Sonntag, 21. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Mai 2017 Nebenwirkung unter Immuntherapie: „Frühzeitig erkennen und Patienten lange nachbeobachten“

Checkpoint-Inhibitoren sind gut verträgliche Substanzen. Doch einzelne Patienten erleiden Nebenwirkungen, die mitunter sehr schwerwiegend sein können. „Die Aufgabe der behandelnden Ärzte und Supportivmediziner ist es, diese rechtzeitig zu erkennen und zu wissen, dass sie zum Teil eine lange zeitliche Latenz haben und auch bis zu einem halben Jahr nach Therapieende noch auftreten können“, betonte Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg, in seinem Impulsvortrag beim 5. ASORS-Jahreskongress in München.
Mit den Checkpoint-Inhibitoren greifen wir in ein sehr fein reguliertes System ein, verdeutlichte Overkamp. Diese neuen Therapien stellen an die Supportivtherapie eine neue Herausforderung, denn die Nebenwirkungen, die sie hervorrufen können – die immune-related Adverse Events (irAEs) – unterscheiden sich völlig von denen einer Chemo- oder Targeted Therapie. Sie können im Prinzip alle Organe betreffen, z.B. Leber, Endokrinum, Magen-Darm-Trakt, Haut oder Nervensystem. In letzter Zeit gab es auch Berichte über späte Entzündungen an den Gelenken, so Overkamp. Nach Einzelfallberichten ist eine Beteiligung des Knochenmarks ebenfalls nicht ausgeschlossen. Im Januar 2017 veröffentlichte das BfArM deshalb eine Mitteilung über vereinzelte Berichte von Granulozytose und Panzytopenien. Auch das Herz kann, wenn auch sehr selten, betroffen sein, im Sinne einer Myokarditis und Endokarditis mit Rhythmusstörungen als Folge.

Eine weitere Besonderheit der irAEs ist das zeitlich verzögerte Auftreten, etwa 4-6 Wochen nach der ersten Applikation (Abb. 1). Typischerweise treten zuerst Hautreaktionen auf, mit einer gewissen Verzögerung folgt die Diarrhoe, dann eine Hypophysitis oder eine Lebertoxizität im noch späteren Verlauf. Diese Entzündungen können unterschiedliche Schweregrade haben. Mitunter treten irAEs auch erst bis zu einem halben Jahr nach Therapieende auf. „Wir müssen uns angewöhnen, die Patienten diesbezüglich auch noch bis zu einem halben Jahr nach Therapieende zu überwachen“, betonte Overkamp. Die gute Nachricht ist, dass der größte Teil der irAEs mit Steroiden gut beherrschbar ist. Patienten mit einer immunvermittelten Colitis benötigen die gleichen Medikamente wie Patienten mit einer chronischen Darmentzündung, z.B. auch Infliximab oder Tacrolimus. Sie dürfen nicht behandelt werden wie Patienten mit einer Chemo- oder Targeted-Therapie-induzierten Diarrhoe. Loperamid ist hier keine Option und eine Opiumtinktur sogar eher kontraproduktiv.

Mit den Kombinationstherapien – z.B. aus zwei Checkpoint-Inhibitoren, Checkpoint-Inhibitor und Targeted-Therapie oder Checkpoint-Inhibitor und Chemotherapie –, die derzeit in zahlreichen Studien getestet werden, kommen laut Overkamp neue Herausforderungen auf die Supportivtherapie zu. Unter den Kombinationen ist vermehrt mit Nebenwirkungen zu rechnen und es können neue Toxizitätsspektren auftreten. Außerdem gilt es, eine Nebenwirkung, beispielsweise eine Diarrhoe, dem richtigen Ursprung zuzuordnen.

 
Abb. 1: Kinetik von irAE – anti-CTLA-4 (nach (1)).
Kinetik von irAE – anti-CTLA-4



Wieder komplett neue Nebenwirkungen sind mit den neuen innovativen Therapien wie bispezifischen Antikörpern oder CAR-T-Zelltherapie zu erwarten. „Deshalb bleibt die Supportivtherapie auch weiterhin sehr spannend“, so das Resümee von Overkamp.

as

Quelle: Impulsvortrag von Dr. Friedrich Overkamp; 5. ASORS-Jahreskongress, 31.03.2017, München

Literatur:

1. Weber JS et al. J Clin Oncol 2012;21:2691-97.


Das könnte Sie auch interessieren

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale...

Personalisierte Medizin in der Onkologie: Behandlung bestmöglich auf den Patienten zuschneiden

Medikamente möglichst maßgeschneidert auf die spezifischen Merkmale einer Krankheit zuzuschneiden und diese gezielt bei jenen Patienten einzusetzen, denen sie am besten helfen, lautet das Credo der Personalisierten Medizin. Dank vertiefter Kenntnisse über die molekularbiologischen Ursachen von Krankheiten gibt es heute bereits eine Reihe von innovativen diagnostischen Tests, durch die Patienten identifiziert werden können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine...

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training
© ivanko80 / Fotolia.com

Vor der Kulisse des Alten Rathauses wurde gestern (26.06.) Bürgermeisterin Gertrud Maltz- Schwarzfischer das erste Laufshirt des Regensburger Leukämielaufes 2017 von Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., überreicht. Mit der Übergabe des Laufshirts an das Stadtoberhaupt startet traditionell der Countdown zum größten Benefizlauf in Ostbayern, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet.

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen
Universitätsklinikum Ulm

Senkt Sport das Rückfallrisiko bei Krebs? Welcher Badeanzug steht mir nach der Brustamputation? Wie ernähre ich mich so, dass ich fit bleibe? Um diese und weitere Fragen dreht sich der 11. Krebsaktionstag der Medizinisch-Onkologischen Tagesklinik (MOT) der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Ulm. Krebspatient*innen, Angehörige und Interessierte sind am Freitag, den 14.09.2018 herzlich eingeladen, sich von 10.00 bis 16.30 Uhr bei kostenfreien Vorträgen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nebenwirkung unter Immuntherapie: „Frühzeitig erkennen und Patienten lange nachbeobachten“"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.