Dienstag, 16. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2016 Immunthrombozytopenie: Eltrombopag mit Langzeit-Wirksamkeit über Jahre

In mehreren placebokontrollierten Studien konnte der Thrombopoetinrezeptor-Agonist Eltrombopag bei Patienten mit chronischer Immunthrombozytopenie (cITP) die Thrombozytenzahlen erhöhen und die Rate an Blutungen reduzieren. Um auch die Langzeitwirkung und -sicherheit zu untersuchen, wurden Patienten aus diesen Studien im Rahmen der Langzeitstudie EXTEND von 2006-2015 nachbeobachtet; die Langzeitergebnisse dieser Fortsetzungsstudie EXTEND (Eltrombopag eXTENded Dosing) wurden von James Bussel, New York, auf dem EHA vorgestellt.
Zwischen 2006 und 2015 wurden insgesamt 302 Patienten mit chronischer ITP in der EXTEND-Studie nachverfolgt; bei 38,0% war zuvor eine Splenektomie durchgeführt worden. Die Dauer der Behandlung lag bei maximal 8,8 Jahren (median 2,4 Jahre) und die mediane Tagesdosis bei 50,2 mg. Bereits nach 2 Wochen hatte Eltrombopag die mittlere Thrombozytenzahl auf mindestens 50x 109/l erhöht, wo sie für die Hälfte der Patienten auch über mehr als 31 Wochen blieben; nach 2 Jahren waren es noch 20,0%. Sowohl stark vorbehandelte Patienten als auch solche mit vorangegangener Splenektomie sprachen an, aber bei denjenigen mit weniger Vortherapien und bei den nicht splenektomierten Patienten lagen die Ansprechraten höher. Von 101 Patienten, die zu Beginn eine andere ITP-Therapie erhielten – in der Mehrzahl Kortikosteroide, so Bussel – konnten 42 im weiteren Verlauf alle diese Medikamente absetzen, während 53 auf mindestens eines verzichten und 72 zumindest die Dosierung der zusätzlichen Medikamente reduzieren konnten.

Der Anteil an Patienten mit Blutungssymptomen nahm von 57% bei Therapiebeginn auf 17% nach einjähriger Behandlung ab; Blutungen der WHO-Grade 3 und 4 waren selten. 9 Patienten (3%) mussten die Therapie mit Eltrombopag wegen einer Erhöhung von Leberenzymwerten abbrechen; bei 4 Patienten war ein Grad-3-Katarakt die Ursache für einen Therapieabbruch. Insgesamt hatten 28 Patienten (9%) im Verlauf der Behandlung mit Eltrombopag einen Katarakt, wobei zum Studienstart bereits 192 von 302 Patienten ein erhöhtes Risiko für Katarakte aufwiesen. 19 Patienten erlebten thromboembolische Ereignisse, die bei 10 von ihnen Grund für die Beendigung der Therapie waren. Bei einer medianen Behandlungsdauer von mehr als 2 Jahren wurden keine neuen, bislang unbekannten Nebenwirkungen registriert.

Die Untersuchung der Retikulinfasern im Knochenmark ergab keine relevante Zunahme über die Beobachtungszeit von bis zu 5,5 Jahren. 11 Patienten hatten zu mindestens einem Zeitpunkt Myelofibrosegrade ≥ 2. Die Langzeitbehandlung von Patienten mit cITP mit Eltrombopag war in der EXTEND-Studie mit anhaltender Erhöhung der Thrombozytenzahlen und einer Reduktion der Blutungskomplikationen assoziiert. Begleitende ITP-Therapien konnten abgesetzt werden, ohne dass Rescue-Medikamente benutzt werden mussten. Die Gabe von Eltrombopag wurde für bis zu 6 Jahre gut vertragen, aber es ist sinnvoll, so Bussel, hepatobiliäre Anomalien und Katarakte im Auge zu behalten und bei einer Langzeitbehandlung regelmäßig zu kontrollieren.

Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH

jg


Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren
© Photographee.eu / fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Experten vermuten, dass viele der jungen Betroffenen erblich vorbelastet sind: Sie sind Trägerinnen eines oder mehrerer schädlich veränderter Gene, die den Tumor entstehen lassen. Die bereits bekannten Hochrisikogene wie etwa BRCA1 oder BRCA2 sind allerdings nur für höchstens ein Viertel der Fälle bei jungen Frauen verantwortlich. Ein Hamburger Forscherteam macht sich nun...

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immunthrombozytopenie: Eltrombopag mit Langzeit-Wirksamkeit über Jahre"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich