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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. April 2020 Diagnose und Therapie von Eisenmangel bei Tumorpatienten häufig ungenügend

Die Diagnostik und Behandlung von Eisenmangel und Eisenmangelanämie müssen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit erfahren und die Empfehlungen der nationalen und internationalen Leitlinien umgesetzt werden, so die einhellige Meinung der Onkologen bei einem Expertengespräch auf dem DKK. Wichtigster Parameter für die Überwachung des Eisenstoffwechsels ist die Transferrinsättigung (TSAT), eine effiziente Therapiemaßnahme bei Krebspatienten mit Eisenmangel ist die i.v.-Eisensubstitution mit Eisencarboxymaltose (ferinject®).
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Sowohl die Tumorerkrankung, die zu einer Tumoranämie im Sinne einer Anämie bei chronischer Erkrankung führt und mit einem relativen Erythropoetinmangel und einer Eisenverwertungsstörung einhergeht, als auch Ernährungsdefizite und die Tumortherapie können zu einer Anämie bei Krebspatienten führen. Je nach Tumorentität leiden knapp zwei Drittel der onkologischen Patienten an Eisenmangel, bei etwa einem Drittel kommt es zu einer Eisenmangelanämie (1). „Die Anämie reduziert nicht nur die ohnehin beeinträchtigte Lebensqualität unserer Krebspatienten weiter, sondern sie hat auch negative Folgen für die Wirksamkeit der Therapie und den Verlauf der Krebserkrankung“, konstatierte Prof. Dr. Fuat Oduncu, München. Prof. Dr. Hans Tesch, Frankfurt/Main, verwies auf die Leitlinien der ESMO (2) sowie die deutsche S3-Leitlinie Supportive Therapie (3) und ihre Kriterien zu Diagnostik und Therapie. Dr. Georg Heinrich, Fürstenwalde, und Dr. H. Tilman Steinmetz, Köln, betonten die Schlüsselrolle der TSAT. Ein funktioneller Eisenmangel (gekennzeichnet durch eine eisendefizitäre Hämatopoese) besteht bei einer TSAT < 20% und einem Serum-Ferritin > 30-800 ng/ml. Bei einer TSAT < 20% und einem Hb < 12 g/dl (Frauen) bzw. < 13 g/dl (Männer) und einem Serum-Ferritinwert < 100 ng/ml liegt bei Tumorpatienten eine Eisenmangelanämie, also ein absoluter Eisenmangel, vor. Beim funktionellen Eisenmangel kann durch die Hochregulierung von Hepcidin das Eisen nicht aus den Speichern mobilisiert werden. „Durch die Erhöhung des Hepcidins bei Tumorpatienten ist die intestinale Eisenresorption gehemmt und eine orale Eisentherapie wirkungslos“, erinnerte Prof. Dr. Hartmut Link, Kaiserslautern, der auch betonte, dass in Deutschland zu häufig Erythrozytenkonzentrate eingesetzt würden. Transfusionen sollten in der Anämietherapie nach Meinung der Experten möglichst vermieden werden, sie erhöhten Morbidität und die Verweildauer im Krankenhaus. Es gelte, Eisenmangel bei Krebspatienten früh zu erkennen und richtig zu behandeln, so das Plädoyer der Onkologen. Die Patienten profitierten enorm, auch Fatigue lasse sich so positiv beeinflussen.

Mascha Pömmerl

Quelle: Experten-Talk „Eisenmangel bei Tumorpatienten behandeln? 5 Experten – 5 Botschaften“, DKK, 21.02.2020, Berlin; Veranstalter: Vifor Pharma

Literatur:

(1) Ludwig H et al. Ann Oncol 2013;24:1886-92.
(2) Aapro M et al. Ann Oncol 2018;29(Suppl 4): iv96-iv110.
(3) S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. Version 1.3 Februar 2020, abrufbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Supportivtherapie/LL_Supportiv_Langversion_1.3.pdf (Letzter Zugriff: 11.03.2020).


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