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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. Juni 2020
Seite 1/3
Operationsmethoden beim Mundhöhlen- und Oropharynxkarzinom

F. Bootz, Universitätsklinikum Bonn.

Die operative Behandlung des Mundhöhlen- und Oropharynxkarzinoms ist trotz großer Fortschritte bei der hochpräzisen Strahlentherapie (IMRT, 3D-konformale Strahlentherapie) und der adjuvanten Immuntherapie zur Primärtherapie das Verfahren der ersten Wahl. Ziel der operativen Therapie muss jedoch eine vollständige Entfernung des Tumors und der Lymphknotenmetastasen sein. Hierzu stehen unterschiedliche Techniken zur Verfügung, wie z.B. konventionelle Chirurgie, Laserchirurgie oder Roboterchirurgie. Der Zugang zur Mundhöhle und dem Oropharynx kann transoral oder transzervikal durch eine laterale Pharyngotomie erfolgen. Die Resektion des Primärtumors muss immer mit der operativen Behandlung der Lymphabflusswege (neck dissection) kombiniert werden. Meist entstehen nach der Tumorresektion Gewebedefekte, die zu funktionellen Beeinträchtigungen führen, weswegen rekonstruktive Verfahren von besonderer Bedeutung sind.

Epidemiologie


Nach dem epidemiologischen Krebsregister (GEKID) und dem Zentrum für Krebsregisterdaten (ZFKD) im Robert Koch-Institut ergibt sich für die Mundhöhle und den Rachen zwischen 2015 und 2016 eine stabile Anzahl von Neuerkrankungen; bei Frauen etwa 4.200 und bei Männern 9.700 pro Jahr. Die Prognose für 2020 geht von einer Abnahme der Neuerkrankungen bei Männern um etwa 500 Fälle und eine Zunahme bei Frauen um etwa 400 Fälle aus. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 66 und für Männer bei 63 Jahren.
 

Klinik

 
Die Beschwerden beim Mundhöhlen- und Oropharynxkarzinom sind sehr vielseitig und reichen von geringen Schmerzen in der Mundhöhle und im Rachen bis zu erheblichen Schluck- und Artikulationsstörungen, begleitet von einer deutlichen Einschränkung der Zungenbeweglichkeit und der Mundöffnung. In selteneren Fällen kann primär eine Halslymphknotenmetastase einen Hinweis z.B. auf ein Oropharynxkarzinom sein. Oft ähneln die Beschwerden in der Anfangsphase denen einer banalen Halsentzündung, weswegen Verzögerungen in Diagnostik und Therapie nicht selten sind.

Diagnostik

 
Die Untersuchung durch einen Facharzt führt meist zur Verdachtsdiagnose. Bereits dann kann eine Gewebeprobe in Lokalanästhesie entnommen werden. Eine Panendoskopie in Narkose sollte zur weiteren histologischen Sicherung, Bestimmung der Tumorgrenzen, detaillierten Therapieplanung und zum Ausschluss eines Zweitmalignoms der definitiven Therapie vorangestellt werden. Bei Oropharynxkarzinomen wird zukünftig vermehrt zwischen HPV-negativen und HPV-positiven Tumoren unterschieden, weswegen der histopathologische Nachweis von HPV p16 an der primären Gewebeprobe wichtig ist. Bislang ist die Therapiestrategie jedoch identisch. Kommende klinische Studien werden zeigen, ob eine Therapiedeeskalation je nach HPV-Infektionsstatus angebracht ist. Neben der klinischen und pathologischen Untersuchung kommt der Bildgebung in Form der Computertomografie (CT) und der Kernspintomografie eine große Bedeutung zu. Bei der Primärtumordarstellung ist insbesondere die Tiefenausdehnung von besonderer Bedeutung mit der Abgrenzung in den Mundboden, den Zungenkörper, den Parapharyngealraum und der Nachbarschaft zu den größeren Blutgefäßen. Im Halsbereich kommt der Bildgebung bei der Aufdeckung Metastasen-suspekter Lymphknoten eine große Bedeutung zu. Mit der CT von Thorax und Abdomen können Fernmetastasen ausgeschlossen bzw. erkannt werden. Die durch diese Untersuchungen prätherapeutisch gesammelten Informationen fließen in die Therapieentscheidung ein und sind die Basis der Operationsplanung einschließlich einer möglicherweise notwendigen Rekonstruktion.
 
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