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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Januar 2021
Seite 1/2

COVID-19 und Telemedizin als Herausforderung und Perspektive in der Präzisionsonkologie

Serie "COVID und Krebs" K. Rühlmann, C. B. Westphalen, T. Fey, V. Heinemann, K. Hasselmann, LMU Klinikum München.
Die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus, die im März 2020 von Seiten der Weltgesundheitsorganisation WHO als Pandemie eingestuft wurde (1), bringt Gesundheitssysteme in vielen Teilen der Welt weiterhin an ihre Belastungsgrenze (2). Dabei stehen zunächst die erhöhte Beanspruchung von Intensivkapazitäten und die dazu erforderlichen Quarantänestrategien im Vordergrund (3). Zusätzlich ist es notwendig, neue Wege zu finden, um eine umfangreiche Patientenversorgung weiterhin zu gewährleisten, Personalengpässe auszugleichen und besonders vulnerable Patientengruppen und Klinikpersonal vor einem erhöhten Infektionsrisiko zu schützen (4). In diesem Zusammenhang nimmt die Telemedizin eine zunehmend bedeutende Rolle ein (5). Im Präzisionsonkologie-Programm am Comprehensive Cancer Center MünchenLMU (CCC MünchenLMU) wurden durch die Einführung telemedizinischer Versorgungsstrukturen persönliche Kontakte zwischen Arzt/Ärztin und PatientInnen sowie unter den Teammitgliedern minimiert und so die Gefahr für PatientInnen und Personal verringert. Neben ihrer Rolle in der Prävention von Infektionen bietet die Telemedizin auch Chancen, Versorgungskonzepte zu verbessern. So ermöglicht es das virtuelle Molekulare Tumorboard (vMTB) des CCC MünchenLMU, in einem größeren interdisziplinären Netzwerk zusammenzuarbeiten und externe PartnerInnen besser einzubinden, um einer größeren Anzahl von KrebspatientInnen die Vorstellung im Molekularen Tumorboard (MTB) anbieten zu können.

Grundlagen der Telemedizin

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Menschen, die an Krebs erkrankt sind, einem höheren Risiko eines schweren COVID-19-Krankheitsverlaufs ausgesetzt sind, entwickelt sich die Telemedizin zu einem wichtigen Versorgungskonzept in der Onkologie (6, 7). Unter Telemedizin versteht man die Nutzung von Telekommunikation im Rahmen einer Sprechstunde zwischen Arzt/Ärztin und PatientInnen oder zur konsiliarischen Unterstützung ärztlicher KollegInnen. Der Kontakt findet in Echtzeit statt und kann unter anderem in Form eines Telefonats oder eines Live-Videos erfolgen (8). So können aktuelle Maßnahmen, wie Quarantäneregelungen und die Vermeidung persönlicher Kontakte eingehalten, gleichzeitig Anfahrtswege und Zeit gespart und KrebspatientInnen trotzdem eine persönliche und umfassende Therapieberatung angeboten werden (9).

Konzept der Präzisionsonkologie

Jeder Mensch ist einzigartig. Ebenso weist jeder Tumor eine spezifische molekulare Signatur auf. Um einen Tumor besser verstehen und ggf. gezielt angreifen zu können, ist es notwendig, genomische Alterationen zu identifizieren, welche das Wachstum des Tumors begünstigen und unter Umständen als therapeutische Zielstruktur dienen können. Im besten Fall bedingen diese Alterationen individuelle und innovative Therapieoptionen; ggf. ist auch eine Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie möglich.

Im Rahmen des Präzisionsonkologie-Programms wird dementsprechend eine erweiterte molekulare Diagnostik des Tumormaterials durchgeführt. Diese Analyse kann Nachweise von gut beschriebenen Veränderungen bis hin zu wenig beschriebenen oder unbekannten Veränderungen zeigen. Deshalb benötigt ein molekularpathologischer Befund eine klinisch-wissenschaftliche Bewertung. Im MTB des CCC MünchenLMU werden die Ergebnisse der molekularen Diagnostik von einem Team aus ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen diskutiert, um individuelle Behandlungskonzepte anzubieten (Abb. 1).
 
Abb. 1: Konzept der Präzisionsonkologie am CCC MünchenLMU.
Abb. 1: Konzept der Präzisionsonkologie am CCC MünchenLMU.

Die Umsetzung therapeutischer Empfehlungen stellt jedoch eine der größten Herausforderungen in der Präzisionsonkologie dar. Einige neue Medikamente und Behandlungsoptionen stehen derzeit nur im Rahmen klinischer Studien zur Verfügung. Zusätzlich kann durch die stetig wachsende Anzahl an molekularen Zielstrukturen nicht für jede Alteration eine entsprechende Studie am CCC MünchenLMU angeboten werden, sodass die Behandlung unter Umständen an einem anderen Studienzentrum oder als individueller Heilversuch durchgeführt werden muss. Folglich sind zur Umsetzung präzisionsonkologischer Therapieansätze hochspezialisierte diagnostische und therapeutische Strukturen notwendig (10, 11). In diesem Zusammenhang können telemedizinische Versorgungskonzepte in Zukunft Prozesse vereinfachen und eine bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen (12).

 
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