Dienstag, 21. Mai 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Mai 2018 Philadelphia-Chromosom-positive (Ph+) Leukämien: Moderne Kinasehemmer + optimierter Mutationsnachweis ergibt erfolgreiches Therapiemanagement

Tyrosinkinasehemmer (TKI) wie Imatinib und dessen Nachfolger gegen die leukämiespezifische Kinase BCR-ABL1 sind die Mittel der Wahl bei Ph+ Leukämien wie chronischer myeloischer Leukämie (CML) und Ph+ akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Der sensitive Nachweis und das Monitoring von Mutationen von BCR-ABL1 im Behandlungsverlauf sind entscheidend für eine optimale TKI-Therapiesequenz, um die klonale Expandierung TKI-resistenter Mutanten zu verhindern.
Anzeige:
Als empfindlichstes Kriterium für ein Therapieansprechen bei Ph+ Leukämien gilt heute nicht mehr ein komplettes hämatologisches oder zytogenetisches Ansprechen, sondern die molekulare Response (MR) auf eine TKI-Therapie, betonte Prof. Dr. Simona Soverini, Bologna. Derzeit ermögliche die Anwendung des Next Generation Sequencing (NGS) bereits einen sehr sensitiven Nachweis (deep molecular response, DMR) der Reduktion der BCR-ABL1-Transkripte um bis zu 5 Logstufen. Eine DMR erfordere den Abfall der BCR-ABL-Spiegel unter Therapie nach 3 Monaten auf unter 10% (early MR), nach 6 Monaten unter 0,1% und nach 18 Monaten unter 0,01-0,001%. Mit regelmäßigem Monitoring lasse sich sowohl die Resistenzentwicklung als auch eine unzureichenden Therapieadhärenz erkennen. So könne man frühzeitig Patienten identifizieren, die von einem Therapiewechsel profitieren, um Hochrisiko-Patienten sorgfältiger zu beobachten und die TKI-Sequenz individuell zuzuschneiden, sagte Soverini.

Bei Versagen einer CML-Erstlinientherapie als Folge einer Mutation der Kinasedomäne (KD) von BCR-ABL1 stehen nach ihrer Aussage 4 weitere TKI zur Verfügung. Bei deren Auswahl sollten erworbene Resistenzen – vor allem durch die nur noch mit Ponatinib zu behandelnde T315I-Mutation – berücksichtigt werden, um die Entwicklung besonders ungünstiger zusammengesetzter (compound) Mutationen zu verhindern. Die Achillesferse der TKI sei, so die Hämatologin, dass in BCR-ABL1 bereits viele Mutations-Hotspots deren Wirkung eliminieren. Dies betreffe neben Imatinib auch Nilotinib, Dasatinib und Bosutinib. Von den 10 häufigsten Imatinib-resistenten Mutationen vermittle die Hälfte auch eine Resistenz gegenüber mind. einem Zweitgenerations-TKI (Nilotinib oder Dasatinib). Lediglich der Drittgenerations-TKI Ponatinib (Iclusig®), als einziger zugelassener TKI auch gegen die T2315I-Mutation wirksam, sei bislang nicht von diesem Problem betroffen, so Soverini. Bei der Ph+ ALL können TKI-resistente Subklone deutlich früher als bei CML, nämlich schon bei Diagnose oder früh unter Therapie existieren, schnell selektieren und einen Relaps verursachen. Hier ermögliche das NGS eine frühzeitigere Erkennung auch niedrigschwelliger (low burden) Mutationen und eine frühere präemptive Rescue-Therapie.

Dr. rer. nat. Andreas Häckel

Quelle: Fachpressekonferenz Iclusig® „Evolution of diagnostics in CML and clinical relevance in daily practice“, 10.04.2018, Frankfurt; Veranstalter: Incyte Biosciences Germany


Das könnte Sie auch interessieren

Primäre Studienendpunkte: Gesamtüberleben oder progressionsfreies Überleben - gibt es einen Goldstandard?

Anerkanntes Ziel einer Therapie von Krebspatienten ist die Verbesserung des Überlebens und der Lebensqualität. Historisch gesehen gilt die Gesamtüberlebenszeit (OS = overall survival) als der wichtigste primäre klinische Endpunkt einer Studie. Doch das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unterliegt nicht zuletzt aufgrund der Fortschritte, die in letzten Jahren in der Krebstherapie erzielt wurden, gewissen Einschränkungen. So können...

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf
© Sabphoto / Fotolia.com

In der Schule, vor dem Smartphone oder am Computer: Die Liste sitzender Aktivitäten von Jugendlichen ist lang. Fast die Hälfte ihrer Wachzeit – knapp sieben Stunden pro Tag – verbringen Schüler heutzutage sitzend oder liegend. Je mehr die jungen Menschen sitzen, desto riskanter ist auch ihr Gesundheitsverhalten: Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) im Rahmen des von der Deutschen Krebshilfe geförderten...

Der lange Weg bis zur Zulassung eines Arzneimittels

Die Zulassung eines neuen Arzneimittels und die Erweiterung der Indikation eines bereits zugelassenen Arzneimittels sind streng geregelt. Die europäische oder deutsche Zulassungsbehörde fordert den Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit, wofür das Arzneimittel verschiedene Phasen der klinischen Prüfung durchlaufen muss. Wie die Arzneimittelprüfung durchzuführen ist, legt das Arzneimittelgesetz (AMG) von 1976 fest, das zuletzt durch die 15. Novelle von...

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Philadelphia-Chromosom-positive (Ph+) Leukämien: Moderne Kinasehemmer + optimierter Mutationsnachweis ergibt erfolgreiches Therapiemanagement"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.