Mittwoch, 25. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Revlimid
Revlimid
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. April 2020
Seite 1/5
Multiples Myelom: Erstdiagnose und Therapie

L. Leypoldt, A. Schieferdecker, A. M. Asemissen, K. Weisel.
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, II. Medizinische Klinik und Poliklinik (Onkologie, Hämatologie, Knochenmarktransplantation mit Abteilung für Pneumologie)

Das Multiple Myelom (MM) ist die zweithäufigste hämatologische Systemerkrankung und wird als maligne Plasmazellneoplasie der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome zugeordnet. Die Erkrankung betrifft v.a. ältere Menschen und nimmt daher aufgrund des steigenden Alters der Gesamtbevölkerung zu. Zur Diagnosestellung sind der Nachweis eines monoklonalen Proteins im Serum und/oder im Urin und eine mind. 10%ige Knochenmarkinfiltration durch klonale Plasmazellen bzw. der histologische Nachweis eines Plasmozytoms notwendig. Die behandlungsbedürftige Myelomerkrankung ist definiert durch das Vorhandensein bestimmter Endorganschäden bzw. den Nachweis spezifischer Biomarker. Der Einsatz neuer Substanzen wie den immunmodulatorischen Agenzien, Proteasom-Inhibitoren und monoklonalen Antikörpern in der ersten Therapielinie sowie im Rezidiv hat zu einem stetig verbesserten progressionsfreien (PFS) und Gesamtüberleben (OS) geführt. Weitere Behandlungsmöglichkeiten gegen neue Zielantigene, wie Immunkonjugate, bispezifische Antikörper und zelluläre Therapien (CAR-T-Zellen), sind derzeit in klinischer Erprobung.
Epidemiologie

Das MM ist i.d.R. eine Erkrankung des höheren Lebensalters, das mediane Erkrankungsalter beträgt 72 Jahre (Männer) bzw. 74 Jahre (Frauen), nur ca. 2% der Fälle treten vor dem 45. Lebensjahr auf (1, 2). Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 3.000 neue Fälle bei Frauen und ca. 4.000 Fälle bei Männern diagnostiziert, wobei Männer über alle Altersklassen hinweg häufiger betroffen sind. Die absolute Inzidenz ist aufgrund des zunehmenden Alters der Gesamtbevölkerung steigend, bei altersstandardisierter Betrachtung jedoch in den letzten Jahren stabil geblieben (1, 2).
 

Monoklonale Gammopathien als Vorläuferläsionen
 
Dem MM geht regelhaft eine Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) voraus, deren Prävalenz bei über 50-Jährigen bei 3,2% liegt und mit zunehmendem Alter weiter steigt (3, 4). Auch ein Smouldering Multiple Myeloma (SMM) sowie ein solitäres Plasmozytom (SP) (für Definitionen s. Abschnitt „Diagnostik“), wenngleich seltener, sind bekannte Vorläuferplasmazelldyskrasien, die eine höhere Progressionsrate in ein MM aufweisen (ca. 10%/Jahr bei SMM vs. 1%/Jahr bei MGUS) (1, 5). Die klinische Überwachung von Patienten mit MGUS und Vorläuferplasmazelldyskrasien ist prognostisch relevant. Studien zeigen ein unterschiedliches Outcome von De-novo-MM (Diagnose ohne bekannte Vorläuferläsion) im Vergleich zum „sekundären“ Myelom (ausgehend von MGUS, SMM, SP): „Sekundäre“ Myelome gehen mit einem längeren OS einher als De-novo-MM (71 vs. 56 Monate) (6). Eine aktuelle Studie konnte nun zeigen, dass sich der Überlebensvorteil ausschließlich für SMM und SP zeigt, nicht aber für MGUS (6). Die Erklärung hierfür wird nicht in zellbiologischen Ursachen, sondern in einer besseren Überwachung der Patienten und rechtzeitigen Therapieeinleitung gesehen (6, 7).
 

Prognose
 
Die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei MM beträgt für beide Geschlechter 49%, die 10-Jahres-Überlebensrate 33% bzw. 31% mit einem medianen Sterbealter von 76 bzw. 78 Jahren (Männer bzw. Frauen) (1). Mit neuen Substanzen und Therapieregimen werden immer bessere Remissionsraten erzielt. Es ist davon auszugehen, dass die beobachteten Überlebensraten weiterhin steigen werden. Eine aktuelle Studie zeigt bereits eine 4-Jahres-Überlebensrate von über 80% bei Patienten, die sich für eine Transplantation eignen (8).
 
 
Vorherige Seite
...

Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Multiples Myelom: Erstdiagnose und Therapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab