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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2019 Jahreskongress des Tumorzentrums München 2019: TZM-Essentials

Das Tumorzentrum München (TZM) stellt in einer eintägigen Veranstaltung jährlich die „Essentials“ des vergangenen Jahres vor (1). Zwei interdisziplinäre Vorträge werden hier zusammengefasst.
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Immuntherapeutische Ansätze bei Krebserkrankungen

Prof. Dr. Michael von Bergwelt, München, erläuterte, dass die Bedeutung der onkologischen Immuntherapie sich in der Verleihung des Medizin-Nobelpreises 2018 an den US-Amerikaner James P. Allison und den Japaner Tasuku Honjo widerspiegelt, die für ihre Erstbeschreibung der Checkpoint-Rezeptoren auf T-Zellen ausgezeichnet wurden. Während es sich bei den derzeit klinisch angewandten Checkpoint-Inhibitoren (CIs) durchweg um monoklonale Antikörper handelt, stellt die Entwicklung personalisierter (T-)Zell-Therapien einen weiteren Meilenstein dar. Bereits 2017 erteilte die FDA den T-Zell-basierten Therapien Tisagenlecleucel (Kymriah®) und Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta®) die Zulassung, 2018 erfolgten die Zulassungen durch die EMA. Bei beiden Therapien handelt es sich um T-Zellen mit chimärem Antigenrezeptor (CAR-T). Tisagenlecleucel ist für die Behandlung einer rezidivierten oder refraktären B-Zell-ALL bei pädiatrischen Patienten und jungen Erwachsenen (bis 25 Jahre) zugelassen. Beide Therapien sind für erwachsene Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) zugelassen. Die unter Umständen lebensbedrohlichen Nebenwirkungen, ein ausgesprochen komplexer Entnahme-, Aufbereitungs- und Logistikprozess sowie Kosten von bis zu 350.000 € (alleine für die Zelltherapeutika, ohne Krankenhaus- oder Arztkosten) bringen jedoch erhebliche Herausforderungen mit sich und erfordern die Behandlung an hochspezialisierten Zentren. Das Klinikum der Universität München gehört zu den europaweit ersten Zentren, die für beide CAR-T-Zell-Therapien zertifiziert worden sind. Am Campus Großhadern konnten inzwischen die ersten Patienten behandelt werden; vom Zeitpunkt der Identifikation eines geeigneten Patienten über die Zusage der Kostenübernahme durch die jeweilige Kasse und die Herstellung und Bereitstellung der Therapie, die derzeit noch in den USA erfolgt, verstreichen nur 6 Wochen, bis der Patient die aufbereiteten CAR-T-Zellen infundiert bekommt. Voraussetzung ist ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Team, damit die Behandlung sicher erfolgen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) hat zum Ablauf der Behandlung und Zugang zur CAR-T-Zell-Therapie ein Positionspapier veröffentlicht (www.dgho.de). Die Zentren, die Patienten mit CAR-T-Zell-Therapien behandeln, findet man unter www.german-lymphoma-alliance.de.


Krebs und Schwangerschaft

Dem emotionalen Thema „Krebs in der Schwangerschaft“ widmete sich Prof. Dr. Fuat S. Oduncu, München, der Patientinnen an beiden Standorten Großhadern (ambulant und -stationär) und Innenstadt (ambulant) verantwortlich betreut. Er machte eindringlich klar, dass Krebs in der Schwangerschaft Arzt und Patientin gleichermaßen in eine Konfliktsituation bringt, da sowohl mütterliches als auch kindliches Leben bedroht sind. Zwar sind Krebserkrankungen bei Schwangerschaft mit einer Inzidenzrate von 1 pro 1.000 Schwangerschaften eher selten, doch sie stellen die zweithäufigste Todesursache während einer Schwangerschaft dar. Die Diagnose erfolgt oft spät, da Symptome wie Atembeschwerden, Müdigkeit, vage Tastbefunde der Brust, Hautveränderungen oder gastrointestinale Beschwerden und unspezifische Laborveränderungen der Schwangerschaft zugerechnet werden. Ist eine Gravidität nicht auszuschließen, ist die radiologische Diagnostik wegen der Strahlenbelastung für das ungeborene Kind nur sehr eingeschränkt möglich. Die bisherigen Kenntnisse über die Folgen der Tumortherapie bei Schwangeren stützen sich lediglich auf Fallberichte und kleine Fallserien, da sich große randomisierte Studien aus ethischen Gründen verbieten. Es besteht ein feto-maternaler Konflikt, da begründete Entscheidungen zur Behandlung der Mutter und gleichzeitigen Rettung des Kindes nur eingeschränkt möglich sind. Für die Behandlung gilt stets der Grundsatz: „So viel wie nötig und so wenig wie möglich“. Die Betreuung in dieser Phase stellt eine große Herausforderung dar und erfordert die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit von Gynäkologen, Onkologen, Chirurgen, Psychologen und Neonatologen, wobei die Prognose der Tumor-erkrankung, die Schwangerschaftswoche und der Kinderwunsch das Vorgehen im Einzelfall bestimmen. „Oft verhalten sich im Fall einer Tumortherapie die Prognose von Mutter und Kind diametral zueinander“, sagte Odunco, „wobei Experten in großen Zentren heutzutage meist Mutter und Kind gerecht werden können.“

Dr. rer. nat. Petra Ortner

Quelle: 11. Jahreskongress des Tumorzentrums München, 09.02.2019, München

Literatur:

(1) Kirchner T, Nüssler V. Jahrbuch des Tumorzentrums München. Lukon Verlag München 2019; auch als E-Book erhältlich (https://www.tumorzentrum-muenchen.de/aerzte/fortbildung/jahrbuch-2019.html).


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