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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. März 2016 News und Perspektiven vom ASH

Einen „Paradigmenwechsel“ in der Therapie der Leukämie versprach Prof. Martin Dreyling, München, dem Auditorium beim 32. Münchener Fachpresse-Workshop bei der Vorstellung aktueller Daten vom amerikanischen Hämatologie-Kongress ASH 2015. Mit ihm diskutierten weitere Experten auf dem Gebiet der Hämatoonkologie aktuelle Entwicklungen in der Therapie der AML, CLL und des MCL.

In der Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) mit einer prognostisch ungünstigen Mutation im FLT3-Kinase-Rezeptor-Gen gelang nun nach über 30 Jahren der erste Nachweis einer Wirksamkeit mit einer zielgerichteten Therapie. Der oral applizierbare Multikinase-Inhibitor Midostaurin (PKC 412) (Phase-III-Studie RATIFY) konnte in Kombination mit einer Chemotherapie das Überleben signifikant verlängern, berichtete Dreyling. Damit könnte sich Midostaurin zukünftig als neuer Standard in der Therapie der AML, der häufigsten akuten Leukämie im Erwachsenenalter, behaupten.

Klarer Favorit in der Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) war der in mehreren Studien evaluierte Bruton-Kinase-Inhibitor Ibrutinib (Imbruvica®). In einer Phase-III-Studie (RESONATE-2) bei älteren, komorbiden Patienten in der Erstlinientherapie war Ibrutinib im Vergleich zu der Standardtherapie mit Chlorambucil hoch überlegen. Unter Ibrutinib konnte ein Ansprechen von 86% vs. 35% unter Chlorambucil verzeichnet werden. Nach 18 Monaten waren 90% der Patienten im Ibrutinib-Arm vs. 52% der Patienten im Chlorambucil-Arm progressionsfrei, betonte Dreyling. Für das seltenere Mantelzelllymphom (MCL) verwies er auf die Ergebnisse einer Phase-III-Studie (MCL3001; RAY), die für Ibrutinib eine Überlegenheit für vorbehandelte Patienten gegenüber Temsirolimus zeigte.


Kombinationen mit Bendamustin

Kombinationstherapien werden in Zukunft für alle Patienten mit hämatologischen Neoplasien einen Benefit bringen, war sich Prof. Clemens Wendtner, München, sicher: In der Subgruppen-analyse der GREEN-Studie, die auf dem ASH vorgestellt wurde, konnten effektive Bendamustin-basierte Therapien, ergänzt mit Obinutuzumab bei vielen hämatologischen Erkrankungen in der Erstlinientherapie erhöhte Wirksamkeit verbuchen, so Wendtner. Ähnlich positive Studienergebnisse lagen für den PI3K-Inhibitor Idelalisib (Zydelig®), einem Hemmstoff des Enzyms Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) delta vor. Idelalisib wirkte in Kombination mit Bendamustin/Rituximab (BR) hoch effektiv bei einer vortherapierten Patientenkohorte oder als Erstlinientherapie bei CLL. Beim progressionsfreien Überleben konnte diese Dreierkombination (115-Studie) mit einem medianen PFS von 23,1 Monaten gegenüber BR plus Placebo von 11,1 Monaten punkten, erläuterte Wendtner.

Der Bruton-Kinase-Hemmer Ibrutinib zeigte sich in diversen Studien auch in Kombinationstherapien hochpotent. Eine Zugabe von Ibrutinib zu BR verstärkte die Wirksamkeit bei Patienten mit rezidivierender oder refraktärer CLL (Phase-III-Studie HELIOS). Auch für Hochrisikopatienten mit 17p-Deletion bei rezidivierender oder refraktärer CLL gab es auf dem ASH einen Hoffnungsschimmer: Der selektive BCL2-Inhibitor Venetoclax erwies sich in Kombination mit BR als hoch wirksam, berichtete Wendtner.

Auf dem ASH vorgestellte Studiendaten zu Gerinnungskaskaden brachten zudem neue Erkenntnisse über die Ursache der verstärkten Blutungsneigungen unter Ibrutinib-Therapie. Dies erlaubt zukünftig eine bessere Abschätzung und Behandlung von Nebenwirkungen so Wendtner. Die Leitlinien werden in den nächsten Wochen aktualisiert, versprach Wendtner abschließend.

„Spannende 5-Jahres-Daten“ vom ASH präsentierte Prof. Martin Grießhammer, Minden, und referierte über aktuelle Therapieoptionen bei myeloproliferativen Neoplasien wie der seltenen primären Myelofibrose (MF) und der Polycythaemia vera (PV). Bei der MF und PV findet man in mindestens 88% bzw. 95% der Patienten eine der drei Driver-Mutationen JAK2, MPL oder CALR. Das Auftreten von durch NGS-Analyse identifizierten „non-Driver“-Mutationen (ASXL1, CBL, RUNX1 und SRSF2) war für die betroffenen Patienten prognostisch sehr ungünstig. Pathophysiologisch relevant sind Mutationen, die JAK-STAT-Signalwege fehlregulieren, so Grießhammer.


MF: Ruxolitinib im Langzeitverlauf wirksam und sicher

In einer 5-Jahres-Langzeit-Beobachtung der COMFORT-II-Studie konnte überzeugend gezeigt werden, dass mit dem JAK1/2-Hemmer Ruxolitinib (Jakavi®) eine Verlängerung des Gesamtüberlebens sowie eine Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit Myelofibrose und Splenomegalie resultierte. Grießhammer sieht klare Vorteile einer Medikation mit dem oralen Januskinase (JAK)1/2-Inhibitor Ruxolitinib: die Langzeitdaten verzeichnen bestes Ansprechen, 97,1% der Patienten erreichten eine Reduktion des Milzvolumens, 53,4% immerhin eine Reduktion um mehr als 35%, so Grießhammer.


PV: Patienten profitieren von JAK-Inhibition

Ruxolitinib wurde Mitte 2015 in Deutschland auch für die Behandlung der Hydroxyurea-intoleranten oder -refraktären PV zugelassen. In der RESPONSE-1-Studie führte Ruxolitinib zu einer Abnahme der Splenomegalie und einer besseren Hämatokritkontrolle als die beste verfügbare Therapie (BAT) (21% vs. 1%; p<0,001). Ein positiver Effekt zeigte sich auch in einer Verminderung der Krankheitssymptome; es traten weniger thromboembolische Ereignisse auf und eine Reduktion der Leukozytenzahl wurde beobachtet. Wichtigste Beobachtung ist laut Grießhammer die Abnahme der JAK-Allellast als wichtiger klinischer Parameter.

(ghk)

Quelle: 32. Münchener Fachpresse-Workshop mit Highlights vom ASH 2015, 13.01.2016, München; Veranstalter: Pomme-med


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