Freitag, 16. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. März 2021

ITP: Patienten sind emotional erheblich belastet

Patienten, die an der seltenen Autoimmunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) leiden, sind häufig einem hohen Leidensdruck ausgesetzt. Blutungssymptome, Thrombozytopenie, aber auch Fatigue und emotionale Belas­tungen bis hin zur Depression schränken die Lebensqualität der Patienten stark ein (1). Eine aktuelle Analyse der weltweit durchgeführten Querschnittsbefragung I-WISh bei ITP-Patienten und behandelnden Ärzten, die bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2020 vorgestellt wurde, machte deutlich, wie stark die Erkrankung das emotionale Wohlbefinden der Patienten in Mitleidenschaft zieht (2). Weitere beim ASH-Meeting präsentierte Beiträge zur I-WISh-Studie untermauerten erneut den negativen Einfluss des Symptoms Fatigue (3) und machten klar, dass sich ITP-Patienten um die Nebenwirkungen einer Kortikosteroid-Therapie sorgen (4).
Die cross-sektionale Umfrage I-WISh untersuchte bei ITP-Patienten und behandelnden Ärzten u.a. die Belas­tungen, denen Patienten durch ihre Erkrankung ausgesetzt sind und evaluierte den Einfluss der ITP auf die Lebensqualität. Zudem wurden die Symptome der ITP und deren Auswirkungen auf die Patienten sowie die Beziehung zwischen Arzt und Patient erfragt. Weiterhin widmete sich die Studie den ­diagnostischen Schwierigkeiten bei der ITP, verglich die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Ärzten und Patienten im Hinblick auf das Management der Erkrankung und untersuchte, ob ein Bedarf an neuen Behandlungsoptionen besteht.

An der Querschnittsbefragung nahmen insgesamt 1.507 ITP-Patienten und deren behandelnde Hämatologen/Hämato-Onkologen aus 13 Ländern teil. Das durchschnittliche Alter der Patienten lag bei 47 Jahren und 65% waren weiblich. Die beim ASH-Meeting vorgestellte Analyse widmete sich dem Einfluss der ITP auf das emotionale Wohlbefinden der Patienten. Die Patienten waren gebeten worden, die emotionalen Auswirkungen ihrer Erkrankung auf Basis einer 7 Punkte umfassenden Skala zu bewerten (2).

Wie Dr. Nichola Cooper, London, UK, berichtete, gaben 49% der befragten Patienten an, dass die ITP ­einen erheblichen Einfluss auf ihr emotionales Wohlbefinden hat (5-7 Score-Punkte). Die Patienten sorgten sich v.a. um instabile Thrombozytenwerte, die sich nicht erklären lassen (63%), eine Verschlechterung ihrer Erkrankung (63%) oder fürchteten sich davor, an der Erkrankung zu versterben (41%) (2). Cooper betonte, dass Patienten, die unter großer emotionaler Belas­tung litten, auch häufiger von ITP-assoziierten Symptomen wie Fa­tigue, Petechien, Hämatomen, Depressionen oder Kopfschmerzen betroffen waren. Unter den Patienten, die Angst vor einer Krankheitsverschlechterung, schlechten Blutwerten oder vor dem Versterben hatten, waren Frauen häufiger von Symptomen wie Fatigue oder Kopfschmerzen/Migräne betroffen als­ Männer. Patienten, die Angst vor einer Krankheitsverschlechterung hatten und sich um schlechte Blutwerte sorgten, wiesen zudem besonders häufig niedrige Thrombozytenwerte unter 100 x 109/l auf.

Die emotionale Belastung der Patien­ten durch die ITP war mit der Medikation assoziiert. Patienten mit großer emotionaler Belastung erhielten wesentlich häufiger Kortikosteroide als Patienten, denen es emotional besser ging. Vor allem Patienten, die sich Gedanken ums Sterben machten, standen zum Zeitpunkt der Befragung deutlich häufiger unter einer Therapie mit Kortikosteroiden als diejenigen Patienten, die sich keine entsprechenden Sorgen machten (40% vs. 20%) (2).

