Montag, 30. März 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Februar 2016 Ibrutinib überzeugt in der Erstlinientherapie bei älteren CLL-Patienten

Der Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer Ibrutinib war in der Erstlinientherapie bei älteren Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) oder kleinem lymphozytischen Lymphom besser wirksam als Chlorambucil, so die Ergebnisse der RESONATE-2-Studie, die von Dr. Alessandra Tedeschi, Chefärztin am Hospedale Niguarda Ca’ Granda, Mailand, beim 57. ASH-Kongress im Dezember 2015 in Orlando vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert wurden (1, 2).

Anzeige:

Chlorambucil gilt bislang als Standard in der Erstlinienbehandlung von älteren Menschen mit CLL, die häufig an Begleiterkrankungen leiden. Mit Fludarabin oder Bendamustin waren zwar die Ansprechraten bei dieser Patientengruppe höher, das Gesamtüberleben der Patienten wurde jedoch nicht verlängert und die Therapie war mit mehr Nebenwirkungen assoziiert. 

Ibrutinib (Imbruvica®) ist seit Oktober 2014 in der EU u.a. für die Behandlung der CLL zugelassen. Es ist ein oral applizierbarer Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer, der sich in der Phase-III-Studie RESONATE bei Patienten mit refraktärer oder rezidivierter CLL als wirksamer als Ofatumumab erwiesen hatte. In der RESONATE-2-Studie untersuchte nun die Arbeitsgruppe um Prof. Jan Burger, MD Anderson Cancer Center, Houston, USA, Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ibrutinib im Vergleich zu Chlorambucil in der Erstlinienbehandlung von CLL-Patienten ab einem Alter von 65 Jahren. 269 Patienten im medianen Alter von 73 Jahren erhielten randomisiert Ibrutinib (420 mg/Tag) bis zur Progression der Erkrankung oder bis zur inakzeptablen Toxizität oder bis zu 12 Zyklen Chlorambucil.

Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben im Median, war mit Ibrutinib zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht erreicht, mit Chlorambucil lag es bei 18,9 Monaten (HR=0,16, KI 0,09-0,28; p<0,001) (Abb. 1). Dies entspricht einem um 84% geringeren Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder Tod. Nach 18 Monaten lebten in der Ibrutinib-Gruppe noch 90% der Patienten ohne erneute Krankheitszeichen, in der Chlorambucil-Gruppe waren es 52%. 

Abb. 1: RESONATE-2-Studie: Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, wurde durch Ibrutinib im Vergleich zu Chlorambucil signifikant verlängert (nach (2)).
Abb. 1: RESONATE-2-Studie: Der primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, wurde durch Ibrutinib im Vergleich zu Chlorambucil signifikant verlängert (nach (2)).

 

Ibrutinib verlängerte auch das Gesamtüberleben der Patienten signifikant. Nach 24 Monaten lebten in der Ibrutinib-Gruppe noch 98% und in der Chlorambucil-Gruppe noch 85% der Patienten. Ibrutinib senkte damit das Sterberisiko relativ um 84% (HR=0,16, 95%-KI 0,05-0,56; p=0,001). Zudem war die Gesamt-Ansprechrate mit 86% in der Ibrutinib-Gruppe signifikant besser als mit 35% in der Chlorambucil-Gruppe. Eine anhaltende Erhöhung der Hämoglobin- und Thrombozyten-Werte war mit Ibrutinib häufiger. Das belegt nach Aussage von Tedeschi, dass „Ibrutinib die Knochenmarkfunktion verbessert“, was für die älteren Patienten besonders wichtig sei.

 

Günstiges Nutzen-Risiko-Profil

Ibrutinib erwies sich als besser verträglich als Chlorambucil. Während 9% der Patienten mit dem BTK-Hemmer die Behandlung vorzeitig wegen Unverträglichkeit beendeten, waren es in der Chlorambucil-Gruppe 23%. Bei der Beurteilung dieser Ergebnisse ist zudem zu beachten, dass die Patienten der Ibrutinib-Gruppe fast 2,5mal länger als die der Chlorambucil-Gruppe behandelt wurden und dass zum Analysezeitpunkt noch 87% der Patienten mit Ibrutinib behandelt wurden. Häufigste unerwünschte Wirkungen unter Ibrutinib waren Durchfall (42%), Fatigue (30%), Husten (22%) und Übelkeit (22%). Unter Chlorambucil kam es am häufigsten zu Übelkeit (39%), Fatigue (38%), Neutropenie (23%) und Erbrechen (20%). In der Ibrutinib-Gruppe wurde bei den Patienten häufiger eine Hypertonie beobachtet. Sie konnte mit Antihypertensiva erfolgreich kontrolliert werden und erforderte keine Dosisreduktion und keinen Therapieabbruch. 

Tedeschis Fazit lautete: „Diese Studie bestätigt die Wirksamkeit von Ibrutinib und belegt ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil in der Erstlinienbehandlung von älteren Patienten mit CLL/SLL im Vergleich zu traditioneller Chemotherapie.“

(sh)

Literatur:

(1) Tedeschi A et al. ASH-Kongress 2015, Abstract 495.
(2) Burger JA et al. N Engl J Med. Online publiziert am 6. Dezember 2015, http://dx.doi.org/10.1056/EJMoa1509388


Das könnte Sie auch interessieren

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf
© julief514 / Fotolia.com

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Das diesjährige Motto der Weltgesundheitsorganisation lautet: „Wir können. Ich kann.“ Es steht dafür, dass Menschen durch einen gesunden Lebensstil dazu beitragen können, vielen Krebsarten vorzubeugen. „Gesundheit ist ein hohes Gut und es macht Spaß etwas dafür zu tun“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Die Organisation bietet Interessierten kostenlose Infomaterialien...

Heller Hautkrebs: Signalweg entschlüsselt

Beim Hautkrebs gibt es verschiedene Krankheitsformen: Mit Abstand am häufigsten ist dabei das so genannte Basalzellkarzinom, eine Form von hellem Hautkrebs, bei der sich der Tumor von seinem Entstehungsort in der Haut langsam aber stetig ausbreitet. Zwar bildet das Basalzellkarzinom im Allgemeinen keine Tochtergeschwülste (Metastasen), der Tumor sollte jedoch so früh wie möglich behandelt werden, da er ansonsten das umgebende Gewebe zerstören und sogar Muskeln...

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ibrutinib überzeugt in der Erstlinientherapie bei älteren CLL-Patienten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden