Mittwoch, 4. August 2021
Navigation öffnen
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juni 2021
Seite 1/5

Zielgerichtete Therapie des malignen Melanoms

L. I. Bley, C. Weishaupt, Klinik für Hautkrankheiten – Allgemeine Dermatologie und Venerologie, Universitätsklinikum Münster.
Durch den Einsatz moderner Systemtherapien kann heute eine relevante Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) bei Patienten mit metastasiertem Melanom erreicht werden. Kombinationstherapien aus BRAF- und MEK-Inhibitoren sind mittlerweile fester Bestandteil der Erstlinientherapie des BRAF-V600-mutierten Melanoms. Während bei Nachweis einer NRAS-Mutation eine zielgerichtete Monotherapie mit MEK-Inhibitoren möglich ist, können bei therapierelevanter c-KIT-Mutation gegen KIT gerichtete Kinase-Inhibitoren eingesetzt werden. Die zielgerichtete Therapie des NRAS- oder KIT-mutierten Melanoms kann derzeit in Deutschland jedoch wegen der fehlenden Zulassung nur als „off-label use“ erfolgen und wird aufgrund zugelassener immuntherapeutischer Ansätze nur im Rahmen der Zweitlinientherapie empfohlen. Aktuelle Studien untersuchen neue Therapie-Targets und Kombinationstherapien, um die Behandlungseffektivität weiter zu steigern.
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
Das maligne Melanom ist ein aggressiver Hauttumor, der in Deutschland für über 90% der Hautkrebs-bedingten Sterbefälle verantwortlich ist (2). Während lange keine Systemtherapien für Patienten mit einer fortgeschrittenen Melanomerkrankung existierten, die eine relevante OS-Verbesserung erzielen konnten, hat die Entwicklung neuer Targets in den letzten 10 Jahren zu einer Revolution in der Behandlung des Melanoms geführt. Zusätzlich zu den Immuntherapien, die unabhängig vom Mutationsstatus für alle Patienten zur Verfügung stehen, können bei Patienten mit therapierelevanten BRAF-, NRAS- oder c-KIT-Mutationen zielgerichtete Therapien eingesetzt werden.

Epidemiologie

Die Inzidenz des malignen Melanoms hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verfünffacht, und Schätzungen gehen aktuell von etwa 25.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland aus (3). Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 60 Jahren, während Männer mit 68 Jahren im Mittel etwas später erkranken (3). Dabei sind Männer mit einer standardisierten Erkrankungsrate von 21,0/100.000 pro Jahr etwas häufiger betroffen als Frauen, bei denen die standardisierte Erkrankungsrate bei 19,9 liegt (3).

Über 80% der Melanome werden in einem frühen und damit prognostisch günstigen Stadium (Stadium I und II) diagnostiziert (3). Die Prognose verschlechtert sich jedoch deutlich, sobald Metastasen auftreten. So liegt das relative 5-Jahres-OS für Patienten mit Lymphknoten-, Satelliten- oder In-transit-Metastasen (Stadium III) bei 62% für Männer bzw. 72% für Frauen, und bei Patienten mit Fernmetastasen (Stadium IV) nur noch bei 15 bzw. 23% (3). Jährlich sterben in Deutschland über 2.800 Menschen an einem malignen Melanom (3).

Therapie des BRAF-mutierten Melanoms

Mechanismus

Der RAS-RAF-MEK-ERK-Signalweg ist eine mehrstufige Signaltransduktionskaskade, die über eine nacheinander geschaltete Aktivierung mehrerer Proteinkinasen eine Vielzahl von Zellfunktionen beeinflusst (Abb. 1) (4). Hierzu gehören u.a. auch für die Onkogenese relevante Mechanismen wie die Regulierung von Zellproliferation, Zelldifferenzierung und Apoptose. Eine Überaktivierung dieses Signalwegs führt zur Tumorentwicklung und -progression bei verschiedenen malignen Neoplasien.
 
Abb. 1: Schematische Darstellung des durch c-KIT-, NRAS- und BRAF-Mutationen überaktivierten RAS-RAF-MEK-ERK-Signalwegs sowie der entsprechenden Inhibitoren (mod. nach (1)). Mutierte Genprodukte sind mit * gekennzeichnet.
Abb. 1: Schematische Darstellung des durch c-KIT-, NRAS- und BRAF-Mutationen überaktivierten RAS-RAF-MEK-ERK-Signalwegs sowie der entsprechenden Inhibitoren (mod. nach (1)). Mutierte Genprodukte sind mit * gekennzeichnet.

Eine Überaktivierung des RAS-RAF-MEK-ERK-Signalwegs findet sich in 98% der Melanome (5) und wird am häufigsten durch aktivierende Mutationen im BRAF-Gen induziert, welche bei etwa 40% der Melanome nachgewiesen werden können (6, 7). In 70-80% der Fälle handelt es sich dabei um eine V600E-Mutation, in 10-20% um eine V600K-Mutation und in 3-14% der Fälle um andere, seltenere BRAF-Mutationsvarianten (8).
 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Gezielter Blick ins Genom myeloischer Neoplasien

Erschienen am 23.04.2018In der Hämatoonkologie rückt die Individualisierung der Therapie immer weiter in den Fokus der Behandlung. Seitdem hämatologische Neoplasien auf molekularer Ebene besser...

Erschienen am 23.04.2018In der Hämatoonkologie rückt die Individualisierung der Therapie immer weiter in den Fokus der...

Vorherige Seite
...

Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zielgerichtete Therapie des malignen Melanoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose