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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Mai 2020 Kombinierte Strahlen-Immuntherapie beim lokal fortgeschrittenen Blasenkarzinom

H. Rexer, AUO Geschäftsstelle, Seestr. 11, 17252 Schwarz, AUO@MeckEvidence.de, PD Dr. S. Schmid, Leiter der klinischen Prüfung (LKP), TU München, Klinikum r. d. I., Urologische Klinik und Poliklinik, Ismaninger Str. 22, 81675 München, Prof. Dr. A. Merseburger, Organgruppensprecher der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., Kuno-Fischer-Str. 8, 14057 Berlin.

Prospektive, einarmige, multizentrische Phase-II-Studie zur Erhebung von Sicherheit und Wirksamkeit einer präoperativen Radio-Immuntherapie gefolgt von radikaler Zystektomie beim lokal fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom (RACE-IT) – AB 65/18 der AUO.
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Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom (cT3/4 cN0/N+ cM0) haben trotz radikaler Zystektomie und perioperativer Chemotherapie eine sehr schlechte Prognose. Aufgrund einer eingeschränkten Nierenfunktion ist zudem fast die Hälfte aller Patienten nicht für eine Cisplatin-basierte Chemotherapie geeignet. Folglich ergibt sich der dringende Bedarf einer effektiveren Therapiemöglichkeit für Patienten in diesem Stadium der Erkrankung.
 
Abb. 1: Studienzentren in Deutschland.
Abb. 1: Studienzentren in Deutschland.


In der Therapie des muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms (MIBC) zeigten Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Nivolumab, Pembrolizumab und Atezolizumab beeindruckende Daten, die zur Zulassung dieser Medikamente in der Erst- und Zweitlinientherapie des MIBC führten. Die Kombination von Strahlentherapie und immunmodulierenden Medikamenten zeigt in präklinischen und frühen klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse. Dabei kommt es zu einer synergistischen Wirkung der beiden Therapiemodalitäten. Zusätzlich sind auch sog. abscopale Effekte beschrieben, bei denen es auch außerhalb des Bestrahlungsfeldes zu einem Therapieansprechen kommen kann.

Aufgrund dieses vielversprechenden Potenzials sowie der verhältnismäßigen Häufigkeit des MIBC wurde die RACE-IT-Studie an der Technischen Universität München entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine prospektive, multizentrische, offene und einarmige Phase-II-Studie, in der die präoperative Kombination aus Strahlentherapie und Immuntherapie mit Nivolumab untersucht wird. Die Patienten erhalten insgesamt 4 Zyklen Nivolumab 240 mg i.v. (q14d), begleitet von einer täglichen Bestrahlung des Beckens inklusive Harnblase mit insgesamt 50,4 Gy für ca. 5 Wochen. Nach Abschluss der Immun- und Strahlentherapie erfolgt 3 bis 6 Wochen später die radikale Zystektomie, gefolgt von einer Nachbeobachtungsphase von einem Jahr.

Primäre Endpunkte der Studie sind die Durchführbarkeit und Sicherheit der Kombinationstherapie. Dabei wird die Rate an Patienten mit abgeschlossener Behandlung (bestehend aus Radio-Immuntherapie und radikaler Zystektomie) zum Ende von Woche 15 analysiert. Als sekundäre Endpunkte werden Akut- und Spättoxizität sowie immun-vermittelte Toxizität beurteilt. Daneben werden krankheitsfreies, krebsspezifisches und Gesamtüberleben, R-Status nach OP, radiologische Ansprechrate und ypT0-Rate nach Zystektomie untersucht.
 
Abb. 2: Bisheriger Rekrutierungsverlauf.
Lupe
Abb. 2: Bisheriger Rekrutierungsverlauf.

Tab. 1: Teilnehmende Zentren für Patientenzuweisungen.
Tab. 1: Teilnehmende Zentren für Patientenzuweisungen.


Insgesamt ist eine Patientenzahl von 33 Patienten in 3 Studienzentren (Abb. 1) geplant. Kontaktdaten für Patientenzuweisung finden sich in Tabelle 1. Abbildung 2 zeigt die bisherige Rekrutierung in die Studie. Im Folgenden sind die wichtigsten Ein- und Ausschlusskriterien gelistet.
Einschlusskriterien:
• Histologisch gesichertes, lokal fortgeschrittenes Harnblasenkarzinom (cT3/4 cN0/N+ cM0) mit mindestens 10%iger urothelialer Differenzierung
• ungeeignet für neoadjuvante Chemotherapie mit Cisplatin oder Verweigern einer Chemotherapie
• ECOG-Performance-Status 0-2
• Lebenserwartung > 6 Monate
• Adäquate Funktion von Knochenmark, Leber und Gerinnung
• Einwilligungsfähigkeit
• Körpergewicht 35-160 kg
Ausschlusskriterien:
• Metastasierung (Fernmetastasen oder suspekte Lymphknoten außerhalb des Beckens gemäß RECIST 1.1)
• Vorherige Chemotherapie (ausgenommen intravesikale Chemotherapie)
• Vorherige Strahlentherapie des Beckens
• Autoimmunerkrankung (mit Ausnahmen)
• Immunsuppressive Therapie mit Kortikosteroiden
• Diagnose einer Immunschwäche oder Einnahme von systemischer Steroidtherapie (≥ 10 mg/d)
• Vorherige Therapie mit Anti-PD-1-, Anti-PD-L1-, Anti-PD-L2- oder Anti-CTLA-4-Antikörpern etc.

Leiter der klinischen Studie (LKP) ist PD Dr. Sebastian Schmid; seine Aufgaben liegen in der medizinischen Durchführung der Studie, der Abwägung von Nutzen-Risiko der Studie und Umsetzung des Prüfplans in ärztlichen Belangen. Er ist Ansprechpartner für Ethikkommission und Behörden und mit zuständig für die abschließende ärztliche Bewertung der Ergebnisse. Sponsor der Studie ist die Technische Universität München, Ismaninger Str. 22, 81675 München. Die Studie ist unter der Nummer NCT03529890 bei clinicaltrials.gov registriert.


Weitere Details zur Studie finden Sie unter www.med4u.org/16798

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