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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Oktober 2020 Polycythaemia Vera: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting

Patienten mit Polycythaemia Vera (PV) sind einem erhöhten Risiko für Morbidität und Mortalität ausgesetzt – aufgrund von thromboembolischen Ereignissen (TE) und dadurch, dass die Erkrankung in eine sekundäre akute myeloische Leukämie (sAML) oder eine sekundäre Myelofibrose (Post-PV Myelofibrose) übergehen kann. Die PV ist mit einer hohen Krankheitslast assoziiert, die die Lebensqualität betroffener Patienten häufig stark einschränkt. 30-40% der Betroffenen entwickeln eine Splenomegalie (1). Eine nicht-interventionelle Phase-IV-Beobachtungsstudie, deren Interimsdaten als e-Poster im Rahmen der virtuellen Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) 2020 präsentiert wurden (1), evaluierte Erkrankungsprofil und Krankheitslast bei Hydroxyurea (HU)-resistenten/-intoleranten PV-Patienten, die unter Alltagsbedingungen mit Ruxolitinib (Jakavi®*) behandelt wurden. Unter der Behandlung mit dem JAK-Inhibitor wurde der Hämatokrit nachhaltig gesenkt und die Phlebotomie-Unabhängigkeit der Patienten verbesserte sich deutlich.
An der Studie nehmen insgesamt 352 Patienten mit PV aus 88 Zentren in 10 europäischen Ländern teil. Primäre Endpunkte waren das Erkrankungsprofil und die Krankheitslast, sekundäre Endpunkte die Sicherheit und Wirksamkeit der Medikation. Die beim EHA vorgestellte Interimsanalyse schloss 60 Patienten im medianen Alter von 65 Jahren ein (65% ≥ 60 Jahre), die resistent oder intolerant gegenüber HU waren und unter Alltagsbedingungen mit einer Ruxolitinib-Therapie beginnen wollten oder vor max. 6 Monaten bereits damit begonnen hatten.

Entsprechend den Einschlusskriterien waren nahezu alle Patienten (98,3%) resistent/intolerant gegenüber HU. Im Mittel litten die Patienten vor Studienbeginn bereits knapp 5 Jahre an ihrer Erkrankung und hatten in ihrer Krankheitshistorie bereits Infektionen (30%) und TEs (25%) durchlebt; ferner waren im Vorfeld sekundäre Neoplasien (12%) und Blutungen (7%) aufgetreten. Zu Studienbeginn wurden bei 18% Infektionen, bei 12% sekundären Neoplasien und bei 17% TEs dokumentiert. Bei 55 Patienten wurde zu Beginn der Behandlung der Hämatokrit (HCT) bestimmt. Sechs Patienten hatten einen HCT < 40%, 25 Patienten von ≥ 40 bis ≤ 45%, 12 Patienten einen > 45 bis < 48% und weitere 12 einen von ≥ 48%. 37/60 Patienten benötigten in dem Jahr vor Beginn der Ruxolitinib-Therapie Phlebotomien, darunter 24 Patienten ≥ 3. Splenomegalien lagen zu Therapiebeginn bei 11/22 Patienten vor.

Wie Dr. Peter te Boekhorts, Rotterdam, Niederlande, und Kollegen berichteten, fielen die HCT-Spiegel von im Mittel 44% in den ersten 12 Wochen nach Beginn der Ruxolitinib-Therapie schnell auf etwa 40% ab und blieben dann über den gesamten Behandlungszeitraum von 52 Wochen stabil. Die Anzahl der Phlebotomie-unabhängigen Patienten stieg unter der Ruxolitinib-Therapie von 38% im Jahr vor der Behandlung auf 88%. Gleichzeitig nahm die Häufigkeit der benötigten Phlebotomien ab, meist auf 1-2. Der Anteil der Patienten, die vor der Ruxolitinib-Therapie mind. 3 Phlebotomien benötigt hatte, fiel von 40% auf 5%.

Bei 8 Patienten mit moderater bis schwerer Splenomegalie zu Therapiebeginn reduzierte sich die Milzgröße im Verlauf der Behandlung im Mittel um 60%; bei 3 der Patienten war am Ende der Behandlungszeit keine Milzvergrößerung mehr festzustellen. Bei Patienten, die den MPN-SAF-Fragebogen, einen Symptom-Erfassungsbogen bei myeloproliferativen Erkrankungen, ausgefüllt hatten (etwa 14%), wurde über den Behandlungszeitraum eine Reduktion von Symptomen dokumentiert.

Die mittlere Dosis an Ruxolitinib im Real-world-Setting betrug 20,8 ± 8,2 mg/Tag, die mittlere kumulative Dosis lag bei 10.327,2 ± 4.255,7 mg. 80% der Patienten erhielten die Medikation über den gesamten Behandlungszeitraum, bei 20% der Patienten war mind. eine Unterbrechung der Medikation nötig – jedoch nur in 3% der Fälle mehr als eine. Hauptursachen für Unterbrechungen waren transiente Anämien und Infektionen. Die Behandlung erwies sich als verträglich: Nebenwirkungen von Grad 3/4 traten selten auf: Infektionen bei 5%, TEs bei 3% und sekundäre Neoplasien bei 2%.

Laut te Boekhorts et al. bestätigen die Interimsergebnisse dieser Beobachtungsstudie die Ergebnisse der Zulassungsstudien zu Ruxolitinib bei der PV im klinischen Alltag. Die Behandlung mit Ruxolitinib senkte den Hämatokrit schnell und nachhaltig. Die Phlebotomie-Unabhängigkeit der Patienten wurde deutlich erhöht und bei Patienten mit Splenomegalie die Milzgröße relevant verringert. Weitere Analysen werden folgen, sobald alle 352 eingeschlossenen Patienten ausgewertet sind.


Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH


* Jakavi® ist angezeigt für die Behandlung von
- krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen bei Erwachsenen mit primärer Myelofibrose (auch bekannt als chronische idiopathische Myelofibrose), Post-Polycythaemia(-Vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller-Thrombozythämie-Myelofibrose.
- Erwachsenen mit Polycythaemia Vera, die -resistent oder intolerant gegenüber Hydroxycarbamid sind (2).

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: EHA25 virtual

Literatur:

(1) te Boekhorst PAW, Theocharides A, Alvarez-Larrán A et al. Ruxolitinib in PV patients resis-tant and/or intolerant to hydroxyurea: interim analysis of a european multi-centric observational study. EHA25 virtual, Abstract EP1115.
(2) Fachinformation Jakavi®.


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