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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
15. Dezember 2020
Seite 1/3

Experten kommentieren aktuelle Studienergebnisse 12/2020

Serie
Im nächsten Teil unserer Serie kommentiert Prof. Dr. Markus Möhler, ­Leiter der gastrointestinalen Onkologie am Universitären Centrum für Tumor­erkrankungen (UCT)/Universitätsmedizin Mainz, aktuelle Studien zur Therapie des Magenkarzinoms.
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COVID-19 und Krebs: Kohortenstudie auf Basis des „COVID-19 and Cancer Consortium“

Kuderer NM et al. Lancet 2020; 395:1907-1918.
Krebspatienten mit einer mittels polymerase chain reaction (PCR) festgestellten Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 haben eine deutlich erhöhte Mortalität. Das ist das Ergebnis einer Kohortenstudie (NCT04354701) zum klinischen Effekt von COVID-19 bei Krebspatienten auf Basis des „COVID-19 and ­Cancer Consortium“ (CCC19).
Hintergrund
Bislang existieren nur wenige Daten zu COVID-19 bei Krebspatienten. Die vorliegende Studie beschäftigte sich mit den Outcomes bei dieser Patientengruppe und identifiziert potenzielle prognostische Faktoren hinsichtlich Mortalität und schweren Krankheitsverläufen.
Methodik
•    Datenbasis: anonymisierte Daten auf Basis des CCC19 von 928 erwachsenen Patienten aus den USA, Kanada und Spanien mit aktueller oder vergangener maligner Erkrankung und PCR-basiertem SARS-CoV-2-Nachweis, deren Baseline-Daten zwischen dem 17. März und dem 16. April 2020 dem Register hinzugefügt wurden.
•    Studiendesign: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Outcome und potenziellen prognostischen Faktoren mittels logistischer Regressionsanalyse, teilweise angepasst an Alter, Geschlecht, Raucherstatus und Adipositas.
•    Primärer Endpunkt: Gesamtmortalität innerhalb von 30 Tagen nach COVID-19-Diagnose.
Ergebnisse
•    Gesamtmortalität: 13% der Patienten starben innerhalb von 30 Tagen nach COVID-19-Diagnose.
•    Unabhängige prognostische Kenn­größen für eine erhöhte 30-Tage-Mortalität: fortgeschrittenes Alter (pro 10 Jahre; Odds Ratio (OR): 1,84; 95%-KI: 1,53-2,21), männliches Geschlecht (OR: 1,63; 1,07-2,48), Raucherstatus (ehemaliger Raucher vs. Nichtraucher; OR: 1,60; 1,03-2,47), Anzahl der Komorbiditäten (2 vs. keine: OR: 4,50; 1,33-15,28), ECOG-Performance-Status von 2 oder höher (Status 2 vs. 0/1: OR: 3,89; 2,11-7,18), aktive Krebserkrankung (Progression vs. Remission; OR: 5,20; 2,77-9,77), aktive Therapie mit Azithromycin in Kombination mit Hydroxychloroquin (vs. Therapie mit keiner der beiden Substanzen: OR: 2,93; 1,79-4,79).
Fazit
Bei Krebspatienten, die von COVID-19 betroffen sind, ist die Mortalität überproportional hoch. Entsprechend hoch ist der Anteil der Patienten, die einer Hospitalisierung sowie einer intensivmedizinischen Behandlung und Beatmung bedürfen. Neben Alter und aktuellem Performance-Status stellen aktive Therapie, Anzahl der Komorbiditäten sowie Gebrauch von Steroiden relevante Risikofaktoren für die Mortalität dar.
 
Prof. Dr. Möhler, Mainz, kommentiert:

Was ist das Besondere an dieser Studie?
Dies ist eine der ersten Studien, die die Gefährlichkeit des Coronavirus bei Krebspatienten untersucht. Zahlreiche Faktoren wie Gesundheitszustand, aktive Erkrankung, Cortison, ECOG-Performance-Status und höheres Alter sind entscheidende unabhängige Risiko-Faktoren. Unklar ist, ob hier möglicherweise nicht vor allem Patienten mit deutlich fortgeschrittener metastasierter Erkrankung eingeschlossen wurden. Auch wenn die Studie über 900 Patienten eingeschlossen hat, sind weitere prospektive Daten für einzelne Tumorerkrankungen und deren verschiedene Stadien wichtig, um das tatsächliche Risiko der SARS-CoV-2-Infektionen zu bestimmen. Eine echte Kontrollgruppe wird sich schlecht definieren lassen. Hier ist der epidemiolgische Vergleich mit anderen infizierten Patienten eine wichtige Voraussetzung, da z.B. chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder Colitis ulcerosa ebenfalls ein sehr hohes, vielleicht sogar höheres Sterberisiko unter der Infektion zeigen.

Was bedeutet das Ergebnis für das weitere Vorgehen beim metastasierten Magenkarzinom?
Bei aller Vorsicht sollten Patienten nicht zu sehr beunruhigt werden, da auch erste andere Daten zur SARS-CoV-2-Infektion bei Patienten mit soliden Tumoren keine massiv erhöhte Sterblichkeit zeigen. In der Praxis gibt es gerade beim Magenkarzinom Patienten mit stabiler Erkrankung unter Chemotherapie, jedoch ohne Lungenmetastasen oder reduziertem Allgemeinzustand. Immunaktivierende Medikamente wie Checkpoint-Inhibitoren könnten die COVID-Erkrankung jedoch deutlich verschlechtern.
 
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