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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. Februar 2018
Seite 1/3
Molekulare Charakterisierung des Ösophaguskarzinoms – Bedeutung für Prognose und Therapie

A. Quaas, Institut für Pathologie, Universitätsklinik Köln.

Das Ösophaguskarzinom ist weltweit die 8-häufigste maligne Tumorentität. Obwohl das Plattenepithelkarzinom der weltweit häufigste Tumortyp ist, zeigen die Adenokarzinome in der westlichen Welt eine steigende Inzidenz und übersteigen hier die Häufigkeit des Plattenepithelkarzinoms. Die Prognose bleibt – trotz geringer Fortschritte seit Einführung der neoadjuvanten Therapie – schlecht. Die molekulare Charakterisierung beider histologischer Hauptkarzinom-Varianten unterstreicht die Unterschiede zwischen beiden Entitäten. Dies sollte in zukünftigen Studienplanungen Berücksichtigung finden. Der am häufigsten vorkommende Subtyp 1 des Plattenepithelkarzinoms zeigt molekular viele Parallelen zum Plattenepithelkarzinom der Lunge oder des Mundbodens. Das Adenokarzinom wiederum weist viele Parallelen zum chromosomal-instabilen Subtyp (CIN) des Magenkarzinoms auf und teilt sich mit diesem Subtyp die gehäufte HER2/neu-Amplifikation. Darüber hinaus bestehen aber auch Therapie-relevante molekulare Unterschiede zum Adenokarzinom des Magens.
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Klassifikation und Epidemiologie
 
Ösophaguskarzinome werden histologisch in 2 Haupttypen unterteilt: Plattenepithelkarzinome (PECs) und Adenokarzinome (ACs). Sehr seltene weitere WHO-definierte Karzinom-Entitäten (Tab. 1) (1) wie neuroendokrine Karzinome und speicheldrüsenartig differenzierte Karzinome werden in diesem Artikel nicht weiter berücksichtigt.

Bezogen auf die nordwestliche Hemisphäre nimmt die Inzidenz der Plattenepithelkarzinome seit dem vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich ab. Die Reduktion des Nikotin- und (hochprozentigen) Alkoholabusus in den vergangenen Jahren hat maßgeblich zu dieser Abnahme beigetragen. Entsprechend dieses Risikoprofils ist die Mehrzahl der Plattenepithelkarzinome im proximalen und mittleren Ösophagus lokalisiert (distale Positionen kommen aber vor).
 
Tab. 1: WHO-definierte Subtypen des
Ösophaguskarzinoms (mod. nach [1]).
Karzinom
Plattenepithelkarzinom
Adenokarzinom
Adenoid-zystisches Karzinom
Adenosquamöses Karzinom
Basaloides Plattenepithelkarzinom
Mukoepidermoides Karzinom
Spindelzelliges
(Plattenepithel-)karzinom
Verruköses (Plattenepithel-)karzinom
Undifferenziertes Karzinom

 
Die Inzidenz der Adenokarzinome steigt im selben Zeitraum allerdings deutlich und dieser Trend ist bis heute ungebrochen: Das Adenokarzinom des Ösophagus zeigt die höchste Inzidenzsteigerungsrate aller Karzinome in der nordwestlichen Welt. Die Gründe dafür sind nicht bekannt (1). Bis auf wenige Ausnahmen scheint das Adenokarzinom des Ösophagus mit einer spezialisierten Metaplasie, der Barrett-Mucosa assoziiert zu sein. Dabei wird die distale plattenepitheliale Ösophagus-Schleimhaut ersetzt durch intestinalisiertes Zylinderepithel. Als Hauptgrund für diesen Metaplasie-Prozess wird die chronische Refluxösophagitis angesehen. Dabei muss aber betont werden, dass nur der allerkleinste Anteil der Patienten mit Refluxösophagitis diese spezialisierte Barrett-Schleimhaut trägt (ca. 3-5%) und von den Barrett-Mucosa-Trägern wiederum nur ein sehr kleiner Anteil (ca. 3%) ein Adenokarzinom entwickelt. Entsprechend ist die überwiegende Anzahl der Adenokarzinome im distalen Ösophagus oder im gastro-ösophagealen Übergang lokalisiert. Die meisten Adenokarzinom-Patienten sind männlich – im Krankengut der Universitätsklinik Köln etwas über 90% der Patienten mit einem ösophagealen Adenokarzinom. Das Durchschnittsalter beträgt etwas über 60 Jahre (2). Der größere Anteil der Patienten ist übergewichtig; die Adipositas begünstigt einerseits die Refluxösophagitis, ist aber vermutlich darüber hinaus ein unabhängiger Risikofaktor.
 
Die Prognose der Ösophaguskarzinome ist unabhängig vom histologischen Typ nach wie vor schlecht. Die Einführung einer neoadjuvanten Therapie (nach FLOT oder CROSS) konnte die Prognose zwar geringfügig verbessern, das 5-Jahres-Überleben beträgt aber lediglich ca. 20%. Hauptgrund für die schlechte Prognose ist die späte Diagnosestellung im lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium. Das ausgeprägte Netzwerk lymphatischer Gefäße des Ösophagus führt zu einer frühen lymphonodalen Metastasierung und damit zur frühen Ausprägung einer systemischen Erkrankung. Im klinisch meist asymptomatischen TNM-Stadium 1b (Infiltration der Submucosa) zeigen bereits ca. 20% der Patienten regionäre Lymphknotenmetastasen. Moderne molekulare Analyseverfahren haben in den vergangenen Jahren auch beim Ösophaguskarzinom zu einem erheblichen Verständnis-Zuwachs beigetragen.
 
 
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