Journal Onkologie
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Beiträge von Dr. med. Rouvier Al-Monajjed

Das Prostatakarzinom ist die häufigste maligne Tumorerkrankung des Mannes in Deutschland. Während ein Teil der Tumoren aufgrund ihres aggressiveren biologischen Verhaltens behandlungsbedürftig ist, ist von besonderer Bedeutung, dass rund 50% der detektierten Prostatakarzinome klinisch unbedeutsam sind und auch ohne Therapie keine klinische Manifestation zeigen würden. Ein opportunistisches, unstrukturiertes Testen des prostataspezifischen Antigens (PSA) führt daher häufig zu Überdiagnosen und unnötigen Therapien. Die S3-Leitlinie 2025 empfiehlt erstmals die Einführung eines systematischen, risikoadaptierten Früherkennungsprogramms. Zentrales Element ist die Bestimmung eines Baseline-PSA-Werts im Alter von 45 Jahren. Ein PSA-Wert < 1,5 ng/ml definiert eine Niedrigrisikogruppe, bei der eine erneute Untersuchung erst nach 5 Jahren erforderlich ist. Bei PSA-Werten von 1,5-3,0 ng/ml werden zweijährliche Kontrollen empfohlen. Erst bei bestätigten PSA-Werten ≥ 3 ng/ml erfolgt ein strukturiertes Risikoassessment und – bei persistierendem Risiko – die Durchführung einer multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT). Die mpMRT verbessert die Detektion klinisch signifikanter Prostatakarzinome und kann bis zu 70% unnötiger Biopsien vermeiden. Die digitale rektale Untersuchung (DRU) wird aufgrund ihrer geringen Sensitivität und Spezifität im Rahmen des Screenings nicht mehr empfohlen. Männer mit familiärer Belastung oder bekannten genetischen Risikovarianten benötigen ein früheres und engmaschigeres Früherkennungsprogramm. Ein wesentlicher Baustein zur Vermeidung von Übertherapie ist die Aktive Überwachung (Active Surveillance, AS). Niedrigrisiko-Tumoren (ISUP-Grad 1) sowie günstig-intermediäre Tumoren (ISUP-Grad 2 mit geringem Anteil an Gleason-Muster 4 und ohne cribriforme oder intraduktale Anteile) sollen bevorzugt aktiv überwacht werden. Langzeitdaten aus den Studien ProtecT und PRIAS zeigen unter strukturierter Überwachung eine extrem niedrige Metastasierungsrate sowie eine sehr geringe prostatakarzinomspezifische Mortalität und bestätigen damit die Sicherheit dieses Vorgehens. Insgesamt entsteht so ein präzisionsmedizinisches Screeningmodell, das Überdiagnosen reduziert, klinisch relevante Tumoren zuverlässiger erkennt und unnötige Therapien vermeidet – vorausgesetzt, die Qualität der mpMRT sowie die urologische Expertise sind flächendeckend gewährleistet.
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