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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. November 2016 Immuntherapie beim metastasierten RCC: Eine Neuentwicklung, aber mit bewährten Bausteinen

„Mit der Immuntherapie erleben wir eine neue Entwicklung beim mRCC“, sagte Prof. Dr. Jan Roigas, Berlin. Aber man muss die Daten zu den Checkpoint-Inhibitoren auch ein wenig kritisch durchleuchten. Nach wie vor gilt: Das mRCC ist eine im wesentlichen VEGF-getriggerte Erkrankung, und daher wird die Therapie mit den entsprechenden Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) immer einen wesentlichen Stellenwert in dieser Behandlung einnehmen.
Prof. Dr. Manuela Schmidinger, Wien, schilderte die Entwicklung der Therapie in den vergangenen Jahren beim mRCC. Es war ein enormer Fortschritt, als der Pathomechanismus dieser Krebsentität als im wesentlich VEGF-getriggert identifiziert worden ist. Daraufhin wurde der TKI Sunitinib, Markteinführung im Jahre 2006, gegen den bisherigen Standard beim mRCC, nämlich einer Interferon-Therapie, in der ersten Linie getestet und konnte in der Response signifikante Vorteile erzielen (1).

Allerdings führte die VEGFR-Inhibition nach median knapp 1 Jahr zur Resistenzbildung. Durch die Zulassung zahlreicher weiterer TKIs konnte jedoch ein Sequenz-Konzept bei der Behandlung erarbeitet werden. Dies sah in der zweiten Linie einen anderen TKI vor, zumeist einen Multikinase-Inhibitor.

„Wenn dem Tumor mit Anti-VEGF-Behandlung seine Energiezufuhr entzogen wurde, sucht er sich – als Gegenstrategie – neue Pathways, um sich weiterhin zu versorgen“, erklärte Schmidinger. Werden diese Signalwege durch TKIs der neuen Generation blockiert, kommt es erneut zu einem Ansprechen.

In der Sequenz wurden dann zwei unterschiedliche Strategien verfolgt, nämlich entweder eine mTOR-Inhibition in der zweiten Linie einzusetzen oder die VEGF-Inhibition zu intensivieren. Letzteres zeigte in der AXIS-Studie mit Axitinib (Inlyta®) Erfolg (2). Da mittlerweile eine ganze Reihe an weiteren neuen Multikinase-Inhibitoren zur Verfügung stehen, können ebenfalls Folgeresistenzen damit umgangen werden.

Schmidinger verwies ferner darauf, dass gerade initial eine starke VEGF-Inhibition mit einer besseren Response assoziiert ist. Sunitinib wies diesbezüglich eine Response-Rate von 47% auf (3). „Je stärker der Tumor schrumpft, umso länger ist das Gesamtüberleben unserer Patienten.“ Dies wurde von Grünwald und Kollegen in einer retrospektiven Analyse dargestellt (4).

Bezüglich der neuen Therapieoption der Checkpoint-Inhibitoren (Immuntherapie) konstatierte Prof. Dr. Gerald Mickisch, Bremen, eine erfreuliche Erweiterung des Armamentariums. So konnte in der Studie CheckMate -025 Nivolumab im direkten Vergleich mit dem mTOR-Inhibitor Everolimus beim Gesamtüberleben (OS) eine signifikante Überlegenheit generieren (p=0,0018), nicht allerdings beim progressionsfreien Überleben (PFS).

Die Studienautoren errechneten sodann ein aktuelles Langzeit-Überleben nach 4 Jahren bei 30% der Population. „Wer hätte dies vor 5 Jahren für möglich gehalten“, erinnerte sich Mickisch. „Schaut man sich die Studie aber genauer an“, schränkte er wiederum ein, „lassen sich zwei Drittel dieses Überlebens auf die multiple Sequenztherapie – eben auch mit TKIs – zurückführen“. Denn die Patienten-Population in der Studie war mehrfach vorbehandelt. Dies unterstreiche, so das Resümee von Mickisch, den Stellenwert der Sequenztherapie und damit die Relevanz der TKIs.

Reimund Freye

Quelle: Satellitensymposium „Geht das Zeitalter der TKI zu Ende? Der Stellenwert der TKI-Therapie beim mRCC im Kontext der Immunonkologie“, DGU-Kongress, Leipzig, 29.09.2016; Veranstalter: Pfizer

Literatur:

(1) Motzer R et al. N Engl J Med 2007;356:115-24.
(2) Rini BI et al. Lancet 2011; 378(9807):1931-9.
(3) Motzer R et al. J Clin Oncol 2009; 27(22):3584-90.
(4) Grünwald V et al. ESMO 2013, #2702.


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