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Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Februar 2016 „Die Hämatoonkologie wird noch lange spannend bleiben.“

Interview mit Prof. Paul G. Richardson, Boston, MA, USA.

Über seine persönlichen Kongress-Highlights sprach Prof. Paul G. Richardson, Boston, USA, mit JOURNAL ONKOLOGIE. Dazu gehörte u.a. die Zwischenanalyse aus dem TOURMALINE-Studienprogramm mit dem oralen Proteasom-Inhibitor Ixazomib beim rezidivierten und/oder refraktären Multiplen Myelom, die für Aufsehen gesorgt hat.

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Prof. Paul G. RichardsonJOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Richardson, was waren für Sie die Highlights auf dem ASH-Kongress?

Richardson: Mein persönliches Kongress-Highlight war die FDA-Sitzung, in der die beim Multiplen Myelom neu zugelassenen Medikamente vorgestellt wurden. Allein im vergangenen Jahr waren es 7 neue Zulassungen – das ist ein Rekord. Die zuständigen Kommissionen und die Zulassungsbehörde haben hier sehr engagiert und zum Wohl des Patienten unüblich schnelle Entscheidungen getroffen, basierend auf einigen sehr gut durchgeführten Studien in der fortgeschrittenen Situation mit hoch wirksamen neuen Substanzen. Dafür haben sie auf dieser Sitzung viel und berechtigtes Lob bekommen – ungewöhnlich für eine Behörde, die doch sonst so oft ungerechtfertigte Kritik einstecken muss.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Was bedeuten die Neuzulassungen für die Therapie des Multiplen Myeloms?

Richardson: In der Therapie des Multiplen Myeloms wurden in nur kurzer Zeit beeindruckende Fortschritte mit einigen dieser neuen Medikamente, einschließlich monoklonaler Antikörper, bei Patienten erzielt, die bis dahin erfolglos behandelt worden sind. Durch die Vielzahl der Zulassungen können wir die Therapie zunehmend individueller gestalten, v.a. durch Anwendung verschiedener Kombinationen. Andere neue Substanzen, die noch in der Pipeline sind, werden eine weitere Therapieindividualisierung ermöglichen. Die Myelom-Therapie wird noch lange spannend bleiben. 

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Was sind die größten Herausforderungen?

Richardson: Trotz der extrem großen Fortschritte, die wir in der Behandlung hämatoonkologischer Erkrankungen und des Myeloms im Besonderen gemacht haben, dürfen wir uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen. Denn das Multiple Myelom ist nach wie vor nicht heilbar, selbst wenn wir mit den modernen Therapien die Überlebensraten erheblich verlängern können. Wir sind auf dem besten Weg, das Multiple Myelom zu einer chronischen Erkrankung zu machen.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie ordnen Sie in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Phase-III-Studie TOURMALINE-MM1 ein?

Richardson: Die von meinem Kollegen Philippe Moreau auf dem ASH erstmals vorgestellten Ergebnisse der TOURMALINE-MM1-Zwischenanalyse wurden sehr gut aufgenommen. Es sind sehr wichtige Ergebnisse aus dem klinischen Studienprogramm TOURMALINE, in dem Ixazomib, ein „first in class“ oraler Proteasom-Inhibitor beim fortgeschrittenen Myelom in einer prospektiven randomisierten Phase-III-Studie untersucht wird. Insbesondere die mediane progressionsfreie Überlebensrate wurde um 35% signifikant erhöht durch die Hinzunahme von Ixazomib zu Lenalidomid und Dexamethason. Man muss bedenken, dass es sich hier um Patienten mit rezidiviertem und/oder refraktärem Myelom handelte, bei denen das progressionsfreie Überleben (PFS) um 6 Monate verlängert wurde – von 14,7 auf 20,6 Monate mit einer Ansprechrate von über 78%. Meiner Ansicht nach sind das erzielte PFS mit einer Hazard Ratio von 0,742 und die hohen Ansprechraten in diesem Setting bemerkenswert. 

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Gab es eine Patientengruppe, die besonders profitiert hat?

Richardson: Vor allem jüngere und Hochrisikopatienten haben gut auf die orale Dreifachkombination aus Ixazomib, Lenalidomid und Dexamethason angesprochen. Ich kann mir vorstellen, dass auch die älteren Patienten künftig von diesem Ansatz profitieren werden. Die 1x wöchentliche orale Anwendung von Ixazomib zusammen mit der außergewöhnlich guten Verträglichkeit vereinfacht die Behandlung gerade für diese Patienten und ihr Überleben in dieser Studie war exzellent. Die orale Applikation ist ein großer Vorteil im Vergleich zu anderen Proteasom-Inhibitoren (PI) und die Verträglichkeit scheint generell besser zu sein als die von Bortezomib sowie anderen PIs.

Besonders für ältere Patienten, z.B. mit Hypertonie oder leichter Niereninsuffizienz, könnte die Kombinationstherapie mit Ixazomib eine gute Wahl darstellen, da sich weder eine vaskuläre Toxizität noch kardiale oder pulmonale Sicherheitssignale zeigten. Die Neuropathie ist mild bis moderat und gewöhnlich auch weniger häufig als unter Bortezomib. Tatsächlich hat das Hinzufügen von Ixazomib kaum die Toxizität von Len/Dex in der Phase-III-Studie erhöht. Insbesondere die Rate an peripherer Neuropathie war nur minimal erhöht, und wie schon erwähnt, ist dies ein großer Vorteil gegenüber Bortezomib 

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Werden die Ergebnisse die Praxis beeinflussen?

Richardson: Ein wichtiger Vorteil ist die Möglichkeit der oralen Einnahme von Ixazomib. Ich bin der Meinung, dass dies für eine hohe Akzeptanz bei den Patienten sorgen wird, da wir dann eine vollständige orale Dreierkombination haben, die der Patient bequem zu Hause einnehmen kann.

Nach den auf dem ASH vorgestellten Daten kann ich mir gut vorstellen, dass Ixazomib ein breites Anwendungsspektrum im klinischen Alltag haben wird. Die vielversprechende Wirksamkeit, die gute Verträglichkeit und die orale Anwendung – das alles macht meiner Ansicht nach Ixazomib zu einer attraktiven Option, die das Potenzial zur Standardtherapie beim Multiplen Myelom in einer Vielzahl von Settings besitzt. 


Vielen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte Dr. Kirsten Westphal


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