Donnerstag, 14. November 2019
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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Oktober 2019 Vision Zero in der Onkologie

Interview mit Dr. Michael May, Country Medical Director Germany für Bristol-Myers Squibb (BMS) in Deutschland.

Vision Zero ist ursprünglich ein schwedisches Straßenverkehrskonzept aus den 1970er Jahren, mit dem sich verkehrsbedingte Todesfälle um bis zu 90% reduzieren ließen. „Diese Vision soll sich auch in der Onkologie etablieren“, erläuterte Dr. Michael May, Bristol-Myers Squibb (BMS), Vorstandsmitglied der BMS Stiftung Immunonkologie, im Gespräch mit JOURNAL ONKOLOGIE. „Das zentrale Anliegen ist es, keinen Todesfall durch Krebs mehr zu akzeptieren.“
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Micheal May
JOURNAL ONKOLOGIE: Keine Todesfälle durch Krebs in 20 Jahren mehr – ist das nicht ein unrealistisches Ziel?

Dr. May:
Das Ziel kann bei einigen Tumoren schneller erreicht werden als bei anderen. Es hängt natürlich auch immer von der Pathologie des Tumors ab; so wurden in der Krebstherapie des Melanoms signifikante Fortschritte erreicht, wodurch die Aussichten dafür entsprechend besser sind als beispielsweise bei aggressiven Krebsarten wie dem Pankreaskarzinom. Die Krebsforschung ist hier gefordert, um neue, individuell präzise Therapiekonzepte sowie gezielte Maßnahmen zur Früherkennung zu entwickeln und auszubauen. Ein Anliegen von Vision Zero ist, dass mehr Mittel in die Forschung fließen, um die Versorgungsforschung voranzutreiben sowie Aktivitäten zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen besser zu unterstützen. Dabei spielt auch die forschende Pharmaindus-trie eine wichtige Rolle, die zahlreiche Forschungsideen von akademischen Institutionen fördert. Wenn wir sagen, dass wir keinen einzigen Krebstod mehr akzeptieren, dann ist das nur mit ausreichend finanziellen Mitteln möglich. Vor einigen Monaten ist ein nationaler Masterplan verabschiedet worden, die „Nationale Dekade gegen Krebs“ – initiiert vom Bundesforschungs- sowie dem Bundesgesundheitsministerium. Viele Akteure unterstützen diesen Plan, u.a. auch der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa). Das Konzept hat bereits auf verschiedenen Ebenen einen hohen Stellenwert. In den nächs-ten Monaten werden konkrete Projekte definiert. Es passiert also viel in diesem Bereich.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Forschungsprojekte unterstützt Ihr -Unternehmen?

Dr. May:
Neben der Erforschung und Entwicklung von innovativen Medikamenten unterstützt Bristol-Myers Squibb zahlreiche Netzwerkaktivitäten und engagiert sich bei der Umsetzung von Forschungsprojekten gemeinsam mit verschiedenen akademischen Institutionen. So haben wir bereits 2012 eines der ersten internationalen Netzwerke auf dem Gebiet der Immun-onkologie, das International Immuno-Oncology Network (II-ON), gegründet. Es zielt darauf ab, die Forschung in der Immunonkologie voranzutreiben und neu gewonnene Erkenntnisse im Rahmen der Translationsmedizin möglichst zeitnah in die klinische Praxis zu übertragen. Auf den Erfolgen des II-ON aufbauend haben wir 2016 die Global Expert Centers Initiative (GECI) gegründet. Der Fokus liegt hier auf Europa und insbesondere Deutschland. Ziele von GECI sind unter anderem, die Forschung in der Onkologie zu beschleunigen und den Austausch in der Forschergemeinde zu stärken. Dazu arbeitet Bristol-Myers Squibb mit internationalen Spitzenzentren zusammen. Viele der Kooperationen konzentrieren sich auf die frühen Phasen der Medikamentenentwicklung und die Identifizierung von neuen Biomarkern für präzise Therapieansätze.

 
Bristol-Myers Squibb Stiftung Immunonkologie

Bristol-Myers Squibb hat 2016 die unabhängige „Stiftung Immun-onkologie“ gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebensqualität von Patienten mit Krebserkrankungen generell zu verbessern. Die Stiftung unterstützt Projekte außerhalb von klinischen Studien. So hat etwa das Universitätsklinikum Erlangen für den Aufbau eines Online-Registers für immunvermittelte Nebenwirkungen eine Förderung erhalten (www.ccc.uk-erlangen.de/hautkrebszentrum/aktuelles/nachrichten/detail/nebenwirkungen-besser-verstehen-lebensqualitaet-verbessern). Projekte in der Kinderheilkunde, die im Zusammenhang mit Krebserkrankungen stehen, sollen ebenfalls unterstützt werden. Mehr Informationen über Förderrichtlinien und bereits geförderte Projekte können unter https://www.stiftung-io.org/ eingesehen werden.


JOURNAL ONKOLOGIE: Rückt die Heilung von Krebs somit in greifbare Nähe?

Dr. May:
Was wir in den vergangenen 10 Jahren in der Entwicklung von innovativen Wirkansätzen – gerade in der Krebstherapie – gesehen haben, ist einzigartig. Wir sind Pionier in der Entwicklung von Checkpoint-Inhibitoren und konnten diese immunonkologisch wirksamen Substanzen bereits zahlreichen Patienten für die Therapie des fortgeschrittenen Melanoms und weiterer Tumorarten zur Verfügung stellen. Gerade bei der Behandlung des Melanoms wurden in den vergangenen Jahren sehr deutliche Fortschritte erzielt. Vor einem Jahrzehnt betrugen die 5-Jahres-Überlebensraten nur bis zu 10%, gegenwärtig liegen sie teilweise um ein Vielfaches höher. Hier werden mittlerweile häufig Kombinationstherapien aus verschiedenen immunonkologischen Substanzen bzw. zielgerichteten Therapien eingesetzt. Viele Patienten profitieren langfristig von den Therapien, und auch zur adjuvanten Behandlung des Melanoms gibt es inzwischen Zulassungen. Für die Patienten ist das ein großer zukunftsweisender Schritt – immer verbunden mit der Chance auf Heilung. In diesem Zusammenhang spielen auch die Digitalisierung in der Medizin und der Einsatz künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle. Gerade beim Melanom können diese eine wertvolle Unterstützung sein, zum Beispiel mit innovativen bildgebenden Verfahren, die viel genauer als in der Vergangenheit bereits in relativ frühen Stadien der Erkrankung z.B. Pigmentveränderungen erkennen können. Diese Möglichkeiten können letztlich zu einer besseren Verlaufskontrolle und damit zu einer Reduzierung der Tumorgenese beitragen.

Um weitere Fortschritte bei den therapeutischen Ansätzen in der Onkologie zu ermöglichen, braucht es die weitreichende Vernetzung von Universitäten, forschenden Institutionen und der Pharmaindustrie, um gemeinsam eine drastische Senkung der Todesfälle und letztlich die angestrebte „Vision Zero“ zu erreichen.


Vielen Dank für das Gespräch!

(ab)


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