Samstag, 28. März 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2018
Seite 1/2
Überraschende Ergebnisse zur Operation des Zervixkarzinoms in Frühstadien

SGO-Kongress – Teil III

Die Jahrestagung der Society of Gynecologic Oncology (SGO) – Annual Meeting on Women’s Cancer – ist der weltweit größte Kongress, der sich ausschließlich der gynäkologischen Onkologie widmet. In diesem Jahr fand er vom 24. bis 26. März in New Orleans statt. Obwohl es insgesamt eine USA-dominierte Veranstaltung ist, wird der Kongress von Jahr zu Jahr internationaler und auch deutsche Referenten und Teilnehmer werden in das Programm eingebunden. In diesem Jahr mangelte es zwar an großen Phase-III-Studiendaten zur systemischen Therapie, aber es gab dennoch -interessante neue Erkenntnisse. Das Highlight waren überraschende Ergebnisse zur Operation des Zervixkarzinoms in Frühstadien. In der „Late Breaking Abstracts“-Sitzung am Montag wurden dazu 2 Studien vorgestellt, die die Zuhörer aufschreckten.
Anzeige:
In der letzten Dekade hat die minimalinvasive Operation des Zervixkarzinoms sowohl in USA als auch in Deutschland stark zugenommen. In den USA erfolgt heute etwa die Hälfte der Hysterektomien minimalinvasiv, während die Anzahl konventioneller offener Laparatomien stetig abnimmt. Pedro T. Ramirez, MD Anderson Cancer Center Houston, Texas, USA, präsentierte Daten der ersten großen Studie, die beide Vorgehensweisen prospektiv verglichen hatte (1). Womit niemand gerechnet hatte: das krankheitsfreie Überleben nach minimal-invasivem Vorgehen war signifikant schlechter als nach offener Laparatomie.

Direkt im Anschluss zeigte Jose Alejandro Rauh-Hain, ebenfalls MD -Anderson Cancer Center, retrospektive Beobachtungsdaten von 2.221 Patientinnen aus der National Cancer Database auf, die zwischen 2010-2012 mit einem Zervixkarzinom im Stadium 1A2 oder 1B1 in einem amerikanischen Krankenhaus stationär aufgenommen und mit radikaler Hysterektomie und pelviner Lymphadenektomie operiert wurden (2). Auch diese Untersuchung fand ein signifikant schlechteres Überleben für diejenigen Patientinnen, die minimalinvasiv operiert wurden.

Beide Untersucher zeigten sich von ihren eigenen Ergebnissen überrascht. Niemand hatte damit gerechnet, dass die Ergebnisse des minimalinvasiven Vorgehens – ob laparaskopisch oder Roboter-assistiert – schlechter sein könnten als die offene Operation, denn frühere Studien bei anderen Tumor-entitäten wie Endometriumkarzinom, Magenkarzinom oder Ovarialkarzinom hatten keine Unterschiede für Rezidiv-rate und Überleben gezeigt. Dies führte zur Annahme, dass dies auch für das Zervixkarzinom gelten müsse.

Die Studie „Laparoscopic Approach to Cervical Cancer” (LACC, ClinicalTrials.gov Identifier: NCT00614211) wurde an 33 Zentren in 12 Ländern durchgeführt, darunter 6 in den USA, weitere in Australien, Südamerika, und Asien sowie 5 in Europa (Italien, Bulgarien). Deutsche Zentren nahmen nicht teil. Im Zeitraum 2008 bis 2017 wurden Patientinnen mit Zervixkarzinomen in den Stadien 1A1, 1A2, oder 1B1 eingeschlossen, die randomisiert entweder eine minimalinvasive (MIS) oder eine offene radikale Hysterektomie erhielten. Jedes teilnehmende Zentrum musste eine vollständige Falldokumentation für 10 Patienten und unbearbeitete chirurgische Videos von 2 Patienten, die sich zuvor einer minimalinvasiven radikalen Hysterektomie unterzogen hatten, an ein Prüfungskomitee senden, um das lokale Können bei MIS zu dokumentieren. Ursprünglich sollten 740 Patientinnen eingeschlossen werden, um Non-inferiority zu demonstrieren, jedoch nach 631 rekrutierten Patientinnen wurde die Studie gestoppt, weil bereits nach 2,5 Jahren anstelle des geplanten 4,5-Jahres-Follow-up das negative Outcome identifiziert wurde. Das 4,5-Jahres-Follow-up wurde bei etwa 39% der Patientinnen erreicht. 88% der 312 Patientinnen, die in den Laparatomie-Arm randomisiert wurden, wurden operiert, bei den 319 Patientinnen im MIS-Arm waren es 91%, wobei 16% der MIS-Verfahren Roboter-assistiert durchgeführt wurden.
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden
© kras99 / fotolia.com

Die Entwicklung von Systemen mit Künstlicher Intelligenz geht rasend schnell voran – auch in der Medizin. 2017 hat in China mit dem kleinen Roboter-Arzt „Xiaoyi“ erstmals ein System mit Künstlicher Intelligenz das ärztliche Examen bestand. Auch die Früherkennung von Darmkrebs könnte in Zukunft durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbessert werden. In aktuellen Untersuchungen konnten die lernfähigen Systeme mit hoher Genauigkeit...

Gebärmutterhalskrebs verhindern

Gebärmutterhalskrebs verhindern
© farland9 / Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs kann durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Papillomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren, mit denen sich rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens infizieren. In der Regel erkennt das Immunsystem die Infektion, so dass diese meistens innerhalb von zirka 24 Monaten unbemerkt ausheilt. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gerd-Henrik Griesser, Facharzt für Pathologie in Köln,...

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Überraschende Ergebnisse zur Operation des Zervixkarzinoms in Frühstadien"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden