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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. November 2020
Seite 1/4
CME – Teil 1 – DLBCL: Therapieoptionen bei älteren Patienten

K. Hohloch1, 2, F. Zettl3. 1Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Abteilung Hämatologie und Onkologie, Göttingen, 2Department Innere Medizin, Abteilung Hämatologie und Onkologie, Kantonsspital Graubünden, Chur, Schweiz, 3Onkologisches Zentrum Traunstein, Klinikum Traunstein

Diffus großzellige B-Zell-Lymphome (DLBCL) treten bei älteren Patienten überproportional häufig auf. Aufgrund der sich ändernden Altersstruktur in Deutschland muss daher in Zukunft mit immer mehr älteren Patienten mit aggressiven Lymphomen gerechnet werden. Lag der Anteil der > 70-Jährigen 1950 noch bei 6% und der der > 80-Jährigen bei 1%, liegt in der Alterspyramide von 2020 der Anteil der > 70-Jährigen bei 16% und bei > 80-Jährigen bei 7%. Die Therapieentscheidung, ob ein palliatives oder kuratives Konzept verfolgt werden soll, ist bei älteren Patienten mit DLBCL oft schwierig und hängt neben Begleiterkrankungen auch von psychischen, sozialen (Umgebung, Betreuung) und Behandler-bedingten Faktoren ab. Im Gegensatz zu anderen lymphatischen Neoplasien wie z.B. der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) oder dem Multiplen Myelom, wo sich enorme Fortschritte durch neue Therapieansätze in den letzten Jahren gezeigt haben, konnten bei den aggressiven Lymphomen, insbesondere bei den älteren Patienten, keine wesentlichen Verbesserungen im Ansprechen (ORR) und Gesamtüberleben (OS) erreicht werden (1).
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Um alle Fragen des CME-Tests beantworten zu können, lesen Sie dazu auch folgenden Artikel:
CME – Teil 2 – Aktuelle Therapiestandards der CLL


Epidemiologie

Die aggressiven DLBCL sind eine Erkrankung des höheren Lebensalters und machen mit 37% die größte Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) aus. Die meisten Patienten mit NHL erkranken zwischen dem 65.-74. Lebensjahr, Männer etwas häufiger (Frauen mit median 72 Jahren, Männer mit 70 Jahren). Die Inzidenz aggressiver Lymphome beträgt 6 Fälle pro 100.000/Jahr. Die altersspezifische Inzidenz für > 80-Jährige liegt allerdings bei 40 pro 100.000/Jahr (2). Das OS bei den DLBCL zeigt eine klare Altersabhängigkeit: Jüngere Patienten haben abhängig von Stadium und Prognosefaktoren ein relativ gutes 5-Jahres-OS von ca. 60-80%, bei Patienten über 70 Jahren liegt dieses nur noch bei 40-50% (3-6).
Besonderheiten bei älteren Patienten
Die Ursachen für die schlechtere Prognose älterer Patienten sind multifaktoriell. So treten häufiger DLBCL-Subtypen mit schlechterer Prognose (z.B. activated B-cell (ABC)-Subtyp, EBV-assoziiertes DLBCL) auf (7, 8). Zusätzlich sind ältere Patienten vulnerabler als jüngere Patienten, durch eingeschränkte physiologische Reserven, insbesondere eingeschränkte Knochenmarkreserve aber auch durch den physiologischen altersbedingten Parenchymverlust z.B. der Niere, unterschiedliche Pharmakokinetik (Resorption, Verteilung und Metabolisierung von Chemotherapeutika im Vergleich zu jüngeren Patienten (9)), eine höhere therapieassoziierte Mortalität und häufiger vorliegende Komorbiditäten (10, 11). Ist aufgrund von Komorbiditäten keine Standardtherapie möglich, sind die OS-Raten noch schlechter (12-14). Da es nur wenige randomisierte Studien in diesem Patientenkollektiv gibt, fehlen zusätzlich akzeptierte Standardtherapien. Häufig werden ältere Patienten mit DLBCL nicht adäquat bzw. gar nicht therapiert. Eine englische Studie konnte zeigen, dass Patienten > 80 Jahre in 20%, Patienten > 85 Jahre in 35% der Fälle keine krankheitsspezifische Therapie bei DLBCL erhalten haben (15). Eine neuere, dänische Kohortenstudie zeigt ähnliche Ergebnisse, nur bei 32% aller Patienten > 85 Jahre mit DLBCL wurde eine Kombinationstherapie mit einem Anti-CD20-Antikörper und Chemotherapie eingeleitet (16).
 
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