Mittwoch, 21. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Mai 2017 Nebenwirkung unter Immuntherapie: „Frühzeitig erkennen und Patienten lange nachbeobachten“

Checkpoint-Inhibitoren sind gut verträgliche Substanzen. Doch einzelne Patienten erleiden Nebenwirkungen, die mitunter sehr schwerwiegend sein können. „Die Aufgabe der behandelnden Ärzte und Supportivmediziner ist es, diese rechtzeitig zu erkennen und zu wissen, dass sie zum Teil eine lange zeitliche Latenz haben und auch bis zu einem halben Jahr nach Therapieende noch auftreten können“, betonte Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg, in seinem Impulsvortrag beim 5. ASORS-Jahreskongress in München.
Anzeige:
Fachinformation
Mit den Checkpoint-Inhibitoren greifen wir in ein sehr fein reguliertes System ein, verdeutlichte Overkamp. Diese neuen Therapien stellen an die Supportivtherapie eine neue Herausforderung, denn die Nebenwirkungen, die sie hervorrufen können – die immune-related Adverse Events (irAEs) – unterscheiden sich völlig von denen einer Chemo- oder Targeted Therapie. Sie können im Prinzip alle Organe betreffen, z.B. Leber, Endokrinum, Magen-Darm-Trakt, Haut oder Nervensystem. In letzter Zeit gab es auch Berichte über späte Entzündungen an den Gelenken, so Overkamp. Nach Einzelfallberichten ist eine Beteiligung des Knochenmarks ebenfalls nicht ausgeschlossen. Im Januar 2017 veröffentlichte das BfArM deshalb eine Mitteilung über vereinzelte Berichte von Granulozytose und Panzytopenien. Auch das Herz kann, wenn auch sehr selten, betroffen sein, im Sinne einer Myokarditis und Endokarditis mit Rhythmusstörungen als Folge.

Eine weitere Besonderheit der irAEs ist das zeitlich verzögerte Auftreten, etwa 4-6 Wochen nach der ersten Applikation (Abb. 1). Typischerweise treten zuerst Hautreaktionen auf, mit einer gewissen Verzögerung folgt die Diarrhoe, dann eine Hypophysitis oder eine Lebertoxizität im noch späteren Verlauf. Diese Entzündungen können unterschiedliche Schweregrade haben. Mitunter treten irAEs auch erst bis zu einem halben Jahr nach Therapieende auf. „Wir müssen uns angewöhnen, die Patienten diesbezüglich auch noch bis zu einem halben Jahr nach Therapieende zu überwachen“, betonte Overkamp. Die gute Nachricht ist, dass der größte Teil der irAEs mit Steroiden gut beherrschbar ist. Patienten mit einer immunvermittelten Colitis benötigen die gleichen Medikamente wie Patienten mit einer chronischen Darmentzündung, z.B. auch Infliximab oder Tacrolimus. Sie dürfen nicht behandelt werden wie Patienten mit einer Chemo- oder Targeted-Therapie-induzierten Diarrhoe. Loperamid ist hier keine Option und eine Opiumtinktur sogar eher kontraproduktiv.

Mit den Kombinationstherapien – z.B. aus zwei Checkpoint-Inhibitoren, Checkpoint-Inhibitor und Targeted-Therapie oder Checkpoint-Inhibitor und Chemotherapie –, die derzeit in zahlreichen Studien getestet werden, kommen laut Overkamp neue Herausforderungen auf die Supportivtherapie zu. Unter den Kombinationen ist vermehrt mit Nebenwirkungen zu rechnen und es können neue Toxizitätsspektren auftreten. Außerdem gilt es, eine Nebenwirkung, beispielsweise eine Diarrhoe, dem richtigen Ursprung zuzuordnen.

 
Abb. 1: Kinetik von irAE – anti-CTLA-4 (nach (1)).
Kinetik von irAE – anti-CTLA-4



Wieder komplett neue Nebenwirkungen sind mit den neuen innovativen Therapien wie bispezifischen Antikörpern oder CAR-T-Zelltherapie zu erwarten. „Deshalb bleibt die Supportivtherapie auch weiterhin sehr spannend“, so das Resümee von Overkamp.

as

Quelle: Impulsvortrag von Dr. Friedrich Overkamp; 5. ASORS-Jahreskongress, 31.03.2017, München

Literatur:

1. Weber JS et al. J Clin Oncol 2012;21:2691-97.


Das könnte Sie auch interessieren

Primäre Studienendpunkte: Gesamtüberleben oder progressionsfreies Überleben - gibt es einen Goldstandard?

Anerkanntes Ziel einer Therapie von Krebspatienten ist die Verbesserung des Überlebens und der Lebensqualität. Historisch gesehen gilt die Gesamtüberlebenszeit (OS = overall survival) als der wichtigste primäre klinische Endpunkt einer Studie. Doch das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unterliegt nicht zuletzt aufgrund der Fortschritte, die in letzten Jahren in der Krebstherapie erzielt wurden, gewissen Einschränkungen. So können...

„Durch Wissen zum Leben“

Wann immer möglich, wird heutzutage versucht, Krebspatienten Klinikaufenthalte zu ersparen. Die Behandlung erfolgt vielmehr bevorzugt ambulant bei niedergelassenen Krebsmedizinern oder in Klinikambulanzen. Das erlaubt es den Patienten, trotz der Erkrankung weitestgehend in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und ihrem Alltag nachgehen zu können. Die vorwiegend ambulante Behandlung hat jedoch auch zur Folge, dass dem Patienten weniger Ansprechpartner zu allen Fragen zur Erkrankung und...

„du bist kostbar“

Aufgrund der zunehmend verbesserten Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren nimmt die Zahl der Menschen mit Krebs, die geheilt werden oder lange mit der Erkrankung leben können, stetig zu. „Dennoch erleben Menschen, die von Krebs betroffen sind, die Krankheit meist als tiefen Eingriff ins Leben. Mit den Ärzten bespricht man die medizinischen Behandlungsschritte, doch die Angst bleibt und es stellen sich häufig viele weitere Fragen. Wir beantworten diese...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nebenwirkung unter Immuntherapie: „Frühzeitig erkennen und Patienten lange nachbeobachten“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich