Freitag, 16. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. März 2021

MM-Studien-Update: 28,6 Monate PFS mit KdD56

Für Patienten mit Multiplem Myelom (MM), die mind. eine Vortherapie erhalten haben, gibt es nun aufgrund der EU-Zulassung von Carfilzomib (Kyprolis®) in Kombination mit Dexamethason und Daratumumab (Darzalex®) eine neue Lenalidomid-freie Dreierkombination (KdD56). Die Zulassungserweiterung von KdD56 basiert auf den positiven Ergebnissen der CANDOR-Studie (1). In dem auf dem ASH 2020 präsentierten Studien-Update erreichten Patienten unter KdD56 ein medianes progressionsfreies Überleben (mPFS) von 28,6 Monaten im Vergleich zu 15,2 Monaten unter Carfilzomib und Dexamethason alleine (Kd56) (2).
In den vergangenen Jahren konnten mit der Zulassung neuer Substanzen in der Therapie des MM immer mehr Erfolge verzeichnet werden. Dennoch entwickelt fast jeder Patient ein Rezidiv. Für die Behandlung des Rezidivs stehen heute mehrere effektive Kombinationen zur Verfügung. Das Problem bestehe laut Prof. Dr. Christof Scheid, Köln, jedoch darin, dass die meis­ten Patienten bereits mit Lenalidomid oder Bortezomib vorbehandelt wären. Zum Teil hätten die Patienten auch schon eine Kombination aus Proteasom-Inhibitor und Immunmodulator in der Erstlinie erhalten. Aus der Vielfalt an Möglichkeiten bliebe wegen dieser Vor­therapien oft keine große Auswahl mehr für die Rezidivtherapie, sodass ein Bedarf an neuen, insbesondere Lenalidomid-freien Kombinationen bestehe.

Mit der Lenalidomid-freien Kombination Kd56 konnte in der ENDEAVOR-Studie das mPFS im Vergleich zu einer Therapie aus Bortezomib und Dexamethason (Vd) nahezu verdoppelt werden (18,7 vs. 9,4 Monate; 95%-KI: 0,44-0,63; p=0,0001) (3, 4). In der Phase-III-Studie CANDOR wurde dieses Ergebnis durch die Hinzunahme des monoklonalen Antikörpers Daratumumab zu Carfilzomib und Dexamethason im Vergleich zu Kd56 noch einmal signifikant verbessert. Das Risiko, eine Krankheitsprogression zu erleiden oder zu versterben, wurde durch KdD56 um 37% reduziert (HR=0,63; p=0,0014) im Vergleich zu Kd56. Die Gesamtansprechrate war signifikant höher mit der Dreifachkombination (84% vs. 75%). Prof. Dr. Deniz Gezer, Aachen, wies insbesondere auf die tieferen Remissionen unter KdD56 hin. Nach 12 Monaten war die Rate der MRD-negativen kompletten Remissionen 13-fach höher als unter Kd56 (13% vs. 1%; p<0,0001). Etwa jeder 3. Patient (29%) erreichte unter KdD56 eine komplette Remission (CR) oder besser, unter Kd56 war es jeder 10. Patient.

Im Studien-Update zeigte sich mit KdD56 eine signifikante Verbesserung des mPFS um 13,4 Monate im Vergleich zu Kd56 (28,6 vs. 15,2 Monate; HR=0,59; 95%-KI: 0,45-0,78) (2). Gezer verdeutlichte, dass durch die Hinzunahme des Antikörpers somit mehr als ein Jahr zusätzliche Krankheitsfreiheit für die Patienten gewonnen wird. Wie Prof. Dr. Monika Engelhardt, Freiburg, berichtete, bestand der Vorteil im PFS über alle analysierten Subgruppen hinweg, und war z.B. unabhängig davon, ob es sich um ein frühes oder spätes Rezidiv handelte, eine autologe Stammzelltransplantation vorausgegangen war oder Patienten vor ihrem Rezidiv eine Therapielinie oder 2 oder mehr Therapielinien erhalten hatten. Insbesondere profitierte die Subgruppe der Lenalidomid-refraktären Patienten. In die CANDOR-Studie waren 39% der eingeschlossenen Patienten im KdD56-Arm Lenalidomid-vorbehandelt, 32% waren refraktär auf eine vorangegangene Lenalidomid-haltige Therapie.