Im Vergleich dazu standen emotional stark und weniger stark belastete Patienten etwa gleich häufig (58% vs. 53%) unter einer Behandlung mit Thrombopoetin-Rezeptoragonisten (TPO-RA) (2).

Eine weitere Analyse der beim ASH vorgestellten I-WISh-Studie machte deutlich, dass ITP-Patienten, die unter Fatigue litten, zum Zeitpunkt der Dia­gnose oder zum Zeitpunkt der Umfrage auch eine insgesamt erhöhte Symptomlast mit starker Beeinträchtigung der Lebensqualität aufwiesen. So litten die von Fatigue Betroffenen häufiger unter Depressionen und Ängs­ten (3).

Patienten unter Kortikoid-Behandlung waren zudem weniger zufrieden mit ihrer Therapie als Patienten, die eine Behandlung mit TPO-RA erhielten. Das zeigen die Ergebnisse einer weiteren Analyse der I-WISh-Querschnittsbefragung (4). Viele Patienten hatten Bedenken wegen der Nebenwirkungen der Kortikoid-Behandlung und sorgten sich um die Kurzzeit-, insbesondere aber um die Langzeitnebenwirkungen dieser Medikamente (4).

Die ASH-Leitlinien 2019 und das International Consensus-Dokument von 2019 empfehlen in diesem Kontext eine frühere Umstellung auf eine Zweitlinienbehandlung, die mit weniger Nebenwirkungen behaftet ist, etwa TPO-RA wie Eltrombopag (Revolade®*) (5, 6). Auch die nationalen Leitlinien zur ITP empfehlen, Steroide nicht länger als ­6 Wochen einzusetzen (1).

Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH

* Revolade® ist indiziert für die Behandlung von Patienten im Alter von 1 Jahr und älter mit primärer Immunthrombozytopenie (ITP), wenn diese 6 Mo­nate oder länger nach Diagnosestellung andauert und die Patienten gegenüber anderen Therapien refraktär sind (z.B. Kortikosteroide, Immunglobuline) (7).

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Literatur:

(1) Onkopedia-Leitlinie „Immunthrombozytopenie (ITP)“, Stand Oktober 2020. Abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/immunthrombozytopenie-itp/@@guideline/html/index.html (Letzter Zugriff: 05.02.2021)
(2) Cooper N, Ghanima W, Kruse A et al. A Patient’s Perspective on Impact of Immune Thrombocytopenia on Emotional Wellbeing: ITP World Impact Survey (I-WISh). ASH 2020, Abstract 1760 und Posterpräsentation.
(3) Bussel JB, Ghanima W, Cooper N et al. Higher Symptom Burden in Patients with Immune Thrombocytopenia Experiencing Fatigue: Results from the ITP World Impact Survey (I-WISh). ASH 2020, Abstract 2668 und Posterpräsentation.
(4) Ghanima W, Bussel JB, Provanet D et al. Patients’ Reported Perceptions on Satisfaction with Immune Thrombocytopenia Treatments: Results from the ITP World Impact Survey (I-WISh). ASH 2020, Abstract 845 und Posterpräsentation.
(5) Neunert C, Terrell DR, Arnold DM et al. American Society of Hematology 2019 guidelines for immune thrombocytopenia. Blood Adv 2019;3(23):3829-66.
(6) Provan D, Arnold DM, Bussel JB et al. Updated international consensus report on the investigation and management of primary immune thrombocytopenia. Blood Adv 2019;3(22):3780-817.
(7) Fachinformation Revolade®.


Das könnte Sie auch interessieren
Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
Seltene+Krebsarten+%E2%80%93+Stiefkind+der+Krebsforschung%3F
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen...

Was Krebspatienten in der kalten Jahreszeit beachten sollten
Was+Krebspatienten+in+der+kalten+Jahreszeit+beachten+sollten
© Rido - stock.adobe.com

Außen kalt, innen überheizt, dazu Glatteis, Schnee und trübes Licht – der Winter ist für Krebspatienten keine leichte Zeit. Aufgrund der geschwächten Immunabwehr und den damit einhergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Im Monatsthema Dezember gibt das ONKO-Internetportal hilfreiche Tipps, wie Krebspatienten gut und sicher durch die kalten Monate kommen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ITP: Patienten sind emotional erheblich belastet"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.