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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

10. September 2018
Seite 1/4
Tuberöse Sklerose Complex

M. Sauter, TSC-Spezialambulanz am Klinikum Kempten.

Tuberöse Sklerose ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die zu einer Vielzahl meist tumoröser Veränderungen in unterschiedlichsten Organsystemen führt. Sie stellt eine Modellerkrankung für die Überaktivität des „mechanistic Target Of Rapamycin“ (mTOR)-Pathways dar. Durch die Verfügbarkeit potenter Inhibitoren des deregulierten Zielmoleküls bieten sich therapeutische Ansatzpunkte, die bereits zu verschiedenen Zulassungen geführt haben. Im folgenden Artikel werden die Erwachsenen-medizinischen Aspekte der Erkrankung in den Fokus gestellt. Einen besonderen Schwerpunkt bilden hierbei aktuelle Konzepte von Surveillance und Therapie.
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Tuberöse Sklerose Complex (TSC) ist eine genetisch bedingte Erkrankung mit autosomal-dominantem Erbgang. Mutationen in einem von 2 Genen (TSC1 auf Chromosom 9 und TSC2 auf Chromosom 16) führen in ers-ter Linie zu tumorösen Veränderungen in einer Vielzahl von Organsystemen. Molekularpathologisch kommt es hierbei zu einer Überaktivierung des zentralen Regulatormoleküls mTOR durch Wegfall des inhibierenden Komplexes aus TSC1- und TSC2-Genprodukt. Durch die Verfügbarkeit von potenten Inhibitoren des deregulierten Zielmoleküls bieten sich interessante therapeutische Ansatzpunkte, die bereits zu Zulassungen geführt haben. Dies ist umso bemerkenswerter, als es sich bei TSC um eine seltene Erkrankung handelt (definiert z.B. nach EU-Kriterien, die eine Erkrankung bei einer Prävalenz kleiner 1:2.000 als selten einordnen). Die Prävalenz der TSC wird in der Literatur mit 1:20.000 (1) angegeben. Eine kürzlich veröffentlichte Arbeit beschreibt eine jährliche Inzidenz von 1:12.300 Lebendgeburten in Deutschland unter Nutzung der Erhebungseinheit für Seltene Pädiatrische Erkrankungen in Deutschland (ESPED) (2). Diese Zahl stellt aber sicher nur eine grobe Annäherung an die Realität dar, da bedingt durch die hohe klinische Variabilität ein relevanter Anteil von TSC-Patienten erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird.
 
 
Diagnose
 
Die Diagnosestellung erfolgt typischerweise anhand des Zusammentreffens klinischer Kriterien im Sinne eines Symptomkatalogs. In der letzten Konsensuskonferenz wurden die Dia-gnosekriterien um eine genetische Dimension erweitert: So kann die Diagnose formal nun auch bei Nachweis einer gesichert pathogenen Mutation in einem der 2 verantwortlichen Gene gestellt werden. Die klinischen Diagnosekriterien werden dadurch jedoch nicht überflüssig, da mit konventioneller molekulargenetischer Diagnostik bei 10-25% der klinisch gesichert erkrankten Patienten keine Mutation identifiziert wird (3). Tabelle 1 gibt einen Überblick über die modifizierten, aktuell gültigen Diagnosekriterien.
 
Tab. 1: Aktuelle diagnostische Kriterien (mod. nach (3)).
Genetisches Diagnosekriterium: Die Identifikation einer pathogenen Mutation im TSC1 oder TSC2
aus der DNA von normalem (gesunden) Gewebe ist ausreichend, eine TSC sicher zu diagnostizieren.
Zur Definition einer pathogenen Mutation siehe (3).
Klinische Diagnosekriterien
  Major Minor
Haut Hypomelanotische Flecken (≥ 3, mind. 5 mm Durchmesser) „Konfetti-Haut”
Angiofibrome (≥ 3) oder fibröse Kopf-Plaque
Unguale Fibrome (≥ 2)
Pflasterstein-Nävus (Chagrin/ Shagreen patch)
Auge Multiple retinale Hamartome Retinaler achromatischer Fleck
Gehirn Kortikale Dysplasien  
Subependymale Knoten
Subependymales Riesenzellastrozytom
Herz Kardiales Rhabdomyom  
Lunge Lymphangioleiomyomatose*  
Niere Angiomyolipome (≥ 2)* Multiple Nierenzysten
auch Angiomyolipome anderer Organe zählen hier
Sonstiges   Zahnschmelz-Pits (≥ 3)
Intraorale Fibrome (≥ 2)
Nicht-renale Hamartome
Gesichert: 2 Major-Kriterien oder 1 Major-Kriterium und ≥ 2 Minor-Kriterien
Möglich: 1 Major-Kriterium oder ≥ 2 Minor-Kriterien
*Die Kombination von Angiomyolipomen und Lymphangioleiomyomatose ohne Vorliegen weiterer
Kriterien führt nicht zur gesicherten Diagnose (da diese Konstellation bei einer sporadischen
Lymphangioleiomyomatose ebenfalls vorliegen kann)
 
 
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