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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Mai 2020 Noch immer (zu) wenige Frauen in der Führungsebene

Mehr Frauen als Männer studieren Medizin, dennoch sind Ärztinnen seltener in Spitzenpositionen zu finden. Der Karriereknick liegt u.a. an der Familienplanung und daran, dass der Beruf des Arztes lange männlich dominiert war, sodass es nach wie vor Rollenstereotypen in Kliniken gibt. Hinzu kommt, dass Frauen eher zu „Understatement“ neigen, während Männer selbstbewusster auftreten, größere Forderungen stellen und in der Folge eher Karriere machen.
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Ein Blick in die Hörsäle zeigt: Es gibt immer mehr Medizinstudentinnen. 1998 waren es 41.188 Studentinnen und 41.145 Studenten, 2015 bereits 54.638 Studentinnen vs. 35.360 Studenten. 2018 waren an deutschen Universitäten insgesamt 92.011 Medizinstudenten immatrikuliert mit einem Frauenanteil von 61%. Das verdeutlicht, dass Frauen eine entscheidende Rolle für die jetzige und künftige medizinische Versorgung spielen. Eine Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health 2017 ergab zudem, dass Ärztinnen länger zuhören: Die Visitendauer von Ärztinnen ist 2,6 Minuten länger als bei männlichen Kollegen, gleichzeitig unterbrechen männliche Ärzte Patienten im Durchschnitt früher, nämlich bereits nach 47 Sekunden, Ärztinnen dagegen erst nach 3 Minuten. Ärztinnen halten sich auch stringenter an die Leitlinien, arbeiten jedoch eher tagsüber, d.h. im Vergleich zu den männlichen Kollegen seltener nachts und insgesamt kürzer, da Ärztinnen insbesondere mit Kindern oftmals Teilzeit arbeiten. Dies spiegelt sich im Anteil der Führungspositionen wider: Frauen haben bei gleicher Qualifikation allgemein weniger Chancen gegenüber männlichen Kollegen, eine leitende Position zu erreichen.
 
Tab. 1: Der Anteil der Oberärztinnen ist regional unterschiedlich (mod. nach (1)).
Tab. 1: Der Anteil der Oberärztinnen ist regional unterschiedlich (mod. nach (1)).

Tab. 2: Nur wenige Frauen kommen „ganz oben“ an (mod. nach (1)). *Stand 2016
Tab. 2: Nur wenige Frauen kommen „ganz oben“ an (mod. nach (1)). *Stand 2016
 
Geringer Anteil an Frauen in Führungspositionen an Kliniken

Bei den Chefarztpositionen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, und nur ein Drittel gelangt in die Oberarztebene, wobei regionale Unterschiede bestehen (Tab. 1 und 2).

Die Geburt von Kindern beeinflusst die Karriere dabei wesentlich. Hier ist es wichtig, auch während der Elternzeit beispielsweise den Arbeitsplatz zu besuchen und Kontakte zu pflegen. Damit wird signalisiert, dass eine Karriere in der Universitätsmedizin weiter verfolgt wird. Ein wesentlicher nachteiliger Faktor bezüglich Karriere ist aber auch, dass Frauen sich oft weniger zutrauen und deshalb häufig eher Fleißaufgaben, Männer dagegen Prestige-Aufgaben übernehmen. Das zeigt sich z.B. auch insofern, dass Frauen ihre Forschungsergebnisse und Ideen eher neutral formulieren, während männliche Wissenschaftler diese deutlich mehr hervorheben und „schillernder“ beschreiben und deshalb häufiger zitiert werden als Frauen, was sich karrieretechnisch niederschlägt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Wissenschaftlerinnen an die männlichen Verhaltensweisen anpassen sollen. Es ist vielmehr wichtig, dass sich Frauen mehr zutrauen und eine gerechte Aufgabenverteilung einfordern. Darüber hinaus sollten sich Frauen unbedingt mit Kolleginnen vernetzen und vorhandene Mentorinnen-Programme nutzen.

ah

Quelle: Symposium „Selbstbestimmt und selbst gesteckt – 3 Karrierewege von Frauen“, DKK, 20.02.2020, Berlin; Veranstalter: Takeda

Literatur:

(1) Beerheide R. Dt. Ärzteblatt 2017


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