Für die Lenalidomid-vorbehandelten Patienten bestand eine 47%-ige Reduktion des Risikos, eine Krankheitsprogression zu erleiden oder zu versterben und in der Gruppe der Lenalidomid-refraktären Patienten war dieses Risiko um 53% reduziert (1). Die beim ASH vorgestellte Post-hoc-Analyse zeigte für Lenalidomid-vorbehandelte Patienten unter KdD56 ein mPFS von 25,9 Monaten vs. 11,1 Monate im Kd56-Arm (HR=0,49; 95%-KI: 0,33-0,74) sowie ein mPFS von 28,1 Monaten unter KdD56 für Lenalidomid-refraktäre Patienten vs. 11,1 Monate unter Kd56 (HR=0,46; 95%-KI: 0,28-0,73) (2).

Die Inzidenz therapiebedingter unerwünschter Ereignisse (UE) von Schweregrad ≥ 3, schwerwiegender oder fataler UE war höher im KdD56- als im Kd56-Arm. Der häufigste Grund für fatale behandlungsbezogene UE in beiden Armen waren Infektionen. Die Rate an Behandlungsabbrüchen aufgrund von UE war jedoch in beiden Armen vergleichbar. Engelhardt wies darauf hin, dass die mediane Behandlungsdauer im KdD56-Arm mit 70,1 Wochen deutlich länger war als in der Kd56-Gruppe mit 40,3 Wochen. Die Dosis-angepassten UE-Raten waren in beiden Gruppen vergleichbar. Es bestand eine gute Tolerabilität bei 1-3 Vortherapien, ECOG-Performance-Status 0-2, einer CRCl > 20 ml/min und einer LVEF > 40%. KdD56 sei eine attraktive neue Immun-Proteasom-Inhibitor-Therapie, so das Fazit von Engelhardt.

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Virtuelles Launch-Symposium „Neue Wege beim multiplen Myelom: Drittes Kyprolis ®-Therapieregime (KdD56) zugelassen“, 11.02.2021; Veranstalter: Amgen

Literatur:

(1) Dimopoulos M et al. Lancet 2020;396:186-97.
(2) Dimopoulos M et al. ASH 2020, Abstr. 2325.
(3) Moreau P et al. Leukemia 2017;31:115-22.
(4) Weisel K et al. ASH 2017; Abstr. 1850.


Anzeige:
Venclyxto
Das könnte Sie auch interessieren
Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
Bayern+gegen+Leuk%C3%A4mie+%E2%80%93+Gemeinsamer+landesweiter+Aktionstag+f%C3%BCr+Typisierung+am+25.+Mai+2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen...

Kinder mit Leukämie – eine Herausforderung für die ganze Familie
Kinder+mit+Leuk%C3%A4mie+%E2%80%93+eine+Herausforderung+f%C3%BCr+die+ganze+Familie
© pingpao - stock.adobe.com

Wird bei einem Kind Leukämie diagnostiziert, so hat das für die ganze Familie dramatische Veränderungen zur Folge. Neben den gesundheitlichen Sorgen, tun sich weitere Problemfelder auf: Wie kann der Alltag organisiert werden trotz hoher physischer und emotionaler Belastung? Wie lassen sich Beruf, Betreuung des kranken Kindes in der Klinik und die Fürsorge für die Geschwister vereinbaren und welche finanziellen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"MM-Studien-Update: 28,6 Monate PFS mit KdD56"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.