Samstag, 24. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. Februar 2017
Seite 1/4
Optimierte Anpassung des Bestrahlungsvolumens an die Tumorsituation bei Kopf-Hals-Tumoren

Neue Entwicklungen in der Strahlentherapie

M. Haderlein, R. Fietkau, Abteilung für Strahlentherapie, Universitätsklinikum Erlangen.

In den letzten Jahren führten neue Bestrahlungstechniken wie die intensitätsmodulierte Bestrahlung (IMRT) und deren Weiterentwicklung, die volumenmodulierte Bestrahlung (VMAT) sowie moderne Bestrahlungskonzepte (simultan integrierter Boost) und verbesserte diagnostische Möglichkeiten (z.B. Integration von PET-CT/MRT in die Bestrahlungsplanung) zur exakteren Dosisapplikation. So entstand die Möglichkeit, die Dosis im definierten Zielvolumen zu eskalieren und umgebende Risikoorgane möglichst zu schonen. Aber auch prognostische tumorbiologische Faktoren, allen voran das Humane Papillomavirus (HPV) werden in Zukunft in der individuellen Therapieplanung bei Patienten mit Pharynx/Larynx-Tumoren eine größere Rolle spielen. Der folgende Artikel zeigt moderne Bestrahlungstechniken (perkutan und Brachytherapie) und Zielvolumen-, aber auch aktuelle Studienkonzepte, die eine individuelle Anpassung der Therapie an die Tumorsituation untersuchen, auf.
Anzeige:
Die Radio(chemo)therapie gehört bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren entweder in der definitiven oder der postoperativen Situation zur Standardtherapie (1-5). Nach einer Radio(chemo)therapie in der Kopf-Hals-Region berichtet ein Großteil der Patienten im Verlauf über eine Einschränkung der Lebensqualität aufgrund von persistierenden Nebenwirkungen wie Dysphagie und Xerostomie (6).

Im Bereich der Parotis sind klare Dosis-Wirkungsbeziehungen beschrieben (7). Zudem zeigen zahlreiche Auswertungen, dass mit steigender Dosis in relevanten Strukturen des Schluckapparates (pharyngeale Konstriktoren, supraglottischer Larynx, weicher Gaumen) die posttherapeutische Schluckfunktion sinkt (8).

Mit eigenen Daten (9) konnten wir zeigen, dass die Dysphagie-Rate mit zunehmender Dosis im oberen Konstriktormuskel und weichen Gaumen steigt. Die Untersuchungen wurden an einem homogen behandelten Patientenkollektiv mit grenzwertig operablen Larynx-/Pharynx-Tumoren durchgeführt, die alle eine Induktionschemotherapie gefolgt von einer Radiochemotherapie erhalten hatten. Die Therapie bei diesen Patienten erfolgte mit dem Ziel des Organerhalts. Allerdings zeigte sich bei über 40% der Patienten eine Dysphagie von mindestens Grad 2 (II°) und somit kein Funktionserhalt. 30% der Patienten benutzen weiterhin, 16% sogar ausschließlich die PEG-Sonde.

Neue Bestrahlungstechniken wie die intensitätsmodulierte Bestrahlung (IMRT) und die volumenmodulierte Bestrahlung (VMAT) sowie moderne Bestrahlungskonzepte und verbesserte diagnostische Möglichkeiten (z.B. Integration von PET-CT in die Bestrahlungsplanung) führen zur exakteren Dosisapplikation mit der Möglichkeit der Dosiseskalation im definierten Zielvolumen unter gleichzeitiger verbesserter Schonung der umgebenden Risikoorgane. Auch prognostische Faktoren, wie z.B. HPV werden in Zukunft in der individuellen Therapieplanung Berücksichtigung finden.


Parotis-sparende IMRT

Die Parotis-sparende IMRT zählt zum aktuellen klinischen Standard. Soweit es die Tumorlokalisation erlaubt, soll die Parotisregion ein- oder beidseitig maximal geschont werden. Es liegen insgesamt zwei prospektiv randomisierte Studien vor, die eine konventionelle 3D-Strahlentherapie mit einer Parotis-sparenden IMRT vergleichen. In der PARSPORT-Studie (10), in der insgesamt 94 Patienten (v.a. mit Oropharynxkarzinomen) eingeschlossen wurden, führte eine Reduktion der mittleren Dosis im Bereich der kontralateralen Parotis auf < 24 Gy zu signifikant geringeren Spät-Xerostomie-Raten. In der Patientengruppe, die eine Parotis-sparende IMRT erhalten hatte, traten nach 12 Monaten bei 38% der Patienten eine mindestens II° Xerostomie auf im Vergleich zu 74% in der Gruppe mit konventioneller Strahlentherapie. Kam et al. (11) untersuchten eine Reduktion der Parotis-Dosis bei Patienten mit Nasopharynxkarzinomen. Die Xerostomie-Raten nach 12 Monaten glichen denen in der PARSPORT-Studie (Xerostomie ≥ II° nach 12 Monaten: IMRT: 39% vs. konventionelle RT: 82%). In beiden Studien wurden keine Feldrandrezidive beobachtet.

In der PARSPORT-Studie zeigten im Verlauf 21% der Patienten in beiden Gruppen mindestens eine Dysphagie II°. In der Studie von Kam et al. wurden keine Dysphagieraten beschrieben. Allerdings zeigten Patienten in den Lebensqualitätsuntersuchungen in beiden Gruppen gleiche Ergebnisse. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Patienten mit einer Parotis-sparenden IMRT zwar signifikant geringere Spät-Xerostomie-Raten aufweisen, dies jedoch zu keiner Reduktion der Spätdysphagie führt.

 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Neue Krebs-Studien zur Immuntherapie am Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) für Patienten geöffnet

Das Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest startet jetzt in Kooperation mit der Klinik für Onkologie und Hämatologie zwei neue Studien zur Wirksamkeit eines hoch innovativen immuntherapeutischen Ansatzes unter Verwendung von sogenannten Checkpoint-Hemmern: Diese sollen die Blockaden des Immunsystems gegen Krebszellen aufheben. An der ersten Studie in Phase II nehmen Patienten mit vorbehandeltem Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) teil, die einen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Optimierte Anpassung des Bestrahlungsvolumens an die Tumorsituation bei Kopf-Hals-Tumoren"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren