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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. Januar 2019
Seite 1/5
Transiente myeloproliferative Störung bei Kindern mit Down-Syndrom

M. Flasinski, J.-H. Klusmann, Pädiatrische Hämatologie/Onkologie, Medizinische Hochschule Hannover/Universitätsklinikum Halle.

Die transiente myeloproliferative Störung (TMD) ist eine Erkrankung, die ausschließlich bei Kindern mit Down-Syndrom auftritt und für die Betroffenen lebensbedrohlich sein kann. Darüber hinaus geht sie mit dem Risiko für die Entstehung einer myeloischen Leukämie (ML-DS) einher. Deshalb sollte bei jedem Kind mit Down-Syndrom innerhalb der ersten Lebenstage eine hämatologische Untersuchung stattfinden. In vergangenen Studien hat sich gezeigt, dass symptomatische Patienten von einer niedrigdosierten Cytarabin-Therapie profitieren. Bisher ist keine Möglichkeit bekannt, die Progression von der TMD zur ML-DS zu verhindern. In Zukunft wird es deshalb wichtig sein, grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse zur Pathogenese und zum Verlauf der TMD und ML-DS zur Entwicklung neuer Therapien zu nutzen.
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Fachinformation
Epidemiologie und Klassifikation
 
Kinder mit Down-Syndrom haben im Vergleich zu anderen Kindern ein deutlich erhöhtes Leukämie-Risiko (1, 2). Hierbei ist sowohl das Risiko für myeloische als auch für lymphatische Leukämien erhöht (1, 2). Etwa 5-10% dieser Kinder entwickeln innerhalb der ersten Lebensmonate eine TMD, welche ausschließlich bei Kindern mit Trisomie 21 auftritt (3, 4). Danach erkranken ungefähr 20% der Kinder mit TMD innerhalb der ersten 4 Lebensjahre an einer ML-DS (5-8). Beide sind in der aktuellen WHO-Klassifikation als myeloische Neoplasien bei Down-Syndrom gesondert berücksichtigt und überwiegend durch die Proliferation von megakaryoblastären Zellen charakterisiert (9, 10). Ihre Entstehung und ihr Verlauf sind durch die genetischen Besonderheiten bei Kindern mit Down-Syndrom bedingt. Sowohl die TMD als auch die ML-DS stellen für die Betroffenen ein erhebliches Risiko dar.
 

Molekulare Pathogenese
 
Im ersten Schritt führt die Trisomie 21 zu einer Störung der Hämatopoese (11), u.a. mit Expansion megakaryo- und erythrozytärer Zellen (11). Wenn auf dem Boden dieser gestörten Hämatopoese eine Mutation in dem hämatopoetischen Transkriptionsfaktor GATA1 auftritt, entsteht die TMD (12). Die GATA1-Mutationen resultieren in der ausschließlichen Expression eines verkürzten Proteins (GATA1s) (13). Ohne Trisomie 21 führt die GATA1-Mutation nicht zu einer TMD (14). Für einige Patienten, die zunächst eine TMD und anschließend eine ML-DS entwickelt haben, wurde dieselbe GATA1-Mutation nachgewiesen (15). Dies spricht für eine klonale Evolution von der TMD zur ML-DS durch Anhäufung zusätzlicher Mutationen – nach einer initialen Remission kann später dann eine Leukämie entstehen (16). Dieser mehrschrittige Krankheitsprozess ist in Abbildung 1 dargestellt.
 
Abb. 1: Molekulare Pathogenese der TMD und ML-DS.
Molekulare Pathogenese der TMD und ML-DS

 
 
 
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