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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Dezember 2020
Seite 1/3
Mehr Frauen in Führungspositionen

Interview mit Prof. Dr. med. Monika Engelhardt, Universitätsklinikum Freiburg.

Der hohe Frauenanteil unter den Medizinstudierenden ist bemerkenswert. Dennoch gibt es immer noch wenige Ärztinnen, die eine höhere Position in ihrer beruflichen Laufbahn erreichen. Ab einem gewissen Punkt ihrer Karriere scheint es schwierig zu sein, weiter aufsteigen zu können, was oft am Wunsch liegt, eine Familie zu gründen. Kann man Karrierehindernisse talentierter Wissenschaftlerinnen überwinden und die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in der Medizin abbauen? Über dieses Thema spricht Prof. Dr. Monika Engelhardt, Freiburg.
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Monika Engelhardt
Prof. Dr. med.
Monika Engelhardt
Schon seit Jahren studieren mehr Frauen als Männer Medizin, dennoch sind Frauen immer noch seltener in Chefetagen zu finden. Woran liegt das – spielen neben Schwangerschaft und Elternzeit auch immer noch geschlechtsspezifische Vorurteile eine Rolle? Sehen Sie hier einen Wandel?

Ich sehe im Vergleich zu den vergangenen 10-20 Jahren einen Wandel: heute studieren mehr Frauen als Männer Medizin, d.h. 60% der Studierenden sind weiblich (Abb. 1), die typischerweise auch sehr ambitioniert sind. Sie machen oft eine gute Doktorarbeit und fangen zügig an, als Assistenz­ärzte zu arbeiten. Es sind dann aber vor allem die Frauen, die die Karriere wegen Kindern unterbrechen und/oder ihre Arbeit reduzieren. Sie überlegen sich auch eher, ob sie weiterhin an einer Universitätsklinik verbleiben, sich habilitieren und eine leitende bzw. Chefposition anstreben sollen. Obwohl Frauen zu 60% mit dem Medizinstudium beginnen, sind sie sehr viel seltener später in leitenden Posi­tionen und in weniger als 10% in Chefetagen anzutreffen, was bedauerlich ist (Abb. 1). Hier bestehen somit große geschlechtsspezifische Unterschiede. Um Frauen auf dem Karriereweg erfolgreich zu begleiten und zu motivieren, dauerhaft im Beruf zu verbleiben, bedarf es einer besonderen Frauenförderung. Hierfür setzen sich viele ein, wie die Familie (z.B. die Eltern), später der richtige Partner, Kollegen und im Idealfall ein(e) exzellente(r) Chef/in. Auch Frauenförderungsprogramme sind dabei hilfreich: in der Universitätsklinik Freiburg gibt es beispielsweise definierte Genderförderungsprogramme, bei denen sich weibliche und männliche Mentoren für ihre Mentees besonders engagieren und für deren individuelle Förderung einsetzen. Letztere werden über einen definierten Zeitraum von mindestens 1-2 Jahren begleitet, was sehr gut angenommen und inzwischen von vielen Universitätskliniken angeboten wird.
 
Abb. 1: Karriereverlauf von Ärztinnen mit typischem „Karriere-Knick“ um das 30. Lebensjahr. © Mit freundlicher Genehmigung von Frau Prof. Dr. med. Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin Deutscher Ärztinnenbund
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Abb. 1: Karriereverlauf von Ärztinnen mit typischem „Karriere-Knick“ um das 30. Lebensjahr.

Wie viel Prozent der Lehrstühle sind derzeit von Frauen besetzt? Gibt es bevorzugte Fachgebiete wie z.B. Gynäkologie? Wie sieht es mit dem Anteil von Frauen in der Onkologie aus?

Es gibt 36 Lehrstühle für Hämatologie und Onkologie in Deutschland, davon sind aktuell 3 (8%) – in Kiel, Halle und Tübingen – mit einer Frau besetzt. Frauen in dieser Position sind noch deutlich unterrepräsentiert, das müssten somit mehr werden. Hämatologie und Onkologie gilt aus mehreren Gründen als „herausforderndes“ Fachgebiet: es ist emotional belastend, zudem dauert die Ausbildung lange (früher erst als Internist, anschließend erfolgte die Weiterbildung zum Hämatologen und Onkologen). Die Weiterbildung ist jetzt mit 6 Jahren bis zum Facharzt schneller möglich, daran schließen sich oft weitere Spezialisierungen, wie Palliativmedizin, an. Zudem kann man sich in dieser Zeit habili­tieren, aber auch hier braucht man einen langen Atem. Anfangs sind in der Facharztzeit noch zur Hälfte Frauen und Männer, aber an der Spitze ändert sich deren Relation und man findet weniger Frauen: wir haben z.B. in Freiburg 11 Oberarztstellen, davon sind 2 mit Frauen besetzt (somit 18% statt 50%). Man kann also feststellen: „There are many of us, but few reach the top” (Abb. 1). Warum das so ist, haben viele Publikationen zu dem Thema aufgezeigt, die verdeutlichen, dass Frauen in der Regel weniger gefördert werden, seltener exzellente Empfehlungsschreiben erhalten, in geringem Ausmaß über gute Netzwerke verfügen, selten weibliche Vorbilder haben und geringere Fördergelder bewilligt bekommen (Abb. 2). Es gibt viele Ansatzpunkte, die geändert gehören, z.B. das Bewusstsein, die o.g. Punkte anzugehen, zudem Frauenförderungsprogramme, die Frauen ermutigen, Veränderungen zu wagen, sich öfter auf höhere Positionen zu bewerben und standhaft zu bleiben, d.h. sich durchzuboxen. Die in Abbildung 3 genannten Punkte können helfen, dieses Ziel zu erreichen.
 
Abb. 2: Mögliche Gründe (mod. nach (1, 2)). PI=Principal Investigator
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Abb. 2: Mögliche Gründe (mod. nach (1, 2)).
 
Abb. 3: Mit diesen Strategien können Frauen die Medizin erobern.
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Abb. 3: Mit diesen Strategien können Frauen die Medizin erobern.
 
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