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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

28. September 2020 Nicht interventionelles prospektives Register zu Epidemiologie, Diagnostik und Behandlungspraxis beim follikulären Lymphom

A. Grunenberg, Innere Medizin III, Universitätsklinikum Ulm, A. Viardot, Innere Medizin III, Universitätsklinikum Ulm, C. Buske, Innere Medizin III, Universitätsklinikum Ulm, CCC Ulm, Institut für Experimentelle Tumorforschung, Universitätsklinikum Ulm

Kürzlich startete ein Projekt der Studiengruppe GLA (German Lymphoma Alliance e.V.) unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Buske an der Universitätsklinik Ulm zur Erstellung eines deutschen Registers für follikuläre Lymphome (FL).
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Hintergrund und Rationale

Das FL ist als Unterform der Non-Hodg­kin-Lymphome (NHL) eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Organ­systems und entsteht aus Keimzentrum-B-Lymphozyten. FL machen etwa 20% aller NHL aus und zählen somit zu den häufigsten Lymphomen. Charakteristisch, jedoch nicht spezifisch für das FL ist die chromosomale Translokation t(14;18)(q32;q21), die in 85% der Fälle nachgewiesen werden kann. Die durch die Translokation resultierende konstitutive Überexpression des „Anti-Apoptose“-Gens BCL2 führt zu einem Überlebensvorteil der B-Zellen. Für die maligne Transformation und die Entwicklung des klinisch manifesten FL sind allerdings weitere rekurrente genetische Veränderungen notwendig, so z.B. in Genen, die direkt oder indirekt in Chromatinmodifikationsprozesse involviert sind (z.B. MLL2-Gen) (1, 2).

Die Mehrzahl der Patienten befindet sich bei Diagnosestellung im fortgeschrittenen Stadium und ist mit den etablierten Therapieoptionen nicht heilbar. Dabei wird das FL häufig eher zufällig entdeckt, da es meist mit schmerzlosen Vergrößerungen von Lymphknoten beginnt. Beim FL werden im klinischen Alltag unterschiedlichste Therapiestrategien verfolgt, die sich in jüngster Zeit nochmals erweitert haben. Diese Tatsache spiegelt sich auch in den nationalen und internationalen Leitlinien wider; so reichen die Empfehlungen von einer „milden“ Antikörper-Monotherapie bis hin zu einer dosisintensiven Chemotherapie, im Regelfall von einer Erhaltungstherapie gefolgt.

Im Rezidiv ist die Therapielandschaft noch heterogener und es existiert keine allgemeingültige Sequenztherapie, die für alle betroffenen Patienten empfohlen werden kann (3-5). Aufgrund der oft palliativen Situation der Patienten sowie der Tatsache, dass erst bei Lymphom-assoziierten Symptomen (GELF-Kriterien) behandelt wird und die Diagnose eines FL nicht automatisch zur Therapieeinleitung führt, wird auch die Diagnostik nicht einheitlich und vor allem konsequent außerhalb von Studien durchgeführt. Dabei belegen Daten aus der umfangreich publizierten LymphoCare-Studie aus den USA, dass allein ein insuffizientes Staging letztlich mit einem schlechteren Outcome von Patienten einhergehen kann (6). In der Konsequenz existieren wenige Daten zur Diagnostik und Behandlung des FL in der alltäglichen klinischen Praxis in Deutschland. In dieser Situation besteht ein dringender Bedarf für ein prospektives Register für das FL, das es derzeit nicht gibt. Als kürzlich gestartetes Projekt der GLA-Studiengruppe unter der Leitung von Prof. Buske soll das „Deutsche Regis­ter für follikuläre Lymphome“ der Universitätsklinik Ulm einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungsforschung beim FL in Deutschland leis­ten. Das Register wird in ganz Deutschland angeboten, mit dem Ziel, innerhalb von 3 Jahren etwa 1.000 Patienten einzuschließen. Eine Übersicht über die Ziele des Regis­ters gibt Abbildung 1.
 
Abb. 1: Ziele des FL-Registers.
Lupe
Abb. 1: Ziele des FL-Registers.


Einschlusskriterien für das Register:
• Histologisch gesichertes FL, bestätigt durch einen Referenzpathologen
• Einverständnis des Patienten zur Weitergabe seiner Daten
• Alter des Patienten ≥ 18 Jahre
• Die Aufnahme erfolgt unabhängig von dem klinischen Stadium der Erkrankung (lokalisiert vs. fortgeschritten), dem beabsichtigten Therapiekonzept (z.B. watch & wait vs. Chemotherapie) und unabhängig von der Anzahl der Vortherapien (Erst- vs. Rezidivtherapie).


Kontakt & Leitung des Registers:
Prof. Dr. med. Christian Buske
CCC Ulm – Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 11, 89081 Ulm

Literatur:

(1) Smith A et al. Br J Cancer 2015;112(9):575-84.
(2) Weigert O et al. Blood 2012;120(13):2553-61.
(3) Follikuläres Lymphom – Onkopedia-Leitlinie, Stand 09/2019, www.onkopedia.com
(4) S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit einem follikulären Lymphom, Stand 08/2019, www.leitlinienprogramm-onkologie.de
(5) Dreyling M et al. Ann Oncol 2016;27 Suppl 5:v83-v90.
(6) Friedberg JW et al. J Clin Oncol 2012;30(27): 3368-75.


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