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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
24. März 2020

„Lead and Inspire“: Frauen in Führungspositionen der Onkologie

Die Aufstiegschancen für Frauen im Gesundheitswesen sowie in der biopharmazeutischen Forschung und Industrie sind nach wie vor gering. Mit der Veranstaltungsreihe „Lead and Inspire – Women in Science“ soll jungen Talenten gezeigt werden, wie sie aktiv Wissenschaft, Klinik und Forschung gestalten können.
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Über 60% aller Studierenden in der Humanmedizin sind weiblich. Mehr als 50% der Facharztanerkennungen erhalten Frauen. Gleichzeitig sind nur 3% der ärztlichen Führungspositionen in der Inneren Medizin an Universitätskliniken von Ärztinnen besetzt. Generell sind lediglich 10% des medizinischen Führungspersonals im deutschen Gesundheitswesen Frauen – und das obwohl über 75% der Beschäftigten weiblich sind (1).

Junge und für eine Karriere in der Wissenschaft und Medizin talentierte Frauen – insbesondere in der Onkologie – motivieren und für sie eine Plattform zum Austausch und zur Vernetzung schaffen – mit diesem Anspruch hat Novartis die Networking-Veranstaltung „Lead and Inspire: Women in Science“ ins Leben gerufen. Bei der Auftaktveranstaltung erzählten Frauen in medizinischen Führungspositionen, wie sie den Weg an die Spitze geschafft haben und beantworteten Fragen junger Nachwuchskräfte.

Dr. Susanne Schaffert, promovierte Chemikerin und Präsidentin von Novartis Onkologie, steht an der Spitze des forschenden Pharmaunternehmens und möchte ein Vorbild für junge Frauen sein: „Neben Studium und Promotion habe ich eine Ballettschule gegründet. Dieses Alleinstellungsmerkmal hat den Ausschlag gegeben.“ Damit bildet Schaffert die Ausnahme und postuliert für Novartis eine unternehmensweite Geschlechterparität bis zum Jahr 2023.

Bei der Paneldiskussion beantworteten auch Dr. Sonja Hansen und PD Dr. Uta E. Höpken, beide Delbrück, sowie Prof. Dr. Dr. Ulrike Köhl, Leipzig, die Fragen des Auditoriums. Bei der Frage, wie „frau“ Kind und Karriere bewältigen kann, sagten alle Wissenschaftlerinnen unisono: „Männern wird diese Frage gar nicht gestellt, nur Frauen müssen sich rechtfertigen!“ Viele Fördermöglichkeiten zur Kinderbetreuung seien gar nicht bekannt, so Höpken. „Aber ein Partner, der die Betreuung nicht als ‚Frauensache‘ ansieht, macht vieles deutlich leichter.“ Auch gebe es keinen „guten“ Zeitpunkt, um Kinder zu bekommen, „sondern eher einen Zeitpunkt, an dem man es sich zutraut.“

Köhl gab außerdem den Tipp, sich schon zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere – bereits im Studium – Mentorenprogramme zu suchen und Netzwerke zu knüpfen: „Seien Sie offen, sprechen Sie Leute an, verteilen Sie überall Ihre Visitenkarte – Männer tun das ständig, und mehr als ein Nein kann nicht passieren!“ Männer hätten auch deshalb bei Bewerbungen oft die besseren Chancen, weil sie viel früher anfangen würden, Netzwerke zu knüpfen: „Seien Sie nicht so bescheiden, das sind Männer auch nicht!“, so Köhls Rat. Auch sollte sich „frau“ nie fragen, ob sie eine Stelle nur aufgrund einer Frauenquote oder durch Vitamin B erhalten habe: „Wie Sie Ihre Chance bekommen haben, ist vollkommen egal – entscheidend ist, dass Sie sie nutzen!“

Zum Thema Bewerbung gab Hansen wichtige Ratschläge: „Bewerben Sie sich gezielt, nicht beliebig. Und lassen Sie sich nicht von verschlossenen Türen dazu bringen, aufzugeben – machen Sie weiter!“ Auch sollte „frau“ nicht zu bescheiden auftreten: „Setzen Sie sich durch, auch auf die Gefahr hin, einmal nicht positiv anzukommen. Frauen neigen dazu, sich selbst durch zu viel Verantwortungsbewusstsein für andere zu bremsen. Aber wenn eine Frau es erst einmal in eine Führungsposition geschafft hat, ist dieses Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitarbeiter ihre größte Stärke“, schloss Köhl.

(sm)

Quelle: Panel-Diskussion „Lead and Inspire – Women in Science“, 27.11.2019, Berlin; Veranstalter: Novartis Oncology

Literatur:

(1) https://www.mckinsey.com/industries/healthcare-systems-and-services/our-insights/women-in-the-healthcare-industry


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