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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
26. April 2021

AGSMO-Jahreskongress 2021

Auf dem diesjährigen, erstmalig digitalen Jahreskongress der Arbeits­gemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) wurde der aktuelle Stand des Wissens im Hinblick auf supportive Maßnahmen vorgestellt, welche heutzutage fester und selbstverständlicher Bestandteil von onkologischen Therapiekonzepten sind. Zu den Hauptthemen zählten neue Leitlinien und Substanzen sowie der Trend zur Digitalisierung in der Medizin. Die AGSMO ist eine der federführenden Fachgesellschaften der S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, die seit November 2016 zur Verfügung steht.

Überarbeitung der S3-Leitlinie Supportive Therapie

Ab Sommer 2021 wird die Leitlinie unter der Koordination von Prof. Dr. Karin Jordan, Heidelberg, und Dr. Franziska Jahn, Halle, komplett überarbeitet. Die geplante Projektdauer beträgt 2 Jahre, „eine optimistische Planung“, wie Jahn anmerkte. Zur Aktualisierung kommt die Erweiterung der Leitlinie mit einigen neuen Themen, die vorab mit einer Online-Umfrage ermittelt wurden. Die bisher 10 supportive Themenkomplexe umfassende Leitlinie wird nun um die Themen autoimmune Erkrankungen als Nebenwirkungen, Kardiotoxizität, zentrale Neurotoxizität und radiogene Nebenwirkungen am Urogenitaltrakt erweitert. 133 Schlüssel­fragen für die neuen Themen wurden bereits formuliert.

Neue ESMO-Guidelines

Jordan stellte einige neue internationale Leitlinien zu supportiven Themen der European Society for Medical Oncology (ESMO) vor, mit der die AGSMO eng vernetzt ist. So erschienen 2020 die ESMO-EONS-EANO-Guidelines zur Therapie-induzierten peripheren und zentralen Neurotoxizität (1). „Wir haben nach wie vor keine Möglichkeit der medikamentösen Prophylaxe“, betonte Jordan. Zur Therapie der Neurotoxizität sollte als einzige Substanz Duloxetin erwogen werden. Weitere neu veröffentlichte ESMO-Clinical Practice Guidelines umfassen die Leitlinien zur Knochengesundheit (2), zur Fertilitätspreservation (3) und zu dermatologischen Toxizitäten (4).

PARP- und CDK4/6-Inhibitoren: Hämato- und GI-Toxizität

Zu den neuen Substanzen, denen auf dem Kongress besonderes Augenmerk zuteil wurde, gehörten PARP- und CDK4/6-Inhibitoren. Beide Substanzklassen führen häufig zu hämatologischen Nebenwirkungen, die v.a. früh nach Behandlungsbeginn auftreten und sich im Verlauf erholen. „Im Unterschied zur Chemotherapie ist unter CDK4/6-Inhibitoren kein G-CSF-Support notwendig, die Neutropenierate nimmt von Zyklus zu Zyklus ab“, sagte PD Dr. Georgia Schilling, Westerland und Hamburg. Meist nur geringgradige Nausea ist eine häufige Nebenwirkung der PARP-Inhibitoren, wobei Übelkeit für die Betroffenen immer belastend sei, erinnerte Schilling. Niraparib kann 1x täglich zur Nacht genommen werden, die 2x tägliche Einnahme von Olaparib und Rucaparib sollte nicht auf nüchternen Magen und mit prophylaktischem 5-HT3-Rezeptorantagonisten erfolgen, so Schilling.

Im Kommen: Digitalisierung

Die Keynote Lecture des Kongresses widmete sich der Bedeutung der Digitalisierung in Medizin und Supportivtherapie. Als Querschnittsthema könne Supportive Care der unausweichlichen Entwicklung zu Digital Healthcare nicht entgehen, konstatierte Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg. Von großer und ständig wachsender Bedeutung in der Onkologie sei Künstliche Intelligenz (KI) und Deep Learning, die z.B. in der Dermatologie maligne Läsionen mit einer ebenso hohen Treffsicherheit erkennen wie ein erfahrener Dermatologe. Overkamp: „Die KI steht hier auf Augenhöhe mit sehr viel ärztlicher Erfahrung.“ Auch in Radio­logie, Pathologie und bei Endoskopien wird KI bereits erfolgreich eingesetzt.

KI als helfendes Tool und Roboter-assistierte Medizin

Dass auch supportivmedizinische Optionen von KI vorhergesagt würden, sei abzusehen, meinte Overkamp. Dabei sei es essenziell, für den Einsatz von KI ebenso hart auf Studiendaten zu schauen wie bei der Zulassung von Medikamenten. Die Entwicklung wirft auch eine Reihe von Fragen auf, u.a. zur menschlichen Beziehung zwischen Arzt und Patient. Entscheidend bleibe die zwischenmenschliche Kommunikation, so Prof. Dr. Hartmut Link, Kaiserslautern. „Nur korrekte Informationen zu vermitteln, reicht nicht, das weiß jeder, der in der Medizin tätig ist.“ Auch Overkamp betonte die Rolle der neuen Möglichkeiten als unterstützende Tools. Er sei sich jedoch sicher, dass „in Zukunft Dinge wie Blutabnahmen oder Verbandswechseln an Roboter delegiert werden – auch wenn Patienten lieber von Menschen versorgt werden würden.“

Mascha Pömmerl

Quelle: AGSMO-Jahreskongress 2021 „Supportive Therapie bei Krebs“, Digital, 06.03.2021

Literatur:

(1) Jordan B et al. Ann Oncol 2020;31:1306-19.
(2) Coleman R et al. Ann Oncol 2020;31:1650-63.
(3) Lambertini M et al. Ann Oncol 2020;31:1664-78.
(4) Lacouture ME et al. Ann Oncol 2021;32:157-70.


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