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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Februar 2016 Ibrutinib überzeugt in der Erstlinientherapie bei älteren CLL-Patienten

Der Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer Ibrutinib war in der Erstlinientherapie bei älteren Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) oder kleinem lymphozytischen Lymphom besser wirksam als Chlorambucil, so die Ergebnisse der RESONATE-2-Studie, die von Dr. Alessandra Tedeschi, Chefärztin am Hospedale Niguarda Ca’ Granda, Mailand, beim 57. ASH-Kongress im Dezember 2015 in Orlando vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurden (1, 2).

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Chlorambucil gilt bislang als Standard in der Erstlinienbehandlung von älteren Menschen mit CLL, die häufig an Begleiterkrankungen leiden. Mit Fludarabin oder Bendamustin waren zwar die Ansprechraten bei dieser Patientengruppe höher, das Gesamtüberleben der Patienten wurde jedoch nicht verlängert und die Therapie war mit mehr Nebenwirkungen assoziiert. 

Ibrutinib (Imbruvica®) ist seit Oktober 2014 in der EU u.a. für die Behandlung der CLL zugelassen. Es ist ein oral applizierbarer Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer, der sich in der Phase-III-Studie RESONATE bei Patienten mit refraktärer oder rezidivierter CLL als wirksamer als Ofatumumab erwiesen hatte. In der RESONATE-2-Studie untersuchte nun die Arbeitsgruppe um Prof. Jan Burger, MD Anderson Cancer Center, Houston, USA, Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ibrutinib im Vergleich zu Chlorambucil in der Erstlinienbehandlung von CLL-Patienten ab einem Alter von 65 Jahren. 269 Patienten im medianen Alter von 73 Jahren erhielten randomisiert Ibrutinib (420 mg/Tag) bis zur Progression der Erkrankung oder bis zur inakzeptablen Toxizität oder bis zu 12 Zyklen Chlorambucil.

Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben im Median, war mit Ibrutinib zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht erreicht, mit Chlorambucil lag es bei 18,9 Monaten (HR=0,16, KI 0,09-0,28; p<0,001) (Abb. 1). Dies entspricht einem um 84% geringeren Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder Tod. Nach 18 Monaten lebten in der Ibrutinib-Gruppe noch 90% der Patienten ohne erneute Krankheitszeichen, in der Chlorambucil-Gruppe waren es 52%. 

Abb. 1: RESONATE-2-Studie: Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, wurde durch Ibrutinib im Vergleich zu Chlorambucil signifikant verlängert (nach (2)).
Abb. 1: RESONATE-2-Studie: Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, wurde durch Ibrutinib im Vergleich zu Chlorambucil signifikant verlängert (nach (2)).

 

Ibrutinib verlängerte auch das Gesamtüberleben der Patienten signifikant. Nach 24 Monaten lebten in der Ibrutinib-Gruppe noch 98% und in der Chlorambucil-Gruppe noch 85% der Patienten. Ibrutinib senkte damit das Sterberisiko relativ um 84% (HR=0,16, 95%-KI 0,05-0,56; p=0,001). Zudem war die Gesamt-Ansprechrate mit 86% in der Ibrutinib-Gruppe signifikant besser als mit 35% in der Chlorambucil-Gruppe. Eine anhaltende Erhöhung der Hämoglobin- und Thrombozyten-Werte war mit Ibrutinib häufiger. Das belegt nach Aussage von Tedeschi, dass „Ibrutinib die Knochenmarkfunktion verbessert“, was für die älteren Patienten besonders wichtig sei.

 

Günstiges Nutzen-Risiko-Profil

Ibrutinib erwies sich als besser verträglich als Chlorambucil. Während 9% der Patienten mit dem BTK-Hemmer die Behandlung vorzeitig wegen Unverträglichkeit beendeten, waren es in der Chlorambucil-Gruppe 23%. Bei der Beurteilung dieser Ergebnisse ist zudem zu beachten, dass die Patienten der Ibrutinib-Gruppe fast 2,5mal länger als die der Chlorambucil-Gruppe behandelt wurden und dass zum Analysezeitpunkt noch 87% der Patienten mit Ibrutinib behandelt wurden. Häufigste unerwünschte Wirkungen unter Ibrutinib waren Durchfall (42%), Fatigue (30%), Husten (22%) und Übelkeit (22%). Unter Chlorambucil kam es am häufigsten zu Übelkeit (39%), Fatigue (38%), Neutropenie (23%) und Erbrechen (20%). In der Ibrutinib-Gruppe wurde bei den Patienten häufiger eine Hypertonie beobachtet. Sie konnte mit Antihypertensiva erfolgreich kontrolliert werden und erforderte keine Dosisreduktion und keinen Therapieabbruch. 

Tedeschis Fazit lautete: „Diese Studie bestätigt die Wirksamkeit von Ibrutinib und belegt ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil in der Erstlinienbehandlung von älteren Patienten mit CLL/SLL im Vergleich zu traditioneller Chemotherapie.“

(sh)

Literatur:

(1) Tedeschi A et al. ASH-Kongress 2015, Abstract 495.
(2) Burger JA et al. N Engl J Med. Online publiziert am 6. Dezember 2015, http://dx.doi.org/10.1056/EJMoa1509388


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