Dienstag, 9. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Xospata
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juli 2020
Seite 1/4
Operative Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms

M. J. Schnabel, M. Burger, W. Otto, Klinik für Urologie, Caritas-Krankenhaus St. Josef, Lehrstuhl des Universität Regensburg.

Das Nierenzellkarzinom (RCC) hat in Deutschland eine Inzidenz von 3% und stellt mit 99% die häufigste Entität aller malignen Nierentumoren dar (1). In der Regel handelt es sich hierbei um einen asymptomatischen Zufallsbefund im Rahmen einer Abdomen-Sonographie oder Schnittbildgebung. Die klassische Symptomtrias aus palpablem Tumor, Makrohämaturie und Flankenschmerzen ist eine Rarität geworden. Unabhängig von der Tumorgröße kann bereits bei Erstdiagnose eine metastasierte Tumorerkrankung vorliegen, dies ist bei 11% der Patienten der Fall (1). Im folgenden Artikel möchten wir den Stellenwert der chirurgischen Therapie im metastasierten Erkrankungsstadium beleuchten und insbesondere Bezug auf die intensive Diskussion im Nachgang der Veröffentlichung der CARMENA-Studie vor 2 Jahren nehmen (2).
Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 

Risikoklassifikation

 
Patienten mit einem metastasierten RCC befinden sich in einer palliativen Situation, allein aufgrund der Metastasierung kann jedoch keine klare Prognose abgeleitet werden. Verschiedene Prognosemodelle wurden entwickelt, um den weiteren Erkrankungsverlauf abschätzen zu können. Mit den 2002 veröffentlichten Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC Motzer Score For Renal Cell Carcinoma Calculator)-Kriterien wurde eine Kategorisierung in 3 Prognosegruppen für das klarzellige RCC etabliert (3). Als Risikofaktoren für dieses Modell wurden genutzt: eine erhöhte Laktatdehydrogenase (LDH), ein erniedrigtes Hämoglobin (Hb), ein erhöhtes Serum-korrigiertes Kalzium, ein Karnofsky-Performance-Status < 80% und die Zeit bis zum Auftreten von Metastasen < 1 Jahr. Die Gruppe mit guter Prognose (ohne Risikofaktor) wies ein medianes progressionsfreies Überleben (mPFS) von 8,3 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben (mOS) von 29,6 Monaten auf. Die intermediäre Gruppe (mit 1-2 Risikofaktoren) zeigte ein mPFS von 5,1 Monaten und ein mOS von 13,8 Monaten. Die Gruppe mit schlechter Prognose (3-5 Risikofaktoren) hatte ein mPFS von 2,5 Monaten und ein mOS von 4,9 Monaten. Da die Arbeit von Motzer et al. auf Patienten unter Interferon-Therapie basiert, ist eine Übertragung in die aktuelle Therapielandschaft nur eingeschränkt möglich. Eine Aktualisierung erfolgte 2009 mit den IMDC (International Metastatic RCC Database Consortium)-Kriterien, die an Patienten unter Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) erstellt wurden (4). Als Risikofaktoren wurden hierbei neben den bereits von Motzer ausgewiesenen Faktoren eine erhöhte Thrombozytenzahl und eine erhöhte Neutrophilenzahl integriert, die LDH wurde von Heng nicht berücksichtigt (Tab. 1). Erwartungsgemäß hatte sich die Prognose der TKI-Patienten in allen 3 Prognosegruppen gebessert (Tab. 2). Eine etablierte und validierte Risikoklassifikation für Patienten unter Checkpoint-Inhibitoren (CI) ist bisher nicht vorhanden.
 
Tab. 1: Vergleich der Risikofaktoren nach Motzer und Heng (3, 5).
Lupe
Risikofaktoren

 
Tab. 2: Vergleich der Prognose nach Motzer und Heng (3, 5). OS=Gesamtüberleben
Lupe
Prognose

 
Vorherige Seite

Anzeige:
Kyprolis

Das könnte Sie auch interessieren

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Forschung für besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs
© Petry

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Einige Virentypen können Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und andere Krebsarten verursachen. Wissenschaftler kooperieren jetzt in einer neuen Studie, um ein HPV-Typ-spezifisches Modell für den Krankheitsverlauf von HPV-Infektionen zu entwickeln. Dazu werden klinische Daten aus großen populationsbasierten Studien der Frauenklinik Wolfsburg in Zusammenarbeit mit einer...

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde, hat nur ein Drittel der Befragten* in letzter Zeit...

Das Klinikum Herford unterstützt Krebs-Patienten und Patientinnen mit digitalem Therapie-Assistenten

Das Klinikum Herford unterstützt Krebs-Patienten und Patientinnen mit digitalem Therapie-Assistenten
© adam121 / Fotolia.de

Das Klinikum Herford bietet seinen gynäkologischen Krebs-Patientinnen ab sofort einen digitalen Therapiebegleiter an, der sie im Umgang mit der Erkrankung unterstützt. Die Smartphone-App MIKA begleitet Betroffene durch die Behandlung und hilft ihnen unter anderem mit Gesundheitsmonitoring und psychosozialem Coaching. Mit dem neuen digitalen Assistenten geht das Klinikum Herford einen weiteren Schritt, um Erkrankte zu mehr Selbsthilfe zu befähigen. 

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Bauchspeicheldrüse, das unbekannte Organ

Die Bauchspeicheldrüse (griech.: Pankreas) ist eine der größten Drüsen des Menschen. Dennoch ist nur wenigen bekannt, wo sie sich befindet und welche Funktionen sie übernimmt. Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, ungefähr so groß wie eine Hand: ein bis zwei Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Sie liegt mitten im Oberbauch hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Mit ihrem sich verjüngenden Ende – dem...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Operative Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.