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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. August 2016 „Killer-Antikörper“ gegen akute myeloische Leukämie

Eine niederländische Arbeitsgruppe entdeckte, dass von Spender-B-Zellen produzierte Antikörper spezifisch an AML-Zellen binden – und zwar an ein unerwartetes Ziel. Es handelt sich um den Proteinkomplex U5 snRNP200 auf der Oberfläche von AML-Zellen, der in normalen Zellen im Nukleus lokalisiert ist (1). Die gegen diesen Komplex spezifischen Antikörper kommen nur bei AML-Patienten nach allogener Stammzelltransplantation vor und können den AML-Zelltod in vitro und in vivo induzieren.
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Fachinformation
Eine allogene Stammzelltransplantation (Allo-HSCT) kann AML-Patienten heilen, wenn das Spender-Immunsystem eine starke Graft-versus-Leukemia(GvL)-Reaktion erzeugt. Während die Rolle der T- und NK-Zellen bei der GvL-Immunreaktion weitgehend bekannt ist, war der Beitrag von B-Zellen noch unklar.

Hazenberg et al. isolierten aus dem peripheren Blut von 5 Patienten mit Hochrisiko-AML, die mehr als 5 Jahre nach allogener HSCT krankheitsfrei blieben und somit eine eine starke GvL-Antwort haben, Gedächtnis-B-Lymphozyten und untersuchten sie auf die Produktion von Antikörpern, die spezifisch an Antigene von AML-Zelllinien und AML-Blasten binden, nicht jedoch an normale hämatopoetische und nicht-hämatopoetische Zellen.

Sie entdeckten gegen den Komplex U5 snRNP200 spezifische Antikörper, die vom Donor stammten. Dabei handelt es sich um „Killer-Antikörper“, die den Tod von AML-Zellen in vitro und in vivo in einem humanen AML-Mausmodell induzieren können.

U5 snRNP200 Komplex-spezifische Antikörper wurden nur bei allo-HSCT-Empfängern mit AML (4 von 5 Patienten) gefunden, aber nicht bei Patienten mit Multiplem Myelom, die eine allo-HSCT erhalten hatten oder bei gesunden Personen.

Der Zelltod wurde in Abwesenheit von zytotoxischen Leukozyten oder von Komplementfaktoren durch einen nicht-apoptotischen Prozess induziert, bei dem die Destabilisierung des Zytoskeletts eine Rolle spielt. Es stellte sich heraus, dass die Zytotoxizität der Antikörper von der Fc-Region des Antikörpers abhängt, da rekombinante U5 snRNP200 Komplex-spezifische Antikörper mit einer defekten Fc-Region nicht zytotoxisch waren.

Diese „Killer-Antikörper“ sollen nun weiterentwickelt werden und könnten in Zukunft das therapeutische Armamentarium bei der AML erweitern.

(ma)

Literatur:

(1) Hazenberg M et al. EHA 2016, Abstr. S5124.


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