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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
17. Oktober 2020
Seite 1/5

Diagnostik und Therapie von Thymusepitheltumoren: Schwerpunkt Thymom

W. Jungraithmayr, Klinik für Thoraxchirurgie, Universitätsspital Zürich, Schweiz, A. Heinl, Regensburg.
Thymusepitheltumoren (TETs) sind die häufigsten Tumoren des vorderen Mediastinums und lassen sich in 3 Arten von Pathologien einteilen: Thymome, Thymuskarzinome sowie neuroendokrine Thymustumoren (1). In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Arbeitsgruppen wie z.B. die International Thymic Malignancy Interest Group (ITMIG) intensiv mit der Optimierung und Standardisierung von Diagnostik und Therapie der TETs beschäftigt (2-6). Die Durchführung klinischer Studien für eine Standardisierung der Therapie ist allerdings aufgrund der Seltenheit dieser Tumoren erschwert. In der Regel ist die Behandlung der TETs multidisziplinär. Sofern ein TET im Gesunden reseziert werden kann, ist die Resektion für nicht-invasiv wachsende Thymome sowie Thymuskarzinome die Therapie der Wahl. In fortgeschrittenen Stadien oder wenn eine vollständige Entfernung des Tumors nicht möglich ist, kommt die Strahlentherapie zum Einsatz. Die Chemotherapie hingegen besitzt ihren Stellenwert bei fortgeschrittenem oder metastasiertem, inoperablem Tumorleiden sowie gegebenenfalls bei Rezidiv eines TET. Dabei kommt inzwischen auch die zielgerichtete Therapie (targeted therapy) zum Einsatz (7), aber auch neuere Therapieansätze wie die Immuntherapie in Form von Checkpoint-Inhibitoren (CIs) gewinnen zunehmend an Bedeutung (8). Der folgende Beitrag stellt einen Überblick über klinisches Erscheinungsbild, Klassifikation, Staging und Behandlungsoptionen der TETs dar.
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Als primäres lymphatisches Organ dient der Thymus (Bries) der Differenzierung und Reifung von T-Lymphozyten und spielt bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung des Immunsystems eine wichtige Rolle. Mit Beginn der Geschlechtsreife des Menschen finden im Thymus maßgebliche Umbauprozesse statt: Die T-Zell-Produktion wird größtenteils eingestellt und das spezifische Thymusgewebe bildet sich weitgehend zurück und wird zunehmend durch Fett- und Bindegewebe ersetzt, sodass schließlich ein retrosternaler Fettkörper entsteht (Altersinvolution). Trotz des Verlustes des Thymusgewebes bleibt die Funktion erhalten, da ein Thymusrest bis ins hohe Alter bestehen bleibt und noch immer eine kleinere Zahl funktionsfähiger Thymuszellen enthält, die im Fettgewebe eingebettet sind. Die Zellen bleiben somit aktiv und bergen somit ein gewisses Entartungsrisiko.

TETs

Tumoren des Thymus entwickeln sich aus Thymusepithelzellen und repräsentieren etwa 0,2-1,5% aller Malignome. Mit einer Inzidenz von 0,13/100.000 Personen sind TETs damit insgesamt zwar eine seltene Entität, sie stellen jedoch die häufigsten Raumforderungen des vorderen Mediastinums dar (50%) (1, 9). Die malignen Raumforderungen umfassen dabei Thymome, Thymuskarzinome sowie neuroendokrine Tumoren des Thymus.

Thymom

Der häufigste Vertreter aus der Gruppe epithelialer Thymustumoren ist das Thymom. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Die Inzidenz steigt im mittleren Lebensalter mit einem Erkrankungsgipfel zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Thymome zeichnen sich durch langsames Wachstum aus, können aber ein aggressives und invasives Wachstumsverhalten in angrenzende Organe wie Perikard oder Pleura zeigen (10).
 
Zu den häufigsten Symptomen gehören als Folge der Kompression und Infiltration der Nachbarorgane lokale Symptome wie Dysphagie, Zwerchfelllähmung und das Vena-cava-superior-Syndrom. Bei letzterem kommt es zu einer Einflussstauung des venösen Abstromes im Bereich der Arme, des Kopfes und des Halses durch Tumorkompression. Etwa 40% der Patienten berichten über Brustschmerzen, Dyspnoe oder Husten (11). Es können auch systemische Symptome und paraneoplastische Syndrome auftreten, die auf die Freisetzung von Hormonen, Antikörpern und Zytokinen durch den Tumor zurückzuführen sind. Eines der häufigsten paraneoplastischen Syndrome ist die Myasthenia gravis (MG); so zeigen 30-50% der Thymom-Patienten Symptome einer MG, während nur 10-15% der Patienten mit MG ein Thymom haben (9). Hypogammaglobulinämie und Erythrozyten-Aplasie (pure red cell aplasia, PRCA) sind weitere bedeutsame paraneoplastische Syndrome, die bei 10% bzw. 5% der Fälle auftreten. Schließlich können weitere verschiedene Autoimmunerkrankungen mit dem Thymom assoziiert sein, wie systemischer Lupus erythematodes, Polymyositis und Myokarditis (1).

Klassifikation und Staging

Es gibt mind. 15 verschiedene Klassifikationssysteme für Thymustumoren (1). Im klinischen Alltag werden insbesondere die WHO-Klassifikation und die Masaoka-Koga-Einteilung angewendet. Seit 2017 erfolgt das Staging nach dem TNM (Tumor-Node-Metastasis)-System, das bereits bei anderen malignen Tumoren erfolgreich eingesetzt wird.
 
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