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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Februar 2019
Seite 1/4
Interventionell-radiologische Therapien in der Behandlung von neuroendokrinen Tumoren

S. Viniol, A. König, J. Figiel, A. H. Mahnken, Klinik für diagnostische u. interventionelle Radiologie, Universitätsklinik Marburg, Philipps-Universität.

Neben der Erstlinienbehandlung von neuroendokrinen Tumoren (NET) mit chirurgischer Resektion des Primarius und medikamentöser Therapie bietet die interventionelle Radiologie (IR) wirksame und sichere minimal-invasive Therapien sowohl in der kurativen als auch in der palliativen Behandlung von NET. Die Vorteile der perkutanen Ablationsverfahren liegen in der kurativen Therapie v.a. in der Behandelbarkeit von irresektablen NET und von Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko. Auch im Falle einer fortgeschrittenen Lebermetastasierung bietet die IR mit den transarteriellen Embolisationstherapien wirksame und sichere Eskalationsstrategien. Die Kombination der trans-arteriellen Embolisations- mit den perkutanen Ablationstherapien kann ebenfalls vorteilhaft in der Behandlung von NET angewendet werden. Im folgenden Artikel werden die am häufigsten angewendeten interventionell-radiologischen Techniken vorgestellt, deren Indikation skizziert und Vorteile wie Risiken beschrieben.
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Neuroendokrine Tumoren (NET) sind mit einer Prävalenz von 35/100.000 und einer Inzidenz von 2,5-5,3/100.000 Personenjahre sehr seltene Tumoren (1). Sie treten bevorzugt zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr auf. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Neben der sporadischen Entstehung gibt es erbliche Formen, die als multiple neuroendokrine Neoplasien bezeichnet werden (2).
 
NET stellen Entartungen von endokrinen Zellen dar. Diese gehen entwicklungsgeschichtlich aus dem Neuroektoderm hervor und ähneln in ihren Eigenschaften Neuronen. Diese Zellen sind über den gesamten Körper verteilt und produzieren eine Vielzahl unterschiedlicher Hormone. 75% der neuroendokrinen Primärtumoren sind allerdings entweder im Magen-Darm-Trakt oder Pankreas lokalisiert und werden auch als gastroenteropankreatische neuroendokrine Tumoren bezeichnet (GEP-NET) (2). Die übrigen neuroendokrinen Primärtumoren sind über den gesamten Körper verteilt, wie z.B. in der Lunge, Schilddrüse, Haut, im Thymus oder Gehirn (3-7).
 
NET können entweder hormoninaktiv sein oder Hormone produzieren. Hormoninaktive NET verlaufen häufig zu Beginn asymptomatisch und werden erst durch ihre Metastasierung symptomatisch, wohingegen hormonaktive NET früher symptomatisch werden können. Allerdings muss bei GP-NET hervorgehoben werden, dass die systemische Hormonwirkung bei ausreichender Leberfunktion aufgrund des First-pass-Effekts (Metabolisierung von Wirkstoffen während der ersten Leberpassage) reduziert wird (8).
 
Die Symptome der hormonaktiven NET sind sehr unterschiedlich und hängen von der entarteten endokrinen Zelle ab. So können z.B. pankreatische Insulinome zu schweren Hypoglykämien, Gastrinome zu schweren gastroduodenalen Ulcera und serotoninproduzierende NET zu Flush, Durchfällen und Herzrhythmusstörungen führen (9).
 
Die Weltgesundheitsorganisation klassifiziert NET in gut (G1), mittelgradig (G2) oder schlecht differenziert (G3). Mit 46%-93% ist die Lebermetastasierung beim NET häufig und ein wichtiger Prognosefaktor (10).
 
Kennzeichnend für NET und deren Metastasen ist die relativ geringe Wachstumsgeschwindigkeit. Daher empfiehlt die deutsche S2k-Leitlinie zur Beurteilung der Wachstumsgeschwindigkeit die Bestimmung der Proliferationsrate vor Therapiebeginn, da diese für die weitere Therapie entscheidend ist (2). Die medikamentöse Therapie mit Somatostatin-Analoga (SSA), Interferon-alpha (IFN-α) und der klassischen Chemotherapie sind neben der chirurgischen Resektion von Primarius und Metastasen die etablierten Goldstandards in der Therapie von NET (2).
 
Neben der Erstlinienbehandlung von NET mit chirurgischer und medikamentöser Therapie bietet die IR wirksame und sichere minimal-invasive Therapieverfahren sowohl in der kurativen als auch in der palliativen Behandlung von NET.
 
Das Therapiespektrum der IR bietet etablierte Verfahren in der onkologischen Behandlung. Für die Behandlung von NET  (Abb. 1) sind zum einem die perkutane schnittbildgesteuerte Thermoablation mit Radiofrequenzablation (RFA), Mikrowelle, Kryoablation oder irreversible Elektroporation (IRE) und zum anderen transarterielle Embolisationstherapien wie die transarterielle Embolisation (TAE), transarterielle Chemoembolisation (TACE) und die transarterielle Radioembolisation (TARE) geeignete Therapiemöglichkeiten (2).
 
In der kurativen Therapie liegen die Vorteile der Ablation v.a. in der Behandelbarkeit von irresektablen Läsionen und von Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko. Auch im Falle einer fortgeschrittenen Lebermetastasierung bietet die IR mit den transarteriellen Embolisationsverfahren sichere Eskalationsstrategien mit wirksamer lokaler Tumorkontrolle und Symptomkontrolle bei hormonaktiven NET (11).
 
Auch die Kombination der transarteriellen Embolisations- mit den perkutanen Ablationstechniken kann vorteilhaft in der Behandlung von NET angewendet werden.
 
 
Abb. 1: Übersicht interventionell-radiologischer Therapieverfahren. RFA=Radiofrequenz-ablation, IRE=irreversible Elektroporation, TAE=transarterielle Embolisation, TACE=transarterielle Chemoembolisation, RE=Radioembolisation, 1häufig Leber, 2Metastasenvolumen < 70% Organvolumen
Übersicht interventionell-radiologischer Therapieverfahren

 
 
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