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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Dezember 2019
Seite 1/2
Therapiemöglichkeiten der tumorassoziierten Fatigue

J. Poeck1, T. Schmidt2, C. Keinki1, J. Hübner1. 1Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin II, Jena, 2Krebszentrum Nord, CCC, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Kiel.

Tumorassoziierte Fatigue ist eine der häufigsten Nebenwirkungen von onkologischen Erkrankungen. Fatigue prägt sich in unterschiedlicher Art, Dauer und Intensität aus. Davon ist die körperliche, psychische und kognitive Ebene betroffen. Fatigue kann dabei sowohl den Alltag der Krebspatienten, die Rückkehr in die Arbeitstätigkeit als auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität beeinträchtigen. Differentialdiagnosen sollten vor der Behandlung von Fatigue ausgeschlossen werden. Für die Behandlung von Fatigue wird ein multimodales Konzept empfohlen. In der supportiven Therapie können Ernährung und körperliche Aktivität einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Fatigue leisten. Bezüglich komplementärer Behandlungsmethoden liegen eher inkonsistente Daten vor.
Hintergrund
 
Fatigue zählt zu den häufigsten kurz-, mittel- und langfristigen Nebenwirkungen von Krebserkrankungen und deren Behandlungen. Tumorassoziierte Fatigue (cancer-related Fatigue, CRF), wird als Zustand anhaltender und sehr belastender Erschöpfung definiert, die auf körperlicher, emotionaler und kognitiver Ebene ausgeprägt sein kann (1). Dieser Erschöpfungszustand kann nicht durch reguläre Erholungsmechanismen (Schlaf- oder Ruhephasen) behoben werden und steht in keinem Verhältnis zu vorhergehenden Aktivitäten. Fatigue hat multifaktorielle Ursachen und manifestiert sich in unterschiedlicher Weise (2). Symptome sind z.B. anhaltende Müdigkeit, Kraft- und Antriebslosigkeit sowie Konzentrationsstörungen. Fatigue kann vor, während oder nach einer Krebsbehandlung auftreten und über einen unterschiedlich langen Zeitraum anhalten (3). Patienten fühlen sich in ihrem alltäglichen Leben sowie auch bei der Rückkehr ins Arbeitsleben beeinträchtigt (4) und berichten von einer geringeren Lebensqualität (5). Einige Krankheitsbilder wie z.B. Somatisierungsstörungen, depressive Störungsbilder und Fibromyalgie müssen differentialdiagnostisch von Fatigue abgegrenzt werden (6). Weitere Differentialdiagnosen wie eine Anämie oder eine Hypothyreose können z.B. als Komorbiditäten oder therapiebedingt auftreten. Mischbilder können relativ häufig vorliegen. Tumorassoziierte Fatigue wird meist nur lückenhaft erfasst, ist eher unterdiagnostiziert und -behandelt (1). Für die Behandlung von Fatigue fehlt ein validiertes Behandlungskonzept (6), jedoch wird aufgrund der zahlreichen medizinischen, psychologischen und sozialen Einflussfaktoren ein multimodaler Ansatz präferiert (2). Nachfolgend werden aktuelle Erkenntnisse zu supportiven und komplementären Behandlungsmöglichkeiten erläutert.
 

Supportive Therapie
 
Im multimodalen Behandlungskonzept kristallisieren sich vor allem körperliche Aktivität und Ernährung als wichtige Bestandteile heraus. Bevor eine spezifische Behandlung für Fatigue initiiert wird, sind Differentialdiagnosen auszuschließen und z.B. eine bestehende Anämie oder Hypothyreose zuerst zu therapieren.
 

Körperliche Aktivität
 
Körperliche Aktivität erzielt positive Effekte in der Behandlung von Fatigue. So konnte eine signifikante Reduktion von Fatigue-Symptomen sowohl während einer adjuvanten Therapie als auch nach abgeschlossener Behandlung nachgewiesen werden (7, 8). Dabei erzielen verschiedene Formen körperlicher Aktivität wie z.B. aerobes Training, Krafttraining, Stretching oder Yoga diese positiven Effekte (7, 9). Mit welcher Intensität die Interventionen durchgeführt werden sollten, wird häufig diskutiert. Es wird ein inverses, nicht-lineares Dosis-Wirkungsprinzip beschrieben, da zu hohe Intensitäten Fatigue eher verschlechtern (10, 11). Deshalb sind moderate Intensitäten zu empfehlen (11, 12). Körperliche Aktivität während einer Krebstherapie führt zu einer geringeren Zunahme von Fatigue und einer Verbesserung der submaximalen kardiorespiratorischen Fitness und Muskelkraft (13). Jedoch verringert sich dieser Trainingseffekt nach Beendigung der Intervention. Lebensnahe Trainingsformen können die Motivation der Patienten stabilisieren und somit für eine nachhaltige Verbesserung der Fatigue-Symptome sorgen. Darüber hin-aus wirkt körperliche Aktivität positiv auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patienten (14, 15) und kann andere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen abmildern (13). Für das Training mit Krebspatienten sollten unter Beachtung von Komorbiditäten und erhöhten Risiken für fragile Knochen und kardiovaskuläre Erkrankungen Trainingspläne individuell erstellt und angepasst werden (16).
 

Ernährung
 
Die Art der Ernährung kann die Behandlung von Fatigue unterstützen und Symptome verringern. Nahrung mit niedrigem Fettgehalt und zugleich hohem Ballaststoffgehalt kann zu einer geringeren Ausprägung von Fatigue-Symptomen führen (17). Eine ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren zeigte eine signifikante Verbesserung von Fatigue bei Krebspatienten (18, 19).
 

Pharmakologische Therapie
 
Methylphenidat und Erythropoetin können eingesetzt werden, um Fatigue-Symptome zu verbessern (20). Allerdings darf Erythropoetin nur bei Indikation einer Anämie und in bestimmten Hb-Bereichen angewendet werden. Der Einsatz von Pharmakotherapeutika bei Fatigue ist aufgrund von Nebenwirkungen kritisch zu hinterfragen. Empfehlenswert ist es, eher Behandlungen mit geringeren Nebenwirkungen zu wählen.
Psychoonkologie
 
Wie wirksam psychosoziale und -edukative Programme Fatigue-Symptome verbessern können, lässt sich aufgrund der inkonsistenten Studienergebnisse schwer einschätzen. In der Metaanalyse von Seiler et al. (16) hatten e-Health-Angebote einen positiven Effekt auf die Fatigue der Krebspatienten. Hingegen zeigte sich in 2 systematischen Reviews keine signifikante Verbesserung der Fatigue-Symptome (21, 22). Insgesamt erschwert die große Heterogenität in den Studien (unterschiedliche Subtypen, Dauer und Intensität) Untersuchungen zur Wirksamkeit von psychosozialen Interventionen auf tumorassoziierte Symptome.
 
 
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