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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. April 2021
Seite 1/3

Parenterale Ernährung von Tumorpatienten – Quo vadis

T. O. Götze, J. Riedel, Institut für Klinische Krebsforschung IKF GmbH am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Krebserkrankungen weisen häufig eine aggressive Ausbreitung, frühe Metastasierung und, in vielen Fällen, eine schnell auftretende, ausgeprägte Tumorkachexie auf, die insbesondere in der metastasierten Situation eine schlechte Prognose mit sich bringt. Angemessene Ernährung ist für die Krebsprävention, aber v.a. für die erfolgreiche Behandlung von Krebspatienten wichtig. Kachexie durch Mangelernährung ist unter Krebspatienten weit verbreitet und wird durch verschiedene Faktoren verursacht, darunter eine verminderte Nahrungsaufnahme, direkte sowie indirekte (z.B. antizipatorisches Erbrechen) Nebenwirkungen der Krebsbehandlung und therapie- oder krankheitsbedingte pathologisch veränderte Stoffwechselprozesse (1).
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Ca. 50% aller Tumorpatienten leiden an Tumorkachexie und ihren starken Auswirkungen auf Lebensqualität und Therapieansprechen (2). Krebsbedingte Mangelernährung hat weitreichende Folgen, darunter ein erhöhtes Infektionsrisiko, eine verminderte Wundheilung, eine katabol bedingte verminderte Muskelfunktion, die sich mit den unmittelbaren Therapienebenwirkungen aufaddieren. Auch die aktuellen Therapieleitlinien der einzelnen Organentitäten messen dem Thema eine immer umfangreichere Bedeutung bei (3).

Eine nur mangelhafte Nahrungszufuhr gefährdet die Körperreserven und führt zu zunehmenden katabol bedingten Muskelmasseverlusten (3, 4), da z.B. glucoplastische Aminosäuren einen Glukosemangel zwar decken können, jedoch mit dem unmittelbaren Muskelmasseverlust einhergehen und zu weiterem körperlichen Verfall führen – in einer Situation, in der der Körper bedingt durch anstrengende Therapien und konsumierende Erkrankungssituation dem ohne suffiziente Nährstoffzufuhr nicht entgegensteuern kann. Dies hat unmittelbar Auswirkung auf Therapiefortsetzung, Gewicht und damit verbundene Therapiedosis etc. Zahlreiche Literatur belegt die negativen Auswirkungen der beschriebenen Phänomene auf Lebensqualität, Therapieverträglichkeit, Therapieansprechen und Gesamtüberleben bei Karzinompatienten (4-8). Daten zeigen, dass sowohl der Umfang des Gewichtsverlustes als auch ein niedriger BMI (Body Mass Index) bei Krebspatienten unmittelbar mit der Prognose assoziiert sind (8). Eine Nährstoffminderzufuhr führt unmittelbar zu einer eingeschränkten körperlichen Leis­tungsfähigkeit (9) sowie zu katabolen Stoffwechselveränderungen (10) mit Einfluss auf die Überlebensprognose von Krebspatienten.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und den Köper in eine anabole Stoffwechsellage zu versetzen, benötigt man eine bedarfsgerechte Ernährungstherapie. Eine ausreichende Eiweißzufuhr z.B. ist für eine positive Stickstoffbilanz, sog. anabolen Zustand, unabdingbar, aber häufig von Krebspatienten nicht annähernd durchzuführen. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung (ESPEN) empfiehlt beim Vorliegen inflammatorischer Zustände mit anaboler Resistenz, wie sie in dieser Zielgruppe häufig vorliegen, eine gesicherte Eiweißzufuhr, die mit 1,0-1,5 g/kg Körpergewicht (KG) im Bereich von Empfehlungen für Leis­tungssportler angesetzt wird und somit höher als für gesunde Normalpersonen (0,8 g/kg KG) liegt (4).

Eine Ernährungstherapie und ggf. auch eine parenterale Zusatznahrung soll eine adäquate Nährstoff- und Energiezufuhr sichern und hierdurch sowohl dem Auftreten oder bei bereits entstandenem Defizit dem Fortschreiten der bestehenden Mangelernährung entgegenwirken.

Nahrungsergänzungsmittel, darunter enterale Ernährung (EN), parenterale Ernährung (PN) und totale parenterale Ernährung (TPN), haben sich als wirksam erwiesen, um die klinischen Ergebnisse vieler Arten von Krebstherapien zu verbessern und die Inzidenz von chemotherapiebedingten Komplikationen zu verringern (11). Studien haben gezeigt, dass eine angemessene Ernährungsunterstützung für Patienten, bei denen Krebs diagnostiziert wurde, die klinischen Ergebnisse verbessern kann (12). Darüber hinaus haben die meis­ten Studien darauf hingewiesen, dass die EN der TPN überlegen ist (13-15). Auch stellt die Kombination einer zusätzlichen unterstützenden PN, bei der nur ein Teil der täglich erforderlichen Nähstoffzufuhr par­enteral gedeckt wird, eine Option für Patienten mit eingeschränkter oraler Nahrungsaufnahme dar, um eine komplette Zufuhr zu sichern.
 
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