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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Februar 2019
Seite 1/2
Kombinierter Ansatz von Mensch und Software: Die richtigen Entscheidungen in der Präzisionsonkologie treffen

G. Bungartz1, K. Bungartz2. 1Hochschule Döpfer, Köln, 2Korrespondezautorin; KDBungartz, LLC, Riverton, Wyoming, USA

Basierend auf molekulargenetischen oder klinischen Eigenschaften zielt die Präzisionsmedizin darauf ab, die bestwirksame Therapie für den individuellen Patienten zu finden. Laut der amerikanischen „Precision Medicine Initiative“ soll die Präzisionsmedizin Einzug in die Praxis eines jeden Onkologen erhalten. Eine wesentliche Voraussetzung für die Anwendung präzisionsonkologischer Therapien ist die molekulargenetische Untersuchung patienteneigener Tumorzellen zur Identifizierung tumorrelevanter Genmutationen. Die Ermittlung onkogener Treiber erlaubt eine präzise Hemmung des Tumorwachstums mit spezifisch darauf abzielenden Wirkstoffen. Doch das rasant ansteigende Wissen über relevante Mutationen und maßgeschneiderte Therapien stellt eine wachsende Herausforderung für jeden Mediziner dar und bedarf qualifizierter Unterstützung.
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Auf Mutationen zugeschnittene Therapien
 
Die Einführung des „Next Generation Sequencing“ (NGS) erlaubt es, ganze Genome, Exome und spezifische genomische Regionen einschließlich zahlreicher (Proto-) Onkogene zu untersuchen (1). Auf diese Weise können Genvarianten herausgefiltert und hinsichtlich ihrer Krankheitsrelevanz interpretiert werden, um dem Patienten eine maßgeschneiderte Krebstherapie zu ermöglichen. Die Fortschritte sind beachtlich: Zwischen 2011 und 2014 erhielten z.B. 55 neue Krebstherapien die Zulassung der US-amerikanischen FDA, mit 771 weiteren neuen Therapieansätzen in der Pipeline. Von November 2016 bis Oktober 2017 erhielten weitere 32 Therapien die FDA-Zulassung. Fast die Hälfte dieser Therapien sind an spezielle molekulargenetische Eigenschaften des Tumors gekoppelt (2). Anders als Chemotherapien, die i.A. darauf abzielen, alle sich teilenden Zellen zu vernichten, richten sich gezielte Therapien auf bestimmte molekulare Signalwege oder bekannte genetische Veränderungen. Diese Entwicklung setzt sich fort. Etwa 87% aller Wirkstoffe, die sich derzeit in der pharmazeutischen Pipeline befinden, sind Therapien, die auf Biomarkern basieren (3). Im Jahre 2017 wurde die erste Krebstherapie in den USA zugelassen, deren Patienten unabhängig von der Histologie, sondern allein durch molekulare Charakteristika definiert werden (4).
 
Viele dieser zielgerichteten Therapien werden durch Begleitdiagnostika ergänzt, die helfen, die richtige Therapie für eine geeignete Patientengruppe festzulegen. Die Zulassung von bisher mehr als 50 begleitenden Diagnostika durch die FDA unterstreicht die wachsende Rolle von Präzisionsmedizin in der Onkologie (5).
 

Auswirkungen auf die klinische Praxis
 
Die Entwicklungen aus der biomedizinischen und klinischen Forschung können zunehmend durch beschleunigte Zulassungsverfahren (z.B. priority review, fast track) die klinische Praxis erreichen und bergen beachtliches Potential, die Patientenversorgung zu verbessern. Die umfangreichen Datenbestände, die steigende Anzahl an therapierelevanten genetischen Veränderungen und die fortschreitende Entwicklung onkologischer Therapien stellen Onkologen in der täglichen Praxis vor große Herausforderungen: Obwohl molekulare Tests für die häufigsten Krebsarten allgemein Einzug in die tägliche Praxis gefunden haben, ist es für den Onkologen schwierig, die ständig wachsende Anzahl an verfügbaren Tests und die Relevanz der einzelnen genetischen Varianten für die Behandlung im Auge zu behalten. Die Geschwindigkeit der biomedizinischen Forschung und die Flut von stets neuen relevanten Informationen hat ein solches Ausmaß erreicht, dass ein Onkologe jeden Tag 29 Stunden mit dem Literaturstudium zubringen müsste, um auf dem neusten Stand zu bleiben (6). Um Patienten eine evidenzbasierte Behandlungsstrategie zur Verfügung zu stellen, ist daher Unterstützung nötig, die es ermöglicht, die Fülle an molekulargenetischen Informationen zu filtern, zu interpretieren und dann dem behandelnden Arzt zugänglich zu machen. Derzeit gibt es dazu 3 Hauptansätze:
 
 
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