten schwer erkennen, ob ein Krankheitsverlauf schicksalhaft ist oder ob die Ärzte und Pflegekräfte einen Fehler gemacht haben." Gleichzeitig gehe er davon aus, dass hinter den gemeldeten Fällen auch noch eine Dunkelziffer liegt, sagte Soltau. "Viele wissen beispielsweise nicht, an wen sie sich wenden können."

Patienten, die Behandlungsfehler bei sich vermuten, sollten zunächst den Arzt direkt darauf ansprechen. "Betroffene sollten systematisch vorgehen und umgehend ein Gedächtnisprotokoll des Behandlungsablaufs und der involvierten Ärzte und Pfleger erstellen", so der Medizinrechtsexperte. "Die Erfolgschancen sind umso besser, je genauer ich die Krankheitsgeschichte dokumentiert habe. Denn: Der Versicherte muss in erster Linie beweisen, dass Ärzte oder Pfleger bei ihm schuldhaft gegen die anerkannten Regeln von Wissenschaft und ärztlicher Praxis verstoßen haben."

TK unterstützt Versicherte

Die TK unterstützt ihre Versicherten mit einer Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), einem Online-Lotsen (www.tk.de, Webcode 132622) und einer Beratungsbroschüre (Webcode 821320). "Sollte sich der Verdacht erhärten, kann die Krankenkasse medizinische Gutachten erstellen lassen. Diese sind für die Versicherten in der Regel kostenfrei und können von ihnen auch für Schadensersatz-Verhandlungen mit dem Arzt, dem Krankenhaus, der zuständigen Haftpflichtversicherung oder vor Gericht genutzt werden", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz.

Beschreitet die TK den Klageweg, übernimmt sie für den Versicherten die Vorreiterrolle im gerichtlichen Verfahren. "Der Versicherte kann den Ausgang des Prozesses abwarten und dadurch einschätzen, ob eine eigene Klage Aussicht auf Erfolg hat", so Simon. Im vergangenen Jahr hat die TK in 1.492 Fällen Gutachtenaufträge erstellt. 61 Fälle wurden vor Gericht verhandelt.

Jörn Simon wünscht sich dabei mehr Unterstützung von Politik und Justiz: "Leider dauern diese Verfahren viel zu lang. Nicht selten vergehen fünf bis zehn Jahre, bis das Urteil feststeht." In einigen Fällen könnten die Betroffenen nicht mehr arbeiten, seien in ihrer finanziellen Existenz bedroht und müssten dennoch jahrelang um einen Schadensersatz bangen. Simon: "Die Politik muss dringend mehr Spezialkammern für arzthaftungsrechtliche Fragen an den Landgerichten schaffen. Die Materie ist so komplex, dass Generalisten sich nur schwer einarbeiten können." Gleichzeitig müsse der Gesetzgeber verhindern, dass Haftpflichtversicherungen weiterhin auf Zeit spielen und die betroffenen Patienten teilweise aus reiner Finanznot zu falschen Kompromissen zwingen.

Quelle: Techniker Krankenkasse Rheinland-Pfalz


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