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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Juni 2020 ASCO-Statement: Aspekte aus der Neuroonkologie

Prof. Dr. Wolfgang Wick, Heidelberg

„Practice changing trials wurden auf dem virtuellen ASCO 2020 nicht vorgestellt. Herausragende Aspekte betreffen die erste Vorstellung einer Subgruppe der molekularen Präzisionstherapie von Meningeomen, die von Frau Brastianos aus Boston präsentiert wurde. In dieser Studie (NCT02523014) wurden insgesamt 36 Patienten in eine durch die NF2-Mutation charakterisierte Gruppe eingeschlossen und mit einem FAK-Hemmstoff (GSK 2256098) behandelt. In Abhängigkeit vom WHO-Grad zeigten Grad-I-Patienten eine Stabilität nach 6 Monaten von 83% und Patienten mit Grad-II- und -III-Meningeomen von 33%. Die Autoren kommen trotz der fehlenden Kontrollgruppe zu dem Schluss, dass die Studie erfolgreich war. Das primäre Studienziel wurde erreicht (1).
Ebenfalls unkontrolliert, aber interessant zeigten sich die Daten für AG881, einen Hemmstoff für mutiertes IDH1 und IDH2. Herr Mellinghoff stellte Daten einer intensiv vorbehandelten Patientenpopulation mit Gliomen ohne Kontrastmittelaufnahme vor. In dieser Population zeigte sich die Progressionsfreiheit nach 2 Jahren für eine Gruppe von mehr als 60% der Patienten (2).

Selbstverständlich halte ich auch die eigenen vorgestellten Arbeiten für attraktiv. Die Immuntherapiestudie, bei der das orale gegen VEGFR2-gerichtete Vakzin mit Avelumab kombiniert wurde, zeigte ebenfalls objektives Ansprechen und vielversprechende längerfristige Stabilisierung. Auch diese Studie benötigt wie die vorgenannten Konzepte Bestätigungen in größeren kontrollierten Arbeiten (3).

Eine Studie zu primären ZNS-Lymphomen ergab Hinweise für Effektivität von Temozolomid für Patienten mit einer Neudiagnose zusätzlich zu einer Ganzhirnbestrahlung und vorher durchgeführter Hochdosis-Methotrexat-Therapie (4). Nachdem die Ganzhirnbestrahlung nicht mehr zum europäischen Therapiestandard gehört, bleibt die Übertragbarkeit dieser Daten zu zeigen. Möglicherweise lässt sich auch für primäre ZNS-Lymphome und die Behandlung mit Alkylantien O6-Methylguanin-DNA-Methyltransferase (MGMT) als Biomarker etablieren.“

Literatur:

(1) Brastianos PK et al. ASCO20 virtual, Abstract 2502.
(2) Mellinghoff IK et al. ASCO20 virtual, Abstract 2504.
(3) Wick W et al. ASCO20 virtual, Abstract 3001.
(4) Mishima K et al. ASCO20 virtual, Abstract 2500.


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