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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Mai 2017 Keine Evidenz für orale Thromboseprophylaxe bei Krebspatienten

Viele Patienten mit Krebserkrankungen haben ein hohes Blutungsrisiko. Ob in dieser Situation direkte orale Anti­koagulantien (DOAK) zur Sekundärprophylaxe von Thromboembolien geeignet sind, ist nicht ausreichend untersucht.
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Laut Prof. Dr. Axel Matzdorff, Schwedt, haben beispielsweise Patienten mit nicht kontrolliertem, progredientem Tumor oder mit gastrointestinalen Tumoren, Hirnmetastasen oder Thrombozytopenie ein hohes Blutungsrisiko. Besondere Risikokonstellationen entstehen auch bei Behandlung mit Zytostatika und molekularen Wirkstoffen mit hohem Interaktionspotenzial und bei einer Aplasie-induzierenden Chemotherapie.

Über solche Risikosituationen geben die Zulassungsstudien der DOAK keine Auskunft. Zwar nahmen auch Tumorpatienten teil, aber Auswertungen zu dieser Patientengruppe sind nur in Form von Subgruppenanalysen verfügbar und Patienten mit hohem Risiko wurden von vorneherein ausgeschlossen. Dazu vergleichen alle Zulassungsstudien DOAK mit einem Vitamin-K-Antagonisten, aber nicht mit der Standardtherapie in dieser Situation: mit einem niedermolekularen Heparin (NMH). Doch die Zulassung der DOAK erfolgte breit ohne Ausschluss von Tumorpatienten, und so verwundert es nicht, dass etwa ein Drittel der deutschen Hämatoonkologen und Phlebologen bei Tumorpatienten mit tiefer Beinvenenthrombose (TVT) oder Lungenembolie (LE) nach initialer NMH-Therapie Vitamin-K-Antagonisten (VKA) oder DOAK zur Rezidivprophylaxe einsetzen (1). Internationale Leitlinien empfehlen dagegen DOAK eindeutig nicht (2) oder weisen auf die ungenügende Evidenzlage für eine Bewertung hin (3, 4).

Wegen des hohen Interaktionspotenzials einiger DOAK z.B. mit Ibrutinib, Tamoxifen, Imatinib, Nilotinib, Sunitinib, aber auch Dexamethason, Doxorubicin oder Vinblastin empfiehlt Matzdorff zumindest immer die Konsultation einer Interaktionsdatenbank wie den „Interaction Checker“ (www.drugs.com/drug_interaction.html) und betont: „Bei Hochrisikopatienten bleiben NMH Therapiestandard!“

Friederike Klein

Quelle: Workshop 2: Supportive Therapie – Aktuelle Diskussionen. 5. ASORS-Jahreskongress, 31.03.2017, München

Literatur:

1. Matzdorff A et al. Oncol Res Treat 2016;39: 194-201.
2. National Comprehensive Cancer Net Version 1.2016, www.nccn.org.
3. Farge D et al. J Thromb Haemost 2013;11: 56-70.
4. Lyman GH et al. J Clin Oncol 2013;31: 2189-2204.


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