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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. Februar 2021

Therapieoptimierung bei hämatologischen Erkrankungen

Beim ASH 2020 konnten, wie in jedem Jahr, klinisch relevante Studienergebnisse aus dem Bereich der Hämatologie präsentiert werden. Mit zusätzlichen Therapieoptionen und neuem Wissen zu etablierten Medikationen kann die Therapie bei vielen Entitäten optimiert werden.
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Stammzelltransplantation: Ruxolitinib ist wirksame Zweitlinientherapie bei GvHD

Die Graft-versus-host-Erkrankung (GvHD) tritt bei etwa 30-70% der Patienten nach allogener Stammzelltransplantation (alloSCT) auf. Die Standard-Erst­linientherapie besteht aus systemischen Steroiden, allerdings wird ungefähr die Hälfte der Patienten steroidrefraktär oder -abhängig. Die Phase-III-Studie REACH3 untersuchte randomisiert die Gabe von 10 mg 2x tägl. Ruxolitinib vs. beste verfügbare Therapie (BAT) bei insgesamt 329 Patienten mit steroidrefraktärer oder -abhängiger moderater oder schwerer chronischer GvHD (1). Primärer Studienendpunkt war die Ansprechrate entsprechend der NIH (National Institute of Health)-Konsensus-Kriterien in Woche 24.

Es sprachen 49,7% der Patienten auf Ruxolitinib (komplettes Ansprechen (CR): 43,0%; partielles Ansprechen (PR): 6,7%) und 25,6% auf BAT (CR: 3,0%; PR: 22,6%) an. Der primäre Endpunkt wurde mit einer Odds Ratio von 2,99 (95%-KI: 1,86-4,80; p<0,0001) erreicht. Das mediane Therapieversagen-freie Überleben (FFS) betrug 5,7 Monate im BAT-Arm und war unter Ruxolitinib noch nicht erreicht (HR=0,370; 95%-KI: 0,268-0,510; p<0,0001). Ein Symptomansprechen nach der modifizierten Lee-Symptom-Skala (mLSS) in Woche 24 erreichten 24,2% der Patienten im Ruxolitinib- vs. 11,0% im BAT-Arm (objektives Ansprechen (OR)=2,62; 95%-KI: 1,42-4,82; p=0,0011). Aufgrund fehlender Wirksamkeit brachen 14,5% (Ruxolitinib) vs. 42,7% (BAT) der Patienten die Therapie ab, aufgrund von Nebenwirkungen waren dies 17,9% vs. 4,9% der Patienten.

AML: Verlängertes OS unter Beibehaltung der Lebensqualität

In der randomisierten Phase-III-Studie QUAZAR AML-001 erhielten neudiagnostizierte Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) nach CR unter Induktionschemotherapie und Konsolidierung entweder orales Azacitidin (300 mg d1-14, q4w) oder Placebo. Mit der Erhaltungstherapie wurde das Gesamtüberleben (OS) um median 9,9 Monate von 14,8 auf 24,7 Monate sig­nifikant verlängert (HR=0,69; 95%-KI: 0,55-0,86; p=0,0009). Die Therapie mit Azacitidin hat laut einer beim ASH präsentierten Auswertung keinen negativen Einfluss auf die Lebensqualität (2).

Zur Erfassung der Lebensqualität füllten Patienten die Fragebögen FACIT-Fatigue und EQ-5D-3L aus. 94-95% der Fragebögen waren auswertbar. Patienten beider Studienarme gaben einen vergleichbar niedrigen Fatigue-Ausgangswert und eine insgesamt gute Lebensqualität zu Beginn der Erhaltungstherapie an. Im Median erhielten die Patienten 12 Zyklen Azacitidin und 7 Zyklen Placebo. Es wurde kein klinisch relevanter Unterschied zwischen den Studienarmen bezüglich der Lebens­qualität gesehen. In einer longitudinalen Analyse konnte auch keine Veränderung der Lebensqualität im Verlauf der Erhaltungstherapie festgestellt werden. Klinisch relevante Verschlechterungen der Lebensqualität an einzelnen Erhebungstagen waren in beiden Studien­armen ähnlich.

CML: Nilotinib und Dasatinib induzieren vergleichbare Remissionsraten

Die therapiefreie Remission (TFR) ist ein neues Therapieziel für Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), welches ein anhaltendes tiefes Ansprechen voraussetzt. Die randomisierte japanische Phase-III-Studie CML212 untersuchte das kumulative Erreichen einer tiefen molekularen Remission (MR4,5) innerhalb von 18 Monaten im Vergleich von Nilotinib (300 mg 2x tägl.) vs. Dasatinib (100 mg 1x tägl.) (3). Eingeschlossen wurden 454 Patienten mit neudiagnostizierter CML, die Nilotinib oder Dasatinib für insgesamt 36 Monate erhalten konnten.

Innerhalb der Intention-to-treat (ITT)-Population erreichten 33,0% der Patienten unter Nilotinib vs. 30,8% der Patienten unter Dasatinib bis Monat 18 eine MR4,5. 65,6% vs. 63,9% der Patienten waren nach 36 Monaten weiterhin unter Studienmedikation. Das progressionsfreie Überleben (PFS) war in beiden Studienarmen mit Raten von 98,8% vs. 99,0% nach 36 Monaten vergleichbar hoch (p=0,47). Die Zeit bis zu einem zytogenetischen oder molekularen Ansprechen war ebenfalls in beiden Armen vergleichbar. Unterschiede wurden bezüglich der Nebenwirkungen beobachtet: Unter Dasatinib wurden häufiger Neutropenie, ein niedriger Hb-Wert, Thrombozytopenie und Pleuraergüsse berichtet, während unter Nilotinib häufiger erhöhte Werte von Lipase, Bilirubin, AST und ALT be­obachtet wurden.

Dr. rer. nat. Ine Schmale

Quelle: ASH 2020

Literatur:

(1) Zeiser R et al. ASH 2020, Abstract 77.
(2) Roboz GJ et al. ASH 2020, Abstract 214.
(3) Matumura I et al. ASH 2020, Abstract 45.


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