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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
15. Dezember 2020
Seite 1/3

„Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!“

Statement von Prof. Dr. med. Marie von Lilienfeld-Toal, Stellvertretende Klinikdirektorin, Universitätsklinikum Jena.
Ich möchte mit meinem Motto beginnen, das lautet: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!“ Das ist für mich auch die wichtigste Botschaft für Ärztinnen. Damit meine ich, dass man nicht immer zu lange über etwas nachdenken, sondern es eben tun sollte. Das Motto nimmt die weibliche Neigung zum Perfektionismus, zum langen Überlegen und Abwägen aufs Korn und soll Mut machen, sich zu trauen und tätig zu werden. Es illustriert aber auch die Tatsache, dass pures Angeben, Schaukämpfe und Schaumschlagen letztlich nicht zu Ergebnissen und Fortschritt beitragen. Für Frauen bedeutet das, ihre statistisch häufigen Eigenschaften des fleißigen Abarbeitens, Zuhörens und Problemlösens wertzuschätzen als das, was sie sind: Tätigkeit, die Ergebnisse ermöglicht.
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Marie von Lilienfeld-Toal
Prof. Dr. med.
Marie von Lilienfeld-Toal

Mein Werdegang

Ich habe mir überlegt, was denn die Punkte sind, die den Unterschied gemacht haben, d.h., welche Momente es waren, die dazu beigetragen haben, dass es für mich vorwärts gegangen ist.

Ich bin mit 16 Jahren auf das UWC Atlantic College in Wales, Großbritannien, gegangen. Das war wahrscheinlich eines der wichtigsten Ereignisse in meinem Leben: aufzubrechen und woanders hinzugehen. Das internationale Flair und dazu eine Pädagogik, die vor allem im Blick hat, die Schülerinnen und Schüler zu fördern und zu zeigen, dass sie wirklich etwas können, haben mir sehr viel eröffnet und mir auch viel Selbstbewusstsein gegeben. Mein Horizont hat sich dadurch erweitert, und ich glaube, dieser Aufbruch in diese Atmosphäre war ein ganz zentraler Punkt in meinem Leben.

Aber auch ein weiterer Aspekt im internationalen College hat mich, auch wenn es mir erst viel später bewusst wurde, nachhaltig geprägt: die interessante und fruchtbare Erfahrung, mit den unterschiedlichsten Menschen der ganzen Welt zusammen zu leben. Es war sozusagen eine erste Begegnung mit Diversität.

Damals war ich sehr beeindruckt von intellektuellen und hochgeistigen Persönlichkeiten wie Virginia Woolf und Hannah Arendt. In meinem letzten Schuljahr ist mir aber klar geworden, dass ich einen akademischen Beruf ergreifen möchte, in dem man auch Hand anlegen kann. Hier kam mir die Medizin entgegen, und ich fasste den Entschluss, Ärztin zu werden.

Ich habe in Lübeck, Bristol und Bonn Medizin studiert, also nicht nur in Deutschland, sondern bin erneut ins Ausland gegangen. Auch die Famulaturen habe ich dafür genutzt, mich zu bewegen. Ich war u.a. in Österreich, Russland und den Vereinigten Staaten. Ich habe es bereits als Medizinstudentin als sehr großes Privileg empfunden, dass man sofort am Leben der Menschen teilhaben kann und sozusagen „mittendrin“ im Geschehen ist.

Auch Mentoring fand statt

In Bonn habe ich angefangen, als Ärztin zu arbeiten. Hier war mein damaliger Stationsarzt ein ganz wichtiger Mentor für mich. Von ihm habe ich sehr viel über klinische Forschung gelernt, und wir tauschen uns immer noch intensiv aus.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis war die Wahl meiner Fachrichtung. Ich wusste zunächst nicht, in welchem Fach ich arbeiten möchte und war mir bei der Hämatologie nicht sicher. Doch irgendwann dachte ich: Ich mache das jetzt trotzdem, nach dem Motto: „Wenn man es nicht ausprobiert, es nicht einfach macht, dann kommt man auch nicht weiter.“ Damit möchte ich auch meine jüngeren Kolleginnen ermutigen, es einfach zu tun. So ist es auch mit der Entwicklung eigener Schwerpunkte und Forschungsthemen. Manchmal muss man es einfach machen.

Als Assistenzärztin in der Hämatologie habe ich meinen ersten Forschungsantrag geschrieben. Das fand außerhalb vom Mentoring meines Stationsarztes statt, da dieser nicht in der Laborforschung tätig war. Ich war also, so kann man sagen, in einem „Mentor-freien“ Raum und musste mich selbst orientieren. Diesen Antrag habe ich so geschrieben, wie ich dachte, dass er eben geschrieben werden soll, sodass ihn andere gut finden und dass er z.B. dem Laborleiter gefällt. Der Antrag ging an einen externen Gutachter, der mich anrief und mich fragte: „Was wollen SIE eigentlich wirklich machen?“

Ich habe daraufhin geäußert, was ich tatsächlich herausfinden möchte und was ich viel interessanter fände. Seine Antwort war, dass ich genau das auch in den Antrag hineinschreiben soll.

Das habe ich getan, der Forschungsantrag wurde angenommen. Somit konnte ich dann die Forschung betreiben, die mich interessierte. Auch das war wieder ein Schlüsselerlebnis für mich, da mir klar wurde, dass ich eine wissenschaftliche Frage stellen kann, die es wert ist, bearbeitet zu werden und dass es um meine wissenschaftlichen Fragen geht und nicht darum, was vielleicht andere interessant finden.

 

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