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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. März 2017 Telomerase – ein neues Target in der Therapie myeloischer Erkrankungen?

Bei jeder Zellteilung schrumpfen die Telomere an den Enden der Chromosomen. Das Enzym Telomerase verlängert sie wieder. Bislang wurde die Telomerase vor allem mit der Zellalterung in Verbindung gebracht: Sind die Telomere vollständig aufgebraucht, stirbt die Zelle. Doch auch Tumorzellen können eine erhöhte Telomerase-Aktivität aufweisen. Erste Untersuchungen am Menschen lassen hoffen, dass die Inhibition der Telomerase mit beispielsweise Imetelstat ein neues Target in der Krebstherapie darstellen könnte.
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Normale proliferierende hämatopoetische Vorläuferzellen regulieren ihre Telomerase-Aktivität hoch, um eine kontrollierte Proliferation zu unterstützen. Sobald sie reifen und ausdifferenzieren, geht die Aktivität des Enzyms zurück. Anders bei malignen hämatopoetischen Vorläuferzellen: Sie weisen eine kontinuierlich hohe Telomerase-Aktivität auf, die eine andauernde unkontrollierte Proliferation erlaubt.

Wird die Telomerase medikamentös inhibiert, kann den Tumorzellen eine der Grundlagen für ihre ungehemmte Teilung entzogen werden. Dass dies prinzipiell funktionieren kann, wurde auf der letzten Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) für den Telomerase-Inhibitor Imetelstat vorgestellt, wie Dr. Judith Neukirchen, Düsseldorf, auf einem Post-ASH-Presseworkshop des Unternehmens Janssen erläuterte: Imetelstat hatte in einer Pilotstudie bei Patienten mit essentieller Thrombozythämie, die auf die üblichen Therapien nicht ansprachen oder sie nicht vertrugen, einen signifikanten Effekt auf die Krankheitslast (1). Auch stimmten die Ergebnisse einer monozentrischen open-label Phase-II-Studie (2) mit 33 überwiegend vorbehandelten Patienten mit Myelofibrose vorsichtig optimistisch: 7 von ihnen sprachen auf die Therapie an, 4 davon vollständig – inklusive Reversion der Knochenmarkfibrose. Bei diesen Patienten betrug die mediane Dauer des Ansprechens 18 Monate. Die klinisch relevanteste Nebenwirkung war eine Myelosuppression, aufgrund derer bei zwei Drittel der Patienten die Dosis reduziert werden musste. Weitere Studien zu Imetelstat laufen derzeit an.

Dr. Anne Benckendorff

Quelle: Post-ASH-Presseworkshop „Aktuelles vom ASH zu neuen und bekannten Wirkstoffen von Janssen in der Hämatologie“, 07.02.2017, Frankfurt am Main; Veranstalter: Janssen

Literatur:

(1) Baerlocher GM et al. N Engl J Med 2015; 373(26):2580.
(2) Tefferi A et al. N Engl J Med 2015;373:908-19.


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