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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
14. Februar 2018
Seite 1/3

Strahlentherapeutische Konzepte zur Behandlung des Ösophaguskarzinoms

F. Walter1, F. Roeder1, C. Belka1. 1Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern
Seit Jahrzehnten wird eine steigende Inzidenz des Ösophaguskarzinoms beobachtet. Dies betrifft in den westlichen Industrienationen Adenokarzinome stärker als Plattenepithelkarzinome. Die kurative Therapie beider histologischer Subtypen umfasst multimodale Konzepte mit chirurgischen, strahlentherapeutischen und systemtherapeutischen Therapieoptionen. Strahlentherapeutische Behandlungskonzepte werden im Wesentlichen als definitive Radiochemotherapie oder als neoadjuvante Radiochemotherapie vor geplanter Resektion eingesetzt. Neuere Studienergebnisse zeigen für das multimodale Konzept aus neoadjuvanter Radiochemotherapie und Chirurgie ein verbessertes Überleben der behandelten Patienten im Vergleich zur alleinigen Resektion. Entscheidend hierbei ist der Einsatz moderner Bestrahlungstechniken und Chemotherapieprotokolle, der eine effektive und besser verträgliche Behandlung ermöglicht.
Epidemiologie
 
Histologisch lassen sich im Wesentlichen 2 Arten von Ösophaguskarzinomen charakterisieren, welche sich in Lokalisation und Ätiologie unterscheiden: Adenokarzinome entstehen vorrangig im unteren Ösophagus oder im gastro-ösophagealen Übergang (sog. AEG-Tumoren) auf dem Boden von Refluxerkrankungen und den daraus entstehenden morphologischen Veränderungen der Ösophagusschleimhaut, dem sogenannten Barrett-Ösophagus. Plattenepithelkarzinome hingegen sind überwiegend im oberen und mittleren Ösophagusdrittel lokalisiert. Risikofaktoren für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms des Ösophagus sind insbesondere gesteigerter Nikotin- und Alkoholkonsum, sowie die Erkrankung an einem Kopf-/Halstumor.
 
Das Ösophaguskarzinom ist mit einem Anteil von etwa 2% aller Krebserkrankungen in Deutschland eine insgesamt seltene Tumorerkrankung. Die Inzidenz der malignen Karzinome des Ösophagus und des gastro-ösophagealen Übergangs ist jedoch seit Jahren signifikant ansteigend.
 
In den westlichen Industrieländern zeigt sich darüber hinaus ein deutlicher Wandel im Auftreten der beiden histologischen Subgruppen. So wurde in den USA in einer populationsbasierten Studie für die Zeitspanne zwischen 1970 und 1990 eine Zunahme der Inzidenz von Adenokarzinomen um das 5-6-Fache berichtet (1). Insgesamt stieg die Inzidenz des Ösophaguskarzinoms stärker als die anderer Tumoren, und zwar in einem Umfang, der nicht alleine durch eine Verbesserung der Diagnostik zu erklären ist.
 
 
Klinik
 
Die klinischen Symptome eines Ösophaguskarzinoms sind zunächst wenig spezifisch, in vielen Fällen treten Beschwerden erst bei fortgeschrittener Erkrankung auf. Abklärungsbedürftig sind in jedem Fall neu auftretende Schluckbeschwerden oder gastro-intestinale Blutungen. Häufig treten unspezifische Beschwerden wie beispielsweise ungewollter Gewichtsverlust und eine allgemeine körperliche Schwäche auf, seltener sind Schmerzen, tastbare Lymphknotenschwellungen oder Nervenausfälle des Nervus laryngeus recurrens.
 
 
Diagnostik
 
Die Prognose von Patienten mit Ösophaguskarzinomen ist stark abhängig vom Tumorstadium (TNM-Klassifikation, UICC-Stadium). Daher ist die möglichst exakte Bestimmung der Tumorausdehnung, des Lymphknotenstatus und einer möglichen Metastasierung vor Beginn der Therapie obligat für die Entscheidungsfindung bezüglich der Therapieoptionen.
 
Die Endoskopie (ÖGD) stellt die Methode der ersten Wahl zur Abklärung unklarer Schluckbeschwerden dar und weist die höchste Sensitivität und Spezifität beim Nachweis von neoplastischen Veränderungen des Ösophagus auf. Biopsien werden dabei aus allen suspekten Läsionen gewonnen und ermöglichen die histologische Zuordnung zum Plattenepithel- oder Adenokarzinom.
 
Die Endosonographie (EUS) gibt Informationen über die Ausdehnung und Infiltrationstiefe des Tumors in die Wandschichten des Ösophagus. Die EUS zeichnet sich durch eine hohe Ortsauflösung aus und ist daher das Verfahren der Wahl zur Bestimmung des T-Stadiums. Darüber hinaus sind auch lokale Lymphknotenmetastasen mit der EUS gut beurteilbar.
 
Staging-Untersuchungen, die zur Festlegung des Lymphknoten- und Metastasenstatus notwendig sind, umfassen zumindest ein Multislice-CT von Hals/Abdomen und Thorax, sowie ein ggf. Ultraschall des Abdomens. Ergänzend kann in einzelnen Fällen bei Verdacht auf Infiltration der Trachea oder der Bifurkation eine Bronchoskopie notwendig werden. Der Stellenwert der PET/CT zum Staging bei Ösophaguskarzinomen ist aktuell noch nicht abschließend geklärt, jedoch ist für die PET/CT insbesondere eine hohe Sensitivität bei der Diagnostik von distanten Lymphknoten- und Fernmetastasen (2), sowie Rezidivtumoren des Ösophagus (3) nachgewiesen.
 

 
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