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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Mai 2019 r/r DLBCL: Signifikant verbessertes Gesamtüberleben bei der Behandlung mit Polatuzumab

Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das häufigste Non-Hodgkin-Lymphom. Die Einführung des Anti-CD20-Antikörpers MabThera® (Original-Biologikum Rituximab) hat die Prognose von DLBCL-Patienten in den letzten 15 Jahren erheblich verbessert. Dennoch besteht nach wie vor ein hoher unmet medical need für neue, effektivere Behandlungsoptionen. JOURNAL ONKOLOGIE sprach darüber mit Prof. Dr. Georg Lenz, Münster.
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Georg Lenz
JOURNAL ONKOLOGIE: Was sind die besonderen Herausforderungen in der Behandlung des rezidivierten/refraktären (r/r) DLBCL?

LENZ: Die Herausforderung besteht insbesondere darin, dass der Anteil der Patienten, die wir mit oder ohne Transplantation heilen können, heute sehr gering ist. Ein signifikant hoher Anteil von Patienten verstirbt, wobei das individuelle Risikoprofil die Mortalität mitbestimmt. Insofern sind neue Substanzen bzw. neue Substanzklassen dringend notwendig, um die Prognose dieser Patientengruppe zu verbessern.

JOURNAL ONKOLOGIE: Aktuell wird das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Polatuzumab Vedotin in einem umfangreichen klinischen Studienprogramm bei Patienten mit malignen B-Zell-Lymphomen, u.a. auch beim DLBCL, geprüft. Was zeichnet den Wirkansatz von Polatuzumab aus?

LENZ: Die Besonderheit dieser Therapie ist, dass es sich um eine zielgerichtete Chemotherapie handelt. Grundlage hierfür ist die Konjugierung einer chemotherapeutischen Substanz – hier des Mitosehemmstoffs Monomethyl Auristatin E (MMAE) – mit einem humanisierten monoklonalen Anti-CD79b-Antikörper. MMAE wird somit gezielt an CD79b-exprimierende B-Zellen gebracht und von diesen internalisiert. Die klinischen Daten, die sich aus diesem Ansatz ergeben, sind vielversprechend. Dies gilt sowohl für die Monotherapie mit Polatuzumab Vedotin als auch für Kombinationen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Auf dem letzten ASH-Kongress wurden Daten der Phase-II-Studie GO29365 zur Behandlung des r/r DLBCL mit Polatuzumab Vedotin präsentiert. Was zeigen die zentralen Ergebnisse?

LENZ: Zu dieser Phase-II-Studie wurden auf den vergangenen beiden ASH-Meetings Daten präsentiert, die gerade in Bezug auf diese heute insgesamt schwer zu behandelnde Patientengruppe optimistisch stimmen. Als wichtigstes Ergebnis zeigte sich, dass die zusätzliche Gabe von Polatuzumab zum aktuellen Therapiestandard Bendamustin + Rituximab (BR) das Gesamtüberleben der Patienten signifikant verbesserte. Die Patienten unter Polatuzumab-basierter Therapie hatten auch beim primären Studienparameter, der Rate der kompletten Remissionen, sowie beim progressionsfreien Überleben signifikant günstiger abgeschnitten. Das zentrale und für uns wichtigste Resultat ist jedoch der erwähnte Nachweis einer mit 48% vs. 24% doppelt so langen 1-Jahres-Gesamtüberlebensrate im Vergleich zu BR alleine.

JOURNAL ONKOLOGIE: Nach den vielversprechenden Daten in der Therapie des r/r DLBCL wird Polatuzumab Vedotin auch im Rahmen der Studie POLARIX in der Erstlinientherapie geprüft. Welches Ziel verfolgt die Studie und wie sieht das Studiendesign aus?

LENZ: POLARIX ist eine internationale Phase-III-Studie, die mit dem Ziel aufgelegt wurde, die Erstlinienbehandlung von Patienten mit DLBCL zu optimieren. Dazu erfolgt ein randomisierter Vergleich von Polatuzumab + R-CHOP, jedoch ohne Vincristin, mit der aktuell empfohlenen Standardbehandlung R-CHOP. Die zentrale Fragestellung ist, ob sich die Prognose der Patienten durch die zusätzliche Gabe von Polatuzumab verbessern lässt. Für Deutschland wurde die POLARIX-Studie kürzlich initiiert. Die Rekrutierung von Patienten ist bis September 2019 geplant; die Studienleitung liegt hier bei uns am Universitätsklinikum in Münster.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Erwartungen knüpfen Sie ausgehend von diesen Daten an die weitere Entwicklung der DLBCL-Therapie?

LENZ: Wir können heute etwa 65% der Patienten mit DLBCL heilen. Neue Therapieansätze, darunter Polatuzumab Vedotin, zielen darauf ab, den Anteil der Patienten, bei denen eine Heilung erreicht wird, signifikant zu steigern. Auch andere Ansätze, etwa die CAR-T-Zell-Therapie, bispezifische Antikörper oder small molecules, die in den Stoffwechsel von Lymphomzellen eingreifen, sind vielversprechend. Ich erwarte daher, dass wir zukünftig einen höheren Anteil spezifischer Behandlungsansätze für bestimmte Risikogruppen von Patienten einsetzen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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