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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. April 2021
Seite 1/7

Gallengangskarzinome: Heterogene Gruppe maligner biliärer Tumoren

T. O. Götze, Institut für Klinische Krebsforschung IKF GmbH am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main.
Maligne biliäre Tumoren sind mit weniger als 1% aller malignen Tumoren eine seltene Tumorentität. Auch die Nomenklatur ist vielfach uneinheitlich. Gallengangskarzinome oder sog. Cholangiokarzinome (CCA) weisen meistens eine cholangiozytentypische Differenzierung auf (1). Bereits seitens der anatomischen Lageverteilung handelt es sich um eine heterogene Gruppe, die aber häufig als eine Entität betrachtet und auch im Rahmen von Studientherapien uniform innerhalb ein und derselben Studie behandelt werden. Je nach anatomischer Lokalisation des Primärtumors werden intrahepatische (iCCA) von extrahepatischen (eCCA) CCA und Gallenblasenkarzinomen unterschieden. Das eCCA lässt sich nochmals weiter aufteilen in perihiläre (Klatskin) Gallengangskarzinome und das distale Cholangiokarzinom. Diese Unterscheidung ist sowohl diagnostisch als auch operativ technisch relevant.
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Es bestehen große geographische Variationen in der Inzidenz von Cholangio­karzinomen. Karzinome der intrahepatischen Gallengänge sind in der westlichen Welt vergleichsweise selten (Inzidenz von 0,3-3,5/100.000). In Ländern mit häufigen Trematoden-Infektionen der Leber zeigt sich eine wesentlich höhere Inzidenz, z.B. in Nordost-Thailand (90/100.000) (2). Beim eCCA sind die regionalen Unterschiede geringer, die Inzidenz liegt zwischen 0,5 (Großbritannien) und 1,1 (Manitoba, Kanada) pro 100.000. In westlichen Ländern zeigt sich in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Inzidenz der iCCA, bei abnehmender Inzidenz der eCCA, während sie im asiatischen Raum kaum verändert erscheint.

Gallenblasenkarzinome sind in Westeuropa und den USA ebenfalls selten mit einer Inzidenz von 1,6-2/100.000, jedoch in Chile, Indien und v.a. auch Osteuropa deutlich häufiger mit Inzidenzen bis zu 35/100.000. Frauen sind ca. 4-fach häufiger betroffen als Männer. Gemäß Autopsiestudien sind Karzinome der Gallenblase sogar die häufigsten biliären Tumoren und die 5.-6.-häufigsten Tumoren des Gastrointestinaltrakts (3).

Unter http://krebsdaten.de, Zentrum für Krebsregisterdaten (Herausgeber: Robert Koch-Institut) lassen sich die Inzidenz-, Prävalenz- und Mortalitätsdaten für die entsprechenden Krebsdaten in der Bundesrepublik Deutschland von 1999 bis zum (neuesten) Stand 2016 abfragen. Im Jahr 2016 wurden knapp 5.300 Menschen (C23-C24) mit einem Anteil von etwa 68% extrahepatischen Gallengangskarzinomen (davon ca. 11% perihiläre Karzinome) und einem Anteil von ca. 32% Gallenblasenkarzinomen diagnostiziert. Hinzu kommen dann nochmals ca. 2.000 Patienten mit einem iCCA, die aufgrund der ICD-Kodierung als primäre maligne Lebertumoren erfasst werden, da das System nur die Diagnosen C23-C24, Gallenblase und extrahepatische Gallenwege erfasst. Die Gesamtinzidenz in Deutschland dürfte damit bei > 7.000 Neuerkrankungen/Jahr liegen.

Risikofaktoren

Die primäre sklerosierende Cholan­gitis (PSC) stellt gerade in den westlichen Ländern ein erhebliches Risiko für die Entwicklung intra- und extrahepatischer Gallengangs- sowie Gallenblasenkarzinome dar (4). Leberzirrhose, chronische Hepatitiden, sowohl Hepatitis-C- als auch Hepatitis-B-Infektionen, Alkoholkonsum, Adipositas und Diabetes sind weitere relevante Risikofaktoren für die Entwicklung eines v.a. intrahepatischen Gallengangskarzinom (2, 5-7). Weitere bekannte Risikofaktoren sind eine Gallensteinerkrankung und Choledochuszysten (8).

Beim Gallenblasenkarzinom zeigen Geschlechtsunterschiede weltweit ein deutliches Übergewicht von Frauen gegenüber Männern, insbesondere in Nordindien, Pakistan und bei weiblichen Indianern (9). Frauen sind 2-6x häufiger betroffen als Männer (10). Der Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone wird dadurch bestärkt, dass Gallenblasenkrebs mit Parität und einer größeren Anzahl von Schwangerschaften assoziiert ist. Die Rolle der Östrogenrezeptor- und Progesteronrezeptorexpression bei Gallenblasenkrebs unterscheidet sich nicht signifikant zwischen Männern und Frauen. Allerdings ist die Koexpression beider Rezeptoren bei Frauen mit Gallenblasenkrebs im Vergleich zu Männern erhöht, was ein potenzielles Ziel für die Behandlung darstellen könnte (11). Mapuche-Indianer aus Valdivia, Chile, Südamerika, weisen die höchste Rate an Gallenblasenkrebs auf: 12,3/100.000 für Männer und 27,3/100.000 für Frauen (12). Der wesentliche Risikofaktor für die Entstehung von Gallenblasenkarzinomen sind jedoch Gallensteine. Mehr als drei Viertel aller Patienten mit einem Gallenblasenkarzinom weisen gleichzeitig eine Steinerkrankung der Gallenblase auf.
 
